Blick-Leser werden in Muolen SG kurzerhand zu Tier-Bewachern

«Könnt ihr kurz auf die Kuh aufpassen?»
Blick-Leser werden in Muolen SG kurzerhand zu Tier-Bewachern
Zwei Thurgauer staunten, als sie auf einer nächtlichen Rückfahrt aus dem Nachbarkanton St. Gallen plötzlich mitten auf der Strasse einer entlaufenen Kuh begegneten. Sofort riefen die beiden die Polizei und wurden unvermittelt selbst zu Kuh-Hütern.
Publiziert: vor 19 Minuten
- Zwei Thurgauer entdeckten nachts in Muolen SG eine entlaufene Kuh mitten auf der Dorfstrasse
- Polizist konnte den Halter zunächst nicht erreichen und fuhr persönlich los, um ihn zu wecken
- Mit Handy-Taschenlampen hielten sie das Tier von der Hauptstrasse fern, bis der Halter eintraf
Nach einer Spätschicht am Mittwochabend überkam Shpat Ademi (30) aus Amriswil TG der Hunger. Da es in der Thurgauer Gemeinde wenig Optionen für einen Mitternachtssnack gibt, holte ihn sein Kollege Johannes Budak (29) aus Bischofszell TG nach der Arbeit ab, und die beiden fuhren nach St. Gallen zu einer McDonald's-Filiale, berichtet er Blick. So weit, so normal – doch was die beiden auf der Rückfahrt erlebten, damit hätten sie niemals gerechnet.
Auf dem Heimweg fuhren sie über die Landstrasse. Wie so oft zu später Stunde kreuzten mehrere Füchse ihren Weg. Doch was die beiden plötzlich kurz vor 1 Uhr mitten auf der Dorfstrasse in Muolen SG erblickten, brachte sie nicht mehr aus dem Staunen. «Bro, da ist einfach eine Kuh», sagte Ademi zu seinem Kollegen. Und tatsächlich: Völlig ungerührt blickte ihnen eine Kuh samt fröhlich bimmelnder Glocke am Hals aus der Dunkelheit entgegen.
Polizist lässt Thurgauer mit Kuh allein
Sofort verständigten die beiden die Polizei. Bald darauf fand sich ein Beamter vor Ort ein. In der Zwischenzeit war die Kuh in den Garten eines Einfamilienhauses gelaufen. Nach ersten Abklärungen erreichte der Polizist den Besitzer der Kuh jedoch nicht telefonisch. Der Beamte entschied sich daher persönlich vorbeizufahren, um den Viehhalter zu wecken.
Doch wer sollte sich unterdessen um das entlaufene Tier kümmern? Der Polizist fragte die beiden Thurgauer: «Könnt ihr kurz auf die Kuh aufpassen?» Das liessen sich die beiden nicht zweimal sagen. «Selbstverständlich! Mit grosser Freude haben wir diese Aufgabe übernommen», schildert Ademi. Kurzerhand wurden die beiden Blick-Leser zu Kuh-Hütern.
Kuh-Hüter mit Handy-Taschenlampen
Mit Armbewegungen und ihren Handy-Taschenlampen versuchten die beiden Männer die Kuh in einem begrenzten Bereich zu halten, damit sie nicht wieder davonlief. «Direkt gegenüber befand sich nämlich eine Hauptstrasse, und wir wollten unbedingt verhindern, dass die Kuh auf die Fahrbahn läuft und möglicherweise einen Unfall verursacht», erklärt Ademi.
Nach einiger Zeit traf schliesslich auch der Besitzer der Kuh vor Ort ein, nachdem die Polizei ihn informiert hatte. Es gelang ihm schliesslich, das Tier wieder einzufangen und nach Hause zu bringen. Das bestätigte auch die Kantonspolizei St. Gallen gegenüber Blick, die zu dem Einsatz ausrückte.
Polizei kümmert sich regelmässig um entlaufene Tiere
Meldungen von ausgebüxten oder frei laufenden Tieren sind für die St. Galler Polizei keine Seltenheit. Im Oktober 2026 erhielt die Notruf- und Einsatzleitzentrale St. Gallen allein 20 Meldungen von Kühen oder Kälbern, die sich verlaufen hatten. Am häufigsten werden in der Regel frei laufende Hunde gemeldet, im Oktober waren es 21 Meldungen, gefolgt von 14 Meldungen über Schafe. Je eine Meldung erhielt die Kapo von einer ausgebüxten Ziege, zwei Schweinen, einer Gans, einem Esel und einem Pferd.
Am Ende ging die aufregende Begegnung für alle gut aus. Ademi und Budak kamen satt, zufrieden und mit einer kuriosen Geschichte wieder zu Hause an. Und auch die entlaufene Kuh dürfte sich in ihrem heimischen Stall wieder deutlich wohler fühlen.
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