Bodenschätze Simbabwes: Das Lithium unter ihrem Land

China beutet Simbabwes Rohstoffe aus. Menschen in den Abbaugebieten verlieren ihre Lebensgrundlage, versprochene Entschädigungen bleiben oft aus.
Foto: Philimon Bulawayo/reuters
Nach dem Läuten der Schulglocke machte John Tauya sich auf den Weg in sein Heimatdorf Mukwasi in der Provinz Manicaland, ganz im Osten Simbabwes. Er freute sich auf warme Maiskolben und Kürbisblätter mit Maisbrei, in der lokalen Shona-Sprache Sadza genannt. Danach wollte er sich in seiner Hütte ausruhen. Doch als der Schüler das Grundstück seiner Familie erreichte, sah er nur einen Haufen Trümmer.
Dort, wo das Haus gestanden hatte, war nichts mehr. „Es fühlte sich an, als wäre ein Teil von mir weggerissen worden“, sagt er später. Fremde hätten ihm gesagt, er befinde sich auf „Privatgrund“. John ging, ohne zu wissen, wo er seine Eltern finden konnte, von denen er sich eine Erklärung erhoffte.
In Simbabwe vergibt die Regierung zunehmend sogenannte Exclusive Prospecting Orders (EPOs). Sie geben Bergbauunternehmen oder Einzelpersonen das exklusive Recht, in einem festgelegten, oft riesigen Gebiet nach bestimmten Rohstoffen zu suchen. Das Kürzel EPO klingt harmlos, für die betroffenen Dorfgemeinschaften kann die Wirkung jedoch der einer Atombombe gleichen. In kürzester Zeit können Hoffnungen, Häuser und Lebensgrundlagen ausgelöscht werden.
Afrika-Workshop & Magazin-Bestellung
Am 5. Afrika-Workshop der taz panterstiftung nehmen Kolleg:innen aus 16 Ländern Afrikas teil. Dabei entsteht auch ein 64-seitiges, aufwändig gestaltetes Magazin. Es kann bestellt werden per Mail an stiftung@taz.de unter dem Betreff „Afrika-Magazin“ und Angabe Ihres Namens und Ihrer Postadresse. Vielen Dank!
Die Texte des Magazins erscheinen auch hier auf taz.de.
Möchten Sie Sie die taz Panter Stiftung unterstützen:
• Können Sie hier direkt online spenden.
• oder über die Kontoverbindung der Stiftung:
GLS-Bank Bochum
BIC: GENODEM1GLS
IBAN: DE 9743 0609 6711 0371 5900
Chinas grüne Wende hat zahlreiche chinesische Bergbaufirmen und Investoren nach Simbabwe geführt. Das afrikanische Land verfügt über große Rohstoffvorkommen, zugleich sind staatliche Strukturen schwach und Korruption ist weit verbreitet. Mit den EPOs in der Hand suchen chinesische Unternehmen nach Metallen, Mineralien und anderen Rohstoffen, beispielsweise Lithium. Werden sie fündig, können sie Bergwerke errichten. Auch dort, wo seit Generationen Menschen leben und Landwirtschaft betreiben.
Vertreibung vom angestammten Land
Genau das geschah bei der Sabi-Star-Mine, einem mehrere Millionen Dollar schweren Lithiumprojekt in Manicaland. Für die Mine wurden 41 Familien aus Mukawasi Village von ihrem angestammten Land vertrieben, ohne vorherige Warnung oder öffentliche Bekanntmachung. Eine von ihnen war die Familie von John Tauya. Der stand kurz davor, seinen ersten Schulabschluss zu machen, und wollte danach auf eine weiterführende Schule gehen. Doch nachdem das hinter der Mine stehende chinesische Unternehmen Max Mind Investments 2022 seine Familie vertrieben hatte, war seine Zukunft ungewiss.
„Ich hatte mich auf die Abschlussprüfungen vorbereitet und gehofft, anschließend das Advanced Level zu machen. Aber all meine Mühe war umsonst, weil ich die Schule abbrechen musste“, sagte John.
Die 41 vertriebenen Familien schliefen zunächst auf einer Brache neben dem Haus des Gemeinderats im Nachbarort Murambinda. „Ich war zufrieden mit dem wenigen, das wir hatten. Aber jetzt kann ich das nicht mehr sein“, sagt John und zeigt dem Reporter bei einem Besuch die erbärmlichen Verhältnisse, unter denen die Familien nun leben.
In der Trockenzeit trocknen unsere Bohrlöcher aus, während das Wasser in die Mine läuft
Panas Muteera, Dorfbewohner
2025 entfielen rund 10 Prozent der weltweiten Lithiumproduktion auf Simbabwe. Im Februar 2026 verbot die Regierung in Harare die Ausfuhr von Lithiumkonzentrat. Die Regierung wollte den Rohstoff im Land behalten, um von der Weiterverarbeitung zu profitieren. In der Folge kam es etwa an der Börse von Guangzhou in China zu einem starken Anstieg der Lithiumpreise und der Aktienkurse. Gleichzeitig wuchs die Sorge, dass das weltweite Angebot des für Batterien wichtigen Rohstoffs knapper werden könnte.
Lithium gelangt nach China – trotz Exportstopp
An der Guangzhou Futures Exchange sprang der Preis zunächst um 6 Prozent auf 177.000 Yuan pro Tonne und dann bis Mai weiter auf fast 210.000 Yuan (rund 27.000 Euro). Doch der Exportstopp scheint bislang vor allem auf dem Papier zu bestehen. Weiterhin werden EPOs vergeben, chinesische Unternehmen vergrößern ihre Anlagen. Lastwagen mit unverarbeitetem Lithium werden nach wie vor auf dem Weg zur Grenze beobachtet – über die Nachbarländer soll der Rohstoff anschließend nach China gelangen.
Jetzt unterstützen!
Unterstützen Sie die taz panterstiftung und ihre internationalen Projekte mit einer Spende. Mehr erfahren
Max Mind Investments ist eine Tochtergesellschaft des chinesischen Konzerns Shenzhen Chengxin Lithium Group. Den Dorfbewohnern versprach das Unternehmen zunächst, ihnen nach der Umsiedlung Häuser mit 5 Zimmern zu bauen. Tatsächlich wurden sie in kleine Wohnparzellen von rund 300 Quadratmetern umgesiedelt. Sie verloren 5 Hektar landwirtschaftliche Flächen. Ihre Einkommensquellen und Lebensgrundlagen sind zerstört: Gärten, Brunnen und Bohrlöcher ebenso wie Hühner, Ziegen und Kühe.
Johns Familie erhielt eine Entschädigung von 1.000 US-Dollar pro Kind und 1.500 US-Dollar pro Erwachsenen. Für jeden verlorenen Baum erhielten die Familien zusätzlich 20 US-Dollar. Zerstörte Viehställe wurden überhaupt nicht entschädigt, auch nicht die Exhumierung der Gräber ihrer Vorfahren.
Das Geld war bald aufgebraucht. Die höheren Lebenshaltungskosten in der Stadt verschlangen die Ersparnisse der Familie und zwangen John schließlich dazu, die Schule abzubrechen. Viele der Dorfbewohner:innen sahen sich gezwungen, ihr verbliebenes Vieh zu verkaufen. Ihre wirtschaftliche Not verschärfte sich dadurch weiter.
Proteste der Gemeinde gegen Mine
Emerson Njanjamangezi, einst bekannter Journalist im Land, heute Sprecher der Sabi-Star-Mine, ließ Anfragen dazu unbeantwortet.
Die vertriebenen Bewohner:innen wandten sich über die NGO Buhera Residents Network Trust an das Parlament. Sie beklagten, dass der Lithiumabbau ihre Gemeinden in zentralen Lebensbereichen beeinträchtige – bei der Wasserversorgung, der Gesundheit, beim Zugang zu Land und bei der Ausübung wirtschaftlicher Tätigkeiten. Sie legten Karten, Labordaten, Fotografien und Aussagen von Bewohnern vor.
Panas Muteera aus Mukwasi Village verwies bei einer Anhörung auf die enorme Staubbelastung. „Teils fahren am Tag rund 100 Lastwagen über die Straße“, sagte er. Die Häuser seien mit Staub bedeckt. „Kinder und ältere Menschen wachen hustend und mit Kopfschmerzen auf. Die meisten Schulen liegen direkt an der Straße.“ Hinzu kämen die regelmäßigen Sprengungen. Sie hätten Risse in den Häusern verursacht und viele Gebäude instabil gemacht. Gleichzeitig verschärfe sich der Wassermangel, insbesondere während der Trockenzeit.
Wasser wird knapp
„Unsere Brunnen sind etwa 40 Meter tief, die Schächte der Mine reichen mehr als 200 Meter hinunter. In der Trockenzeit trocknen unsere Bohrlöcher aus, während das Wasser in die Mine läuft“, sagte Muteera.
Der Ex-Bergbauminister Polite Kambumura verwies auf eine Vereinbarung mit dem Minenunternehmen, mindestens 80 Prozent der Arbeitsplätze mit Einheimischen zu besetzen. „Doch daran halten sie sich nicht“, sagte Kambumura.
Die Delegation, die die Petition der Bewohner anhörte, ging auf die Beschwerden nicht ein, sondern lobte die Maßnahmen der Mine im Bereich der sozialen Unternehmensverantwortung, etwa die Errichtung einer Klinik sowie von Brunnen und Wohnraum in Murambinda. Bei vielen Simbabwern wächst so die Sorge, dass chinesische Investoren gegenüber der lokalen Bevölkerung bevorzugt behandelt werden.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
Simbabwe Verfassungsänderung als Ablenkungsmanöver
Präsident Mnangagwa will seine Macht per Verfassungsänderung festigen. Opposition fordert stattdessen Lösung wirtschaftlicher und sozialer Probleme.
Von Marcus Mushonga
Rohstoffgipfel der USA Das Ziel ist eine Allianz gegen China
Die USA suchen nach neuen Bündnispartnern, um sich Ressourcen zu sichern. Sie schließen ein Abkommen nach dem anderen. Die Umsetzung wird dauern.
Von Hansjürgen Mai
Simbabwes prügelnder Ex-Präsidentensohn Mugabe Junior macht dem Vater alle Ehre
In Simbabwe sorgt Chatunga Mugabe für Wirbel. Der jüngste Sohn von Exdiktator Robert Mugabe fällt immer wieder durch Gewaltvorfälle auf.
Von Marcus Mushonga
10 Ausgaben für 10 Euro Die Wochenzeitung mit taz-Blick
Wir schauen den Superreichen auf die Finger. Unsere wochentaz bietet jeden Samstag Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die woanders nicht gehört werden.
- Jeden Samstag als gedruckte Zeitung frei Haus
- Zusätzlich digitale Ausgabe inkl. Vorlesefunktion
Jetzt kennenlernen
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.