Bewaffnete Israelis bei Nati-Spiel in Sion? Behörden schweigen

Darum gehts
- Ein WM-Playoff-Ticket für Brasilien 2027 und politische Brisanz prägen das Rückspiel der Frauen-Nati in Sion.
- Die Schweiz trifft auf Israel – nach dem 7:3-Hinspielsieg ist der Einzug in die 2. Runde zum Greifen nah.
- Eine Petition gegen das Spiel hat bis Dienstagmittag über 500 Unterschriften gesammelt; ein Boykott blieb aus.
- Israel schützt seine Sportstars mit eigenen Sicherheitskräften. Auch in der Schweiz? Die Behörden schweigen.
Am Dienstag findet das Rückspiel der Frauen-Nati in der 1. WM-Playoff-Runde gegen Israel statt. Das Hinspiel am Freitag war verrückt, endete es doch mit einem 7:3-Erfolg der Schweizerinnen gegen die klaren Aussenseiterinnen. Der Match findet in Sion statt – und es wird eine heisse Partie, nicht nur, weil es um den Traum von der WM 2027 in Brasilien geht.
Politisch ist das Spiel nämlich auch aufgeladen. In der letzten Woche forderte etwa Ex-Nati-Spielerin Noa Schärz den SFV in einer langen Mail auf, die WM-Playoff-Spiele gegen Israel zu boykottieren. Die Nati-Spielerinnen Coumba Sow und Lourdes Romero likten den Post.
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«Ich denke, wir können das gut separieren und uns auf das Spiel fokussieren»
Einen Boykott der Partie gab es zwar nicht, die Nati-Stars setzten dann aber ein Zeichen in der Art einer Schweigeminute, um der Opfer aktueller Konflikte zu gedenken. Israel oder Palästina wurden dabei jedoch nicht erwähnt.
Dafür wurde etwa zeitgleich von den zwei Privatpersonen Silvia Müri und Theo Kaldis, die nichts mit dem SFV zu tun haben, eine Petition initiiert, die fordert: «Kein Frauenfussball mit Israel – Genozid darf nicht normalisiert werden». Die Rede ist weiter von einem «fragwürdigen Zeichen», das der Schweizerische Fussballverband setze. Stand Dienstagmittag hat die Petition über 500 Unterschriften.
Was wird also am Dienstagabend um 19.30 Uhr passieren? Geht es nach Nati-Verteidigerin Viola Calligaris: nicht viel. «Wir müssen dennoch fokussiert bleiben», sagte sie im Vorfeld. Die politischen Dimensionen blendet sie aus: «Ich denke, wir können das gut separieren und uns auf das Spiel fokussieren.» Das tat die Nati schon im Hinspiel am Freitag, als es zu keinem Eklat, wie etwa dem Verweigern eines Handschlags mit einer Israelin, kam.
Die Schweizer Behörden schweigen
Die Behörden sind dennoch alarmiert. Die Sicherheitsverantwortlichen beurteilen die Lage laufend. Genauere Details wollen die Behörden jedoch nicht verraten. Sie verweisen darauf, dass man aus operativen Gründen keine Details sagen könne. Auch wollen sie nicht sagen, ob die Partie wegen der brisanten politischen Lage ein Hochrisikospiel ist oder es einen erhöhten Sicherheitsaufwand gibt. Kurz: Sie hüllen sich ins Schweigen. Auch auf Anfrage von CH Media.
Der Schweizerische Fussballverband sagt immerhin eine kleine Sache. Gegenüber 20 Minuten teilt der SFV mit: «Wie bei allen Spielen des Nationalteams sind nur die Fahnen der beiden teilnehmenden Teams zugelassen.» Palästinensische Fahnen sind damit im Stadion nicht zugelassen.
Schweizer Programm WM-Qualifikation
Sollte eine solche zu sehen sein, wird diese also entfernt werden, respektive man kommt wohl mit einer solchen gar nicht in das Stade de Tourbillon, schreibt der Verband doch auf seiner Website: «Bitte beachtet, dass am Eingang Stichkontrollen durchgeführt und Fahnen, die nicht zugelassen sind, einbehalten werden.»
Israels Sicherheitskonzept ist allumfassend
Sicher ist aber: Beim Schutz von israelischen Sportlerinnen und Sportlern verlässt sich Israel nicht allein auf die Sicherheitskräfte des Gastgeberlandes. Grund dafür ist das Attentat von München bei Olympia 1972. Seitdem kooperieren israelische Sicherheitsbehörden mit lokalen Polizei- und Sicherheitsstellen im Ausland, sobald ein israelischer Verein, eine Nationalmannschaft oder Einzelsportler dort antreten.
Und das sieht dann so aus: Israels Sportlerinnen und Sportler müssen Auslandsreisen vorab anmelden. Der israelische Inlandssicherheitsdienst Shin Bet beurteilt dann die Sicherheitslage – und reagiert. Die «Times of Israel» schrieb vor Olympia 2024, dass die Shin-Bet-Sicherheitskräfte bewaffnet sind und mit den lokalen Sicherheitskräften zusammenarbeiten. Dass israelische Behörden auch ausserhalb des Landes für ihren Schutz zuständig sind, ist weltweit fast einzigartig.
Ob das auch für das israelische Nationalteam beim Spiel gegen die Nati in Sion gilt? Gesicherte Informationen gibt es dafür nicht. Da dies bei Israels Sportteams zuletzt aber Standard war, ist es zumindest nicht unwahrscheinlich. Die Schweizer Behörden hüllen sich aber auch hier in Schweigen.
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Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredaktor und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.
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