Thomas Gottschalks Vater war ein Nazi

Dunkle Vergangenheit aufgedeckt
Thomas Gottschalks Vater war ein Nazi
Der Vater von Thomas Gottschalk war Mitglied der NSDAP und der SA. Das zeigen Dokumente aus deutschen und polnischen Archiven.
Publiziert: vor 29 Minuten
- Archivdokumente belegen Hans Gottschalks NSDAP- und SA-Beitritt
- Die Mitgliederkarte nennt den 1. November 1932, er nannte 1933 als Beitrittsdatum
- Im Dezember 1946 wurde er in der Entnazifizierung als «Mitläufer» eingestuft
Fynn MüllerPeople-Redaktor
Die Frage begleitet Thomas Gottschalk (76) seit Jahren. Jetzt liegen Dokumente auf dem Tisch, die sie zum Teil beantworten. Die «Bild»-Zeitung hat Archive in Deutschland und Polen ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Hans Gottschalk (1902–1964), der Vater des Entertainers, Mitglied der NSDAP und der SA war. Seine Mitgliederkarte nennt den 1. November 1932 als Eintrittsdatum. Somit noch vor Hitlers Machtübernahme im Januar 1933.
Nach dem Krieg erzählte der Rechtsanwalt es anders. In einem Lebenslauf von 1946 schrieb er, er sei erst im Frühjahr 1933 beigetreten, auf Druck seines Vorgesetzten. Das frühere Datum sei womöglich nachträglich eingetragen worden. Politikwissenschaftler Jürgen Falter (82) spricht gegenüber der «Bild» von einem ungewöhnlichen Fall.
Hans Gottschalk gab ausserdem an, seine berufliche Stellung für Widerstand gegen das Regime genutzt zu haben. Dafür fand er Fürsprecher. Die Jüdin Elly Rastetter, deren Mutter in Auschwitz ermordet wurde, sagte 1946, er sei kein Aktivist gewesen. Auch ein Widerstandskämpfer stellte ihm ein gutes Zeugnis aus. Im Dezember 1946 wurde er in der Entnazifizierung dennoch als «Mitläufer» eingestuft und musste 500 Reichsmark zahlen. Das wären heute grob 2500 Franken.
«War er Opfer oder Täter?»
Thomas Gottschalk war 14, als sein Vater 1964 an Krebs starb. In seiner Autobiografie «Herbstblond» stellte er die Frage selbst: «War mein Vater Opfer eines mörderischen Systems oder war er Täter?» Seine Mutter hatte ihm stets versichert, der Vater sei kein Nazi gewesen. Damit gab er sich damals zufrieden.
Die neuen Unterlagen klären nur einen Teil. Die Mitgliedschaft ist belegt. Welche Rolle Hans Gottschalk in der NS-Zeit tatsächlich spielte, bleibt offen. Thomas Gottschalk will sich gegenüber der «Bild» nicht dazu äussern.
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