CNN TürkFon yasası teklifi bugün Genel Kurul'daThe Jerusalem PostTrump warns US will 'burn' like France if Democrats win at rally in KansasESPN DeportesSub-17: Estados Unidos impone marca con goleadaInquirerLaguna de Bay water level drops to 12.20 meters amid El NiñoPunchChampions League: Bayern face Arsenal test without Olise한겨레모로코, 첫 여성 총리 취임했지만…전 법무장관 “여성이 나라 일 맡으면 안돼”ZDF heuteEntdecken Sie das ZDF-NachrichtenstudioSky TG24Elon Musk: “Prossimo anno regalerò un'azione SpaceX a ogni ragazzino"Daily MailMoment 'murderer' overtakes car 'before hitting headteacher and dragging him under car for 1.3miles' is shown to courtBBC BusinessJob vacancies fall as small firms cut back on recruitmentynetהערבים שותפים רק כשזקוקים לקולות שלהםسكاي نيوز عربية3000 شركة متضررة من احتجاجات فرنسا
The Daily Newsstand · Free, Always
Tuesday, October 20, 2026

Neue Weltordnung – Historiker Brendan Simms: «Die Machtpolitik ist definitiv zurück»

Translate

Die Zeit der liberalen Weltordnung unter Führung der USA ist vorbei, sagt der renommierte Historiker Brendan Simms. An ihre Stelle tritt die alte Normalität: der Wettbewerb der Grossmächte. Das hat Folgen, auch für die Schweiz.

Brendan Simms

Historiker

Brendan Simms ist ein irischer Historiker und Professor für die Geschichte der internationalen Beziehungen an der University of Cambridge. Er gilt als renommierter Experte für europäische Geopolitik und hat vielbeachtete Standardwerke zur europäischen Geschichte sowie Biografien über Adolf Hitler verfasst.

SRF News: Sie sagen, wir leben in einer Welt im Umbruch. Was hat sich verändert?

Brendan Simms: Wir befinden uns heute wieder in einer Welt der Grossmächte. Die liberale, regelbasierte Weltordnung, wie wir sie seit dem Ende des Kalten Krieges kannten, ist in Auflösung begriffen. Seit der Annexion der Krim 2014 ist die Machtpolitik definitiv zurück.

Die Welt der Grossmächte ist die Norm.

War diese 20-jährige Phase der US-Dominanz eine kurze Ausnahme?

Historisch betrachtet war sie erstaunlich lang. Aber es war eine Ausnahme. Die Welt der Grossmächte ist die Norm. Aus meiner westlichen Sicht gesehen war es eine sehr schöne Phase. Künftige Generationen werden uns vielleicht fragen, warum wir sie nicht länger halten konnten.

Sie definieren aktuell vier Länder als Grossmächte: die USA und China als die stärksten, gefolgt von Russland und Grossbritannien. Warum Grossbritannien, mit seinen Wirtschaftsproblemen und politischer Instabilität?

Das Land ist eine starke Wirtschaftsmacht, eine Nuklearmacht und hat einen der besten Geheimdienste der Welt. Wichtiger noch: Innerhalb Europas ist Grossbritannien in Sicherheitsfragen der zentrale Bezugspunkt neben den USA. Als Finnland und Schweden in die Nato wollten, haben sie die Briten in der Übergangsphase um Sicherheitsgarantien gebeten. Wenn Europa die Amerikaner nicht hat, wendet es sich an die Briten.

Europa müsste sich dringend zu einem Bundesstaat zusammentun, um Russland abzuschrecken und auf Augenhöhe mit China zu sein.

Warum gehört die Europäische Union nicht dazu?

Die EU ist ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor, aber sie ist kein Staat. Sie hat keine Regierung, keine Armee, keine Nuklearwaffen und kontrolliert nicht ihre eigenen Grenzen. Schlimmer noch: Sie entzieht Nationalstaaten wie Deutschland oder Frankreich Souveränität, ohne selbst handlungsfähig zu sein. Deshalb ist kein EU-Land eine Grossmacht. Europa müsste sich dringend zu einem Bundesstaat zusammentun, um Russland abzuschrecken und auf Augenhöhe mit China zu sein.

Streben diese Grossmächte alle nach der Vorherrschaft?

Nein. Wir leben eher in einer Welt von zwei Ordnungen: einer demokratischen, westlichen Ordnung unter Führung der USA und einer eurasischen Ordnung mit China und Russland. Die globale Politik wird von der Spannung zwischen diesen beiden Blöcken bestimmt.

Person in Anzug mit Mikrofon spricht.
Legende: Historiker Brendan Simms analysiert die neue geopolitische Realität zwischen westlicher und eurasischer Einflusssphäre. IMAGO / Mauersberger

Ist die Welt dadurch gefährlicher geworden?

Ja. Wir haben vieles, was wir während des Kalten Krieges über nukleare Abschreckung wussten, verdrängt oder vergessen. Wir verstehen nicht mehr, wann der Gegner blufft, und sind uns der Eskalationsgefahr nicht ausreichend bewusst. Die Regeln im Umgang mit Grossmachtkonflikten müssen neu gelernt werden.

Was bedeutet diese neue Weltordnung für die Schweiz?

Als neutraler Kleinstaat ist die Schweiz historisch an ein solches System gewöhnt. Aber die Neutralität hat einen Preis. Im Kalten Krieg war die Schweiz eine «harte Nuss», sie war militärisch bereit. Ich bin nicht überzeugt, dass das heute noch der Fall ist. Wenn die Schweiz neutral bleiben will, muss sie aufrüsten und sich für den Ernstfall wappnen. Sie muss sich selbst verteidigen können.

Was stimmt Sie trotz allem zuversichtlich?

Zwei Dinge. Erstens sehe ich bei China keine Anzeichen, dass es einen Krieg sucht und Taiwan angreift. Zweitens zeigt das Beispiel der Ukraine, dass auch kleinere Nationen einer Übermacht widerstehen können.

View the original on SRF News →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.