ESPN DeportesEN VIVO: Murakami suena un mambo de dos carreras y adelanta a los White SoxThe Jerusalem PostFlydubai aircraft reached near-supersonic speeds, extreme airframe stress levels - reportESPNFollow live: Munetaka Murakami launches two-run homer to give White Sox leadRTP DesportoSolberg lidera na Sardenha e leva discussão do título para o último diaPunchNavy uncovers 40,000-litre illegal refinery in Rivers, arrests threeColliderMarvel’s Best Disney+ Show Officially Surges on Streaming Before ‘Avengers: Doomsday’سكاي نيوز عربيةقائد شرطة باريس: احتجاجات الطلاب خرجت عن السيطرةBBC News Brasil'Presenciei quase 500 execuções de presos – e nunca vi uma como a de Christa Pike'01netCyberattaque contre la Région Hauts-de-France : les RIB de 700 000 Français compromistazDrohnen, KI und Militär: Die Zukunft der TechnologieWirtualna PolskaMedia: Niemcy na wschodzie zazdroszczą Polscekicker"Klopp verpasst bei Kimmich eine klare Aussage"
The Daily Newsstand · Free, Always
Saturday, October 3, 2026

Flávio fordert Lula heraus : Bolsonaro "Zero-um" will auch Brasilien auf rechts drehen

Translate

Flávio fordert Lula herausBolsonaro "Zero-um" will auch Brasilien auf rechts drehen

03.10.2026, 18:15 Uhr

imageNiklas Franzen, São Paulo und São Bernardo do Campo

Der Sohn des verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro an die Macht. Bei Brasiliens Präsidentschaftswahl will er sich unter anderen gegen Staatschef Lula da Silva durchsetzen. Der sei ein Komplize krimineller Gruppen, meint eine Bolsonarista.

Alles war angerichtet für ein Spektakel im Live-TV. Am Donnerstag sollten sich die Kandidaten der brasilianischen Präsidentschaftswahl im Sender Globo gegenüberstehen. Doch dann kam alles ganz anders. Zunächst sagte Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva ab. Wenige Stunden vor Beginn zog auch sein wichtigster Herausforderer Flávio Bolsonaro zurück. Nach zwei gerichtlichen Entscheidungen strich der Sender die TV-Debatte aus dem Programm. Stattdessen lief eine Telenovela.

Lula und Flávio Bolsonaro nutzten den Abend dennoch für den Wahlkampf: Lula trat live in einem Podcast auf, Bolsonaro wandte sich über seine eigenen Kanäle an seine Anhänger. Die beiden kämpfen um jede Stimme. Es dürfte denkbar knapp werden, wenn am Sonntag knapp 160 Millionen Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben. Lange führte Lula in den Umfragen mit deutlichem Abstand. Doch zuletzt hat Flávio Bolsonaro aufgeholt. Wer ist dieser Mann, der Präsident der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas werden könnte?

Der Senator aus Rio de Janeiro punktet vor allem mit einer Sache: seinem Familiennamen. Er ist der älteste Sohn des Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro. Dieser wurde aufgrund eines geplanten Staatsstreiches - inklusive des Plans, Amtsinhaber Lula zu ermorden - zu 27 Jahre Haft verurteilt. Nach brasilianischem Recht ist er von Wahlen ausgeschlossen. Deshalb soll es nun "01" (Zero-um) richten, wie Bolsonaro seinen ältesten Spross in militärischer Tradition nennt.

Größte Sorge ist Kriminalität

Natalia de Oliveira, 34 Jahre feuerrote Haare, tätowierte Arme, hat ihre Entscheidung schon getroffen - sie wird für Flávio stimmen. De Oliveira ist auf die Avenida Paulista gekommen, São Paulos bekannteste Straße, um für ihren Kandidaten zu werben. Für sie stehe bei dieser Wahl nichts weniger als die Zukunft Brasiliens auf dem Spiel. Unter Lula habe sich das Land zu einem "Narco-Staat" verwandelt, meint sie. Lula sei ein Komplize krimineller Gruppen. Das glauben viele Bolsonaro-Wähler, obwohl es dafür keine Beweise gibt.

Natalia de Oliveira_Leonard Carrato
Die 34-jährige Nathalia de Oliveira mit "Lula raus"-T-Shirt sagt, sie werde für Flávio Bolsonaro stimmen. (Foto: Leonardo Carrato) (Foto: Leonardo Carrato)

Laut Umfragen ist die Kriminalität die größte Sorge der Brasilianer, noch vor den Dauerbrennern Korruption und Armut. Ein großer Teil der Bevölkerung befürwortet eine härtere Gangart gegen kriminelle Organisationen. Flávio Bolsonaro will Megagefängnisse nach salvadorianischem Vorbild errichten und für Sexualstraftäter die chemische Kastration einführen. Damit trifft er einen Nerv. Dennoch bleibt die große Begeisterung für Flávio Bolsonaro aus.

Ihm gelingt es nicht, ein Momentum wie im Jahr 2018 zu schaffen. Damals löste sein Vater, "Mythos" von seinen Anhängern gerufen, eine zuvor nie gesehene Begeisterung für einen rechten Kandidaten aus. Er zog mit seinen ständigen Provokationen, Gewaltfantasien und seiner authentischen Art eine fast schon sektenartige Verehrung auf sich. Bolsonaro Junior gilt vielen eingefleischten Bolsonaristen als zu moderat. "Der stets gestriegelte Flávio mit seinem elitären Duktus vermag nicht an die Instinkte des Durchschnittsbrasilianers zu appellieren", meint David Magalhães, Professor für Internationale Beziehungen an der Bundesuniversität von Uberlândia, im Gespräch mit ntv.de.

Ein weiteres Problem für Flávio: Er soll in einen Finanzskandal rund um die mittlerweile liquidierte Master-Bank verstrickt sein, der weite Kreise in Brasilien zieht. Außerdem gibt es seit Jahren Vorwürfe wegen seiner Verbindungen zu kriminellen Gruppen in Rio de Janeiro. Das passt nicht zu dem Saubermann-Image, das das Bolsonaro-Lager zu vermitteln versucht. Dass er dennoch Chancen auf einen Wahlerfolg hat, liegt laut Magalhães vor allem an der Ablehnung Lulas. Auch der 80-Jährige ist seit Jahren mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Vieles deutet auf einen Showdown am 25. Oktober hin, heißt: auf eine Stichwahl zwischen Lula und Bolsonaro.

Sorge vor Nähe zu Trump

Für Maicon Michel da Silva, 50 Jahre, lange Dreadlocks, wäre eine Rückkehr der extremen Rechten "eine Katastrophe für die Arbeiterschaft und die Umwelt". Er glaubt, dass der Kandidat seinem Vater nacheifern, staatliche Kontrollinstrumente zerschlagen und hart gegen soziale Bewegungen vorgehen würde. Da Silva ist Gewerkschafter und arbeitet in der Montage bei Mercedes. Er sitzt im Büro der Metallarbeitergewerkschaft in São Bernardo do Campo, einer Industriestadt vor den Toren São Paulos. An den Wänden hängen Fahnen linker Ikonen: Che Guevara, Rosa Luxemburg - und natürlich Lula. Hier begann der amtierende Präsident in den 1970er-Jahren seine politische Karriere.

Maicon da Silva, der Lula persönlich kennt, sieht durchaus einige Fortschritte seiner Regierung: den höheren Mindestlohn etwa und den Ausbau der Sozialhilfe Bolsa Família. Auch die Wirtschaftszahlen fallen insgesamt besser aus, als es die politische Debatte vermuten lässt. Die Arbeitslosigkeit etwa liegt auf einem Rekordtief. Doch ein konservativ geprägter Kongress blockiere viele Initiativen der Regierung, meint da Silva. Bei der anstehenden Wahl zeichnet sich ein weiterer Rechtsruck ab. Neben dem Präsidenten werden auch das Parlament und die Gouverneure der Bundesstaaten gewählt.

Für da Silva geht es um mehr als die Entscheidung zwischen zwei Männern. Es geht für ihn auch um die Frage, ob Brasilien weiterhin souverän seinen eigenen Weg gehen kann. Besondere Sorgen bereitet ihm die Nähe des Bolsonaro-Lagers zu US-Regierung von Donald Trump, der einen Zollkonflikt mit Brasilien angeheizt und dem Land mehrfach offen gedroht hatte. Für den US-Präsidenten wäre ein Wahlsieg Bolsonaros ein wichtiger außenpolitischer Erfolg. Ein Großteil Südamerikas wäre dann rechten Regierungen geführt.

Angst macht dem Gewerkschafter da Silva aber auch, was im Fall eines Wahlsiegs Lulas passieren könnte. "Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass sie erneut versuchen könnten zu putschen." Viele Analysten bezweifeln, dass Flávio Bolsonaro eine Niederlage ohne Weiteres akzeptieren würde. Das Lager setzt auf eigene Wahlkontrolleure, die den Ablauf der Abstimmung und die Auszählung im Blick behalten sollen. Dahinter könnte das Ziel stehen, erneut Zweifel am elektronischen Wahlsystem zu säen. Brasilien stehen heiße Wochen bevor.

View the original on n-tv →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.

Flávio fordert Lula heraus : Bolsonaro "Zero-um" will auch Brasilien auf rechts drehen — KioskNews