US-Beziehungen in Zentralasien: Von deutschen Investoren keine Spur

US-Außenminister Rubio ist in Zentralasien. Washington will vor allem China und Russland von dort verdrängen. Auch Deutschland gerät ins Hintertreffen.
Foto: Kylie Cooper/Pool Photo/AP
Die USA treiben ihre Präsenz im rohstoffreichen und bisher zwischen Russland und China eingeklemmten Zentralasien voran. Die früheren Sowjetrepubliken zwischen dem Kaspischen Meer und der Westgrenze Chinas seien „eine der Schlüsselregionen für die Trump-Regierung“, betonte US-Außenminister Marco Rubio vor seinem Besuch im usbekischen Samarkand am Montag.
Rubio ist zum ersten Mal in die Region gereist und wird dabei von einer mehr als 200 US-Firmen zählenden Delegation zum Treffen mit Verantwortlichen der früher abfällig „die Stans“ genannten Länder begleitet. Denn Washington will vor allem wirtschaftlich im früheren Vorhof Moskaus Fuß fassen.
„Fragen der strategischen Zusammenarbeit werden oft übersehen“, antwortete Rubio auf Kritik, warum er nach Zentralasien reise statt in eine akute Krisenregion. Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan sind wegen ihrer großen Vorkommen an Erdöl und Erdgas, Metallen, Uran, Seltenen Erden und anderen Rohstoffen ins Fadenkreuz Chinas, der USA, Russlands und Europas geraten.
Doch neben den Rohstoffen spielen inzwischen auch gut ausgebildete IT-Kräfte, Rechenzentren und erhebliche Milliardenbeträge aus Öl- und Gasverkäufen, die inzwischen weltweit investiert werden können, eine Rolle beim Rennen um Zentralasien. Die USA haben bereits milliardenschwere Lieferverträge für Flugzeugbauer Boeing, Landmaschinenhersteller John Deere und zur Verwaltung durch US-Investmentbanken allein in Kasachstan eingesammelt.
Donald Trump will nach Zentralasien reisen
Die USA wollen auch das zweitgrößte Gasfeld der Welt – in Turkmenistan – dem Exklusivzugriff der Chinesen entwinden und stattdessen Verbündete wie Indien und Pakistan über eine Pipeline via Afghanistan beliefern lassen.
„Die USA haben sich lange Zeit auf den Nahen Osten und Ostasien konzentriert. Zentralasien, das zwischen diesen Regionen liegt, hat nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die es verdient“, hieß es im Vorfeld des Rubio-Besuchs aus hochrangigen diplomatischen Kreisen in Washington.
Die Gespräche in Samarkand drehten sich neben wirtschaftlicher Zusammenarbeit und dem Ausbau von US-Investitionen in Zentralasien vor allem auch um regionale Sicherheit. Rubio kündigte zudem an, dass Donald Trump plane, in die Region zu reisen. Bisher war noch nie ein US-Präsident in einem der Länder der Region.
Die wirtschaftlich stärksten Staaten Zentralasiens, Kasachstan und Usbekistan, werden politisch durch die USA bereits aufgewertet: Trump hat sie erstmals als Beobachter zum G20-Gipfel der 20 wirtschaftsstärksten Länder nach Miami Mitte Dezember eingeladen.
Deutsche Investoren kommen einfach nicht
Washington hat bereits 2015 unter US-Außenminister John Kerry das C5+1 genannte Format der fünf „Stans“ und den USA aufgebaut. 2023 lud Präsident Joe Biden die fünf Staatschefs der Region ein, im November 2025 holte Nachfolger Trump sie ins Weiße Haus.
Kasachstan habe inzwischen auch Interesse, den von Trump initiierten und zuerst von den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain unterzeichneten „Abraham Accords“ beizutreten. Sie sollen die Beziehungen zwischen Israel und muslimisch geprägten Staaten normalisieren.
Kasachische Diplomaten sagten indes der taz: „Wir hätten sehr gern deutsche Investoren, aber es kommt kaum jemand.“ Der überhaupt erste EU-Zentralasien-Gipfel fand im April 2025 statt mit den EU-Spitzen Ursula von der Leyen und António Costa und den Staats- und Regierungschefs der Region in Samarkand. Statt Deals wurde eine „strategische Partnerschaft“ besiegelt.
Die autoritär beherrschten zentralasiatischen Länder haben zusammen ein Bruttoinlandsprodukt von gut 700 Milliarden Dollar, so viel wie Israel oder Argentinien. Davon kommt allein Kasachstan auf vom Internationalen Währungsfonds 2026 erwartete 397,8 Milliarden Dollar, Usbekistan auf 178,2 Milliarden Dollar.
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