Griechische Wirtschaft – Griechenland lockt seine Fachkräfte zurück

Griechische Wirtschaft Griechenland lockt seine Fachkräfte zurück
Mit Steuervorteilen und Jobangeboten wirbt Griechenland um Rückkehrer. Den Bevölkerungsrückgang kann das nicht stoppen.
Während der Finanzkrise haben rund eine Million Griechinnen und Griechen ihre Heimat verlassen. Auf der Suche nach Arbeit sind sie unter anderem auch in die Schweiz gekommen. Unter ihnen waren Ärztinnen, Ingenieure und IT-Fachleute. Heute könnte Griechenland genau diese Menschen gut gebrauchen.
Denn: «Der griechischen Wirtschaft geht es mittlerweile besser», sagt die freie Journalistin Rodothea Seralidou. 2025 wuchs die Wirtschaft um 2.1 Prozent, für dieses Jahr werden 1.8 Prozent erwartet. Auch die Arbeitslosigkeit ist deutlich gesunken: von fast 28 Prozent im Jahr 2013 auf heute knapp 8 Prozent.
«Es werden also neue Arbeitsplätze geschaffen. Doch jetzt macht sich der ‹Braindrain› der Krisenjahre bemerkbar: Viele gut ausgebildete Menschen sind damals ausgewandert», sagt Seralidou. Unternehmen hätten deshalb Schwierigkeiten, erfahrene Fachkräfte zu finden.
Steuererleichterungen und Karrieretage
Die griechische Regierung versucht deshalb, die im Ausland lebenden Griechinnen und Griechen zurückzuholen. Wer nach mindestens fünf Jahren im Ausland nach Griechenland zurückkehrt und weitere Voraussetzungen erfüllt, erhält während sieben Jahren einen Steuerrabatt in Höhe von 50 Prozent.
Hinzu kommen Karrieretage im Ausland, an denen griechische Unternehmen gezielt Personal suchen. Ende November soll die nächste solche Veranstaltung in München stattfinden. Eine staatliche Onlineplattform vermittelt zudem zwischen Interessierten und Arbeitgebern.
Tatsächlich kehren inzwischen mehr griechische Staatsangehörige zurück, als das Land verlassen. 2023 waren es rund 46’000 Rückkehrende gegenüber etwa 37’000 Ausgewanderten. Wie viele wegen der staatlichen Angebote zurückkehren, zeigen diese Zahlen allerdings nicht.
«Die politische Stabilität, die positiven Signale, die die griechische Wirtschaft sendet, und die niedrige Arbeitslosigkeit sind durchaus wichtige Punkte. Aber sie sind nicht der einzige Grund für eine Rückkehr», sagt Seralidou.
Sie hat mit zahlreichen Rückkehrerinnen und Rückkehrern gesprochen. Viele hätten ihre Familie und Freunde vermisst, erzählt sie. Andere wollten wieder näher bei ihren älter werdenden Eltern leben. Die besseren Aussichten auf einen Job machten die Rückkehr möglich, doch persönliche Gründe spielten bei der Entscheidung oft ebenso eine Rolle.
Griechenland braucht allerdings nicht nur Fachkräfte: Die Bevölkerung altert und schrumpft, auch weil weniger Kinder geboren werden. Dass während der Krise vor allem junge Menschen ins Ausland gegangen sind, ist laut Seralidou bis heute spürbar. Die Regierung unterstützt deshalb auch Familien finanziell: mit einer Geburtenprämie von bis zu 3500 Euro pro Kind, zusätzlicher Unterstützung für kinderreiche Familien und Steuererleichterungen.
Rückkehr allein stoppt Bevölkerungsrückgang nicht
Doch ohne mehr Zuwanderung sei eine wachsende Bevölkerung nach Einschätzung von Fachleuten nicht möglich, sagt Seralidou. «Das Land braucht Menschen aus dem Ausland, und zwar nicht nur Griechen oder andere Europäerinnen, sondern auch Menschen etwa aus Afrika und Asien.»
Die konservative Regierung habe ihre Migrations- und Asylpolitik aber verschärft. Rückkehrende könnten helfen, offene Stellen zu besetzen. Für die demografischen Probleme des Landes allein seien es aber zu wenige.
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