Schweizer wollen mehr Klimaanlagen – und Hitzefrei

- Noch verfügen die wenigsten Haushalte in der Schweiz über eine Klimaanlage. Doch das könnte sich bald ändern, wie eine Umfrage von Leewas im Auftrag von 20 Minuten und Tamedia zeigt.
- Zwei von drei Befragten befürworten den vermehrten Einbau von Klimaanlagen. Eine Mehrheit lehnt aber eine staatliche Förderung ab.
- Auch die Forderungen nach Hitzefrei auf Baustellen und in Klassenzimmern ab einem gewissen Temperaturlimit erhalten grossen Zuspruch.
In der Schweiz verfügt erst rund jeder zehnte Haushalt über eine Klimaanlage. Das liegt laut dem Wirtschaftspsychologen Christian Fiechter nicht nur am Energieverbrauch, sondern an kulturellen Vorbehalten.
Wärme gelte als Grundbedürfnis, Kälte indes als Annehmlichkeit: «Im Winter heizt jeder selbstverständlich auf behagliche Temperaturen. Das Schlafzimmer im August von 28 auf 23 Grad zu senken, gilt dagegen als Dekadenz», sagte Fiechter im Juni zu 20 Minuten.
Zur Umfrage
Doch diese Einstellung ändert sich gerade, wie eine neue Umfrage von Leewas im Auftrag von 20 Minuten und Tamedia zum Hitzesommer 2026 zeigt. Eine Mehrheit von 67 Prozent ist dafür, dass in der Schweiz vermehrt Klimaanlagen eingebaut werden.
Männer befürworten den Einbau von Klimaanlagen mit 71 Prozent stärker als Frauen (63 Prozent). Dies, obwohl Frauen gesundheitlich und körperlich stärker unter dem Hitzesommer litten: Fast jeder zweiten Frau setzte die Hitze gesundheitlich zu (Hier gehts zum ersten Teil der Umfrage).
Bis auf die Basis der Grünen findet der Einbau von Klimaanlagen bei allen Parteien eine Mehrheit. Besonders ausgeprägt ist die Zustimmung bei Sympathisanten der FDP und SVP (je 77 Prozent).

Interessant auch: Je höher das Einkommen, desto höher die Zustimmung zu Klimaanlagen. Bei den Tieflöhnern mit weniger als 4000 Franken im Monat liegt die Zustimmung bei 63 Prozent, bei jenen mit über 16’000 Franken bei 80 Prozent.
Für den Einbau von zweiteiligen Klimaanlagen, sogenannten Split-Geräten, ist heute in vielen Kantonen eine Baubewilligung nötig. 69 Prozent der Befragten sprechen sich hier für eine Lockerung der Vorschriften aus.
Mit 91 Prozent spricht sich eine überwältigende Mehrheit dafür aus, Schulen, Altersheime und Spitäler flächendeckend mit Klimaanlagen auszustatten. Die hohe Zustimmung dürfte teils auch dem Zeitpunkt der Umfrage geschuldet sein und mit sinkenden Temperaturen abnehmen.
Zwar befürwortet eine klare Mehrheit den vermehrten Einbau von Klimaanlagen in Privathaushalten. Dieser soll aber Privatsache bleiben: Eine staatliche Förderung lehnen die Befragten mit 67 Prozent mehrheitlich ab.
Die Basis der SVP spricht sich mit 44 Prozent noch am stärksten für eine staatliche Förderung von Klimageräten aus. Mit etwas Abstand folgen Mitte-Partei, FDP sowie SP und Grüne. Am wenigsten Zuspruch gibt es von den Grünliberalen. Unter ihren Sympathisanten sind lediglich 16 Prozent für eine solche Förderung.
Hitzefrei im Bau und in Schulen
Diesen Sommer mussten Bauarbeiter teils bei Gluthitze arbeiten. Weil dies eine akute Gefahr für die Gesundheit darstellt, forderte die Gewerkschaft Unia einen Arbeitsstopp ab 33 Grad. Die Umfrage zeigt, dass diese Forderung in der Bevölkerung breiten Zuspruch geniesst. 81 Prozent sind dafür, dass Bauarbeiter ab diesen Temperaturen Hitzefrei bekommen.
Obwohl auf dem Bau mehrheitlich Männer arbeiten, fällt die Zustimmung der Frauen mit 89 Prozent deutlicher aus als jene der Männer (72 Prozent). Bei der Basis der SP ist der Ja-Anteil mit 93 Prozent am höchsten, bei jener der FDP mit 70 Prozent am tiefsten.
Beim Bildungsniveau ist die Zustimmung bei jenen, welche die obligatorische Schule absolviert haben, mit 88 Prozent am höchsten. Am tiefsten ist sie bei Absolventen von höheren Fachschulen (76 Prozent). Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Einkommen: Die Tieflöhner sprechen sich stärker für Hitzefrei aus als Gutverdiener.
Hitzefrei statt Schwitzen im heissen Klassenzimmer
Schwitzen mussten diesen Sommer aber nicht nur die Bauarbeiter: In den Klassenzimmern kletterten die Temperaturen teils auf weit über 30 Grad. Unter der Hitze leiden auch die Konzentration und Produktivität. Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) fordert darum eine Obergrenze von 26 Grad sowie einen verbindlichen Hitzeplan.

Wird das 26-Grad-Limit überschritten, sollen die Schulen Massnahmen ergreifen müssen. Zum Beispiel könnten sie den Unterricht in kühlere Räume verlegen oder den Stundenplan anpassen. Ab 30 Grad soll der Unterricht nur noch eingeschränkt stattfinden.
Eine knappe Mehrheit von 52 Prozent bejaht die Frage, ob Schülerinnen und Schüler bei Temperaturen von über 26 Grad vom regulären Unterricht befreit werden sollen. Die Geschlechter sind sich in dieser Frage allerdings nicht einig: Während Frauen mit 57 Prozent dafür sind, sind es die Männer nur zu 44 Prozent.
Die Basis der Grünen und SP befürwortet das Hitzefrei für Schülerinnen und Schüler, Sympathisanten von Mitte, GLP, FDP und SVP lehnen es ab. Wer weniger als 7000 Franken im Monat verdient, befürwortet die Massnahme, dagegen ist, wer mehr als 10 000 Franken im Monat hat.
Delia Bachmann (dba), Jahrgang 1993, arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Als Redaktorin im Ressort Politik berichtet sie über das Geschehen in Bundesbern.
Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2026 stv. Leiterin des Ressorts Politik.
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