Tragödie im Jura: 13 Pferde sterben nach Bergahorn-Vergiftung

- Auf einer Weide der Familie Geiser in Cortébert BE haben 36 Pferde giftigen Bergahorn gefressen.
- 13 Pferde und Fohlen sind gestorben, 23 weitere liegen auf der Intensivstation von Tierkliniken.
- Der Familie drohen Tierarztkosten von mehreren zehntausend Franken. Eine Spendenaktion auf Gofundme soll sie finanziell unterstützen.
«13 Pferde sind bereits gestorben, 23 weitere befinden sich noch auf der Intensivstation in verschiedenen Kliniken. Ob sie überleben, ist weiterhin ungewiss», sagt Steulet-Geiser gegenüber 20 Minuten. Auf dem Hof der Familie Geiser in Cortébert kam es am Samstag zu einem tragischen Vorfall. Insgesamt 36 Pferde frassen auf einer Weide giftigen Bergahorn.
Die Pflanze enthält Giftstoffe, die bei Pferden eine lebensgefährliche Muskelerkrankung auslösen können. Der Bergahorn wurde durch den starken Wind auf die Weide getragen, auf welcher sich die Pferde befanden. «Es war ein Albtraum. Am Samstag holten wir zwei Pferde von der Weide und bemerkten, dass es ihnen überhaupt nicht gut ging», erzählt Steulet-Geiser. Schnell habe die Familie erkannt, dass die Tiere Symptome einer sogenannten atypischen Weidemyopathie zeigten.
Was bedeutet Myopathie?
Myopathie bedeutet Muskelerkrankung. Bei Pferden gibt es eine besonders gefährliche Form: die atypische Weidemyopathie.
Sie entsteht, wenn Pferde giftige Samen oder Keimlinge des Bergahorns fressen. Diese enthalten den Giftstoff Hypoglycin A, der die Muskeln schädigt. Besonders gefährlich ist, dass auch die Atem- und Herzmuskulatur betroffen sein kann. Der Giftgehalt der Samen kann je nach Baum, Saison und Jahr stark schwanken.
Anzeichen:
Betroffene Pferde werden schwach, bewegen sich steif, zittern, schwitzen stark und können dunkelbraunen Urin ausscheiden. In schweren Fällen liegen sie am Boden und können nicht mehr aufstehen. Die Krankheit verläuft häufig tödlich, ist aber nicht ansteckend.
Was tun bei Verdacht?
Betroffene Pferde müssen sofort von der Weide genommen und tierärztlich untersucht werden. Auch die übrigen Pferde sollten die betroffene Weide verlassen. Erkrankte Tiere brauchen Ruhe und Wärme. Eine schnelle Behandlung ist entscheidend.
«Da machten wir uns grosse Sorgen um die gesamte Herde, denn auf der Weide standen 36 Pferde.» Als die Familie bemerkte, dass auch weitere Tiere betroffen waren, mobilisierte sie zahlreiche Helfer und rief eine Tierärztin. Gemeinsam brachten sie die Pferde so schnell wie möglich in drei verschiedene Tierkliniken der Region. Für 13 Pferde und Fohlen kam jedoch jede Hilfe zu spät. «Die 23 weiteren Pferde und Fohlen befinden sich weiterhin in Tierspitälern auf der Intensivstation.»
Tierarztkosten von mehreren zehntausend Franken
«Es ist ein emotionaler Horror. Seit Sonntag schlafen wir kaum noch», erzählt Steulet-Geiser. Neben der Sorge um die Tiere bereiten der Familie auch die hohen Kosten Angst. «Ich habe Angst vor den finanziellen Folgen. Wir rechnen mit Tierarztkosten von mehreren zehntausend Franken und wissen nicht, wie wir das bezahlen sollen.» Hinzu kommt der Verlust durch die verstorbenen Pferde, deren Wert die Familie ebenfalls auf mehrere zehntausend Franken schätzt.
Um die Familie finanziell zu entlasten, hat eine Person aus ihrem Umfeld eine Spendenaktion auf der Plattform «Gofundme» gestartet. «Wir kennen die Person gut. Sie hat uns gesagt, dass sie uns auf diesem Weg unterstützen möchte», erzählt Steulet-Geiser. Wie viele Pferde den Vorfall letztlich überleben werden, ist weiterhin unklar.
Sterblichkeitsrate zwischen 40 und fast 100 Prozent
«Rund drei Viertel der Fälle von atypischer Weidemyopathie treten im Herbst auf», erklärt Lucia Unger, Dozentin für Innere Medizin an der Pferdeklinik der Universität Bern, gegenüber 20 Minuten. Der Wind wehe die giftigen Bergahornsamen oft in grossen Mengen auf Pferdeweiden. Dieses Jahr hätten die Bäume besonders viele Samen gebildet. «Bei einer hohen Giftkonzentration können bereits 30 Samen ausreichen, um bei einem 500 Kilogramm schweren Pferd Vergiftungssymptome auszulösen.»
Die Krankheit kann innert Stunden tödlich enden. Je nach Ausbruch und Region liege die Sterblichkeitsrate zwischen 40 und fast 100 Prozent. «Leider gibt es kein Gegengift», sagt Unger. Betroffene Pferde würden intensiv mit Infusionen, Schmerzmitteln und Vitaminen behandelt. «Können die Tiere nicht mehr aufstehen oder zeigen sie Anzeichen von Atem- oder Herzversagen, stehen die Chancen leider schlecht.»
Um Vergiftungen zu verhindern, empfiehlt die Expertin, Bergahornsamen von den Weiden zu entfernen oder betroffene Flächen zu meiden. Besonders im Herbst und Frühling sei Vorsicht geboten. Zudem sollten Pferde ausreichend hochwertiges Raufutter erhalten. Für viele Betriebe seien diese Massnahmen jedoch schwer umzusetzen.
Maurin Vonplon (mav), Jahrgang 2006, arbeitet seit August 2026 bei 20 Minuten als Praktikant im Ressort Bern.
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