Körperlich und psychisch: Wie REM-Schlaf langfristig vor Krankheiten schützt

Körperlich und psychischWie REM-Schlaf langfristig vor Krankheiten schützt
24.09.2026, 14:28 Uhr

Schlaf ist ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Lebens und läuft in verschiedenen Phasen ab. Noch ist allerdings unklar, wie lang diese sein müssen, um Einfluss auf die Gesundheit zu haben. Ein Forschungsteam liefert nun Antworten.
Durch eine lange Traumschlafphase lässt sich offenbar das Risiko für bis zu 83 Krankheiten senken. Das hat ein Forschungsteam der Capital Medical University China herausgefunden. Gleichzeitig stellten die Forschenden um Shengzhi Sun fest, dass eine Schlafphase von weniger als fünf Stunden pro Nacht zu einer Erhöhung verschiedener Krankheitsrisiken führen kann.
Für die Untersuchung wurden die Daten von fast 100.000 Menschen der UK Biobank ausgewertet. Die Studienteilnehmenden mit einem Durchschnittsalter von 56 Jahren trugen sieben Tage und Nächte lang ein Messgerät am Handgelenk, mit dem Daten über den Schlaf gesammelt wurden. Ein Deep-Learning-Algorithmus analysierte diese Daten und konnte so die Gesamtschlafdauer, die Wachphasen nach dem Einschlafen und die nächtlichen Schlafunregelmäßigkeiten festmachen. Zudem wurde festgestellt, wie lange sich die Probandinnen und Probanden in den verschiedenen Schlafphasen befanden.
Der nächtliche Schlaf wird in vier verschiedene Phasen eingeteilt:
1. Einschlafphase: Diese Phase ist der Übergang vom Wach- zum Schlafzustand. Sie geht mit körperlichen Veränderungen einher. Der Körper beginnt sich zu entspannen, Atmung und Puls werden ruhiger. Das Bewusstsein ist zwischen Wachsein und Schlaf. In dieser Phase ist man noch leicht wieder aufzuwecken.
2. Leichtschlafphase: Sie ist die Vorbereitung auf den Tiefschlaf. Herzschlag und Atmung werden noch langsamer. Die Muskulatur entspannt sich. Manchmal kommt es zu in dieser Phase zu plötzlichen Muskelzuckungen. Der Grund: Gehirn und Muskeln kommen unterschiedlich schnell zur Ruhe.
3. Tiefschlafphase: Sie wird als die wichtigste Phase für die körperliche Regeneration angesehen. Im Tiefschlaf wird das Immunsystem gestärkt, Gewebeschäden repariert und Wachstumshormone ausgeschüttet. Blutdruck, Herzschlag und Körpertemperatur sinken. Das Gehirn schaltet in den Energiespar- und Speicher- und Aufräummodus.
4. REM-Schlafphase: REM ist die Abkürzung für Rapid Eye Movement, was die schnellen Augenbewegungen unter den geschlossenen Lidern beschreibt, die in dieser Phase sichtbar sind. Diese Phase kann auch als Traumphase bezeichnet werden. Das Gehirn arbeitet auf Hochtouren und ist ähnlich aktiv wie im Wachzustand.
Bis auf die Einschlafphase, die oftmals kürzer ist, dauern die Schlafphasen jeweils zwischen 90 und 110 Minuten. Die verschiedenen Schlafphasen bilden einen Schlafzyklus. Während der Nacht wird dieser vier- bis sechsmal durchlaufen. Ein kurzes Aufwachen zwischendurch passiert öfter und ist vollkommen normal.
Optimale Schlafdauer ermittelt
Alle Studienteilnehmenden wurden über mehrere Jahre hinweg beobachtet. Zudem standen den Forschenden deren Gesundheitsdaten mit 1000 Krankheitsverläufen zur Verfügung. Bei der Auswertung zeigte sich, dass ein längerer REM-Schlaf mit einem geringeren Risiko für 83 Erkrankungen in Verbindung steht, darunter Herzinsuffizienz, Demenz und Parkinson. Ein längerer Tiefschlaf war mit einem geringeren Risiko für sieben Erkrankungen, wie unter anderem Diabetes-Typ 2 und schwere Depressionen, verknüpft. Unregelmäßiger Schlaf und häufiges Aufwachen nach dem Einschlafen waren jeweils mit einem höheren Risiko für verschiedene Erkrankungen verbunden, darunter Angststörungen und Substanzkonsumstörungen.
Das geringste Risiko für Erkrankungen bestand laut Studie für diejenigen, die täglich sechs bis acht Stunden schliefen. Personen, die weniger als fünf Stunden schliefen, wiesen hingegen die höchste Anfälligkeit für Erkrankungen auf, mit einem erhöhten Risiko für 37 Erkrankungen.
"Die Ergebnisse liefern weitere Belege für die Bedeutung einer Schlafdauer von sechs bis acht Stunden als Gesundheitsschutz für Menschen mittleren und höheren Alters, was wahrscheinlich auf eine günstigere Verteilung der Schlafphasen zurückzuführen ist", schreiben die Autoren, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Public Library of Sciene - Medicine" veröffentlicht wurden.
Da es sich jedoch um eine Beobachtungsstudie handelt, kann die Untersuchung keinen direkten Zusammenhang zwischen Schlafmuster und Krankheitsrisiko belegen, sondern nur einen statistischen Zusammenhang zeigen. Gleichzeitig lieferten diese Ergebnisse wichtige Erkenntnisse für Prävention und Gesundheitsförderung, betont das Forschungsteam.
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