Ihre Meinung ist gefragt – Werbeverbot für Flugreisen: Längst fällig oder überflüssig?

Schlecht für die Umwelt, schlecht fürs Klima: Für Flugscham gibt es gute Gründe. Dafür, die Welt zu bereisen, allerdings auch: tropische Traumstrände, pulsierende Metropolen, entlegene Naturparadiese – Verlockungen für Reiselustige gibt es zuhauf.
Das wissen auch die Fluggesellschaften und preisen ihre Destinationen in Einkaufsmeilen, im öffentlichen Verkehr und den sozialen Hotspots der Städte an.
Vorstoss in Zürich knapp abgelehnt
Genug, fanden nun die Grünen im Zürcher Gemeinderat: Sie wollten die Werbeplakate für Flugreisen auf dem Stadtgebiet verbieten. Und blitzten damit im Parlament ab – wenn auch äusserst knapp.
Im Zürcher Stadtparlament tat sich ein Graben zwischen der Linken und den Bürgerlichen auf. SP-Politikerin Anna Graf argumentierte, dass das Fliegen für einen beträchtlichen Teil der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich sei. «Wenn Flugreisen permanent beworben werden, trägt das dazu bei, dass Fliegen weiterhin als selbstverständlicher Teil in unserem Lebensstil verankert wird», sagte Graf im Rat.
Die Bürgerlichen zeigten kein Verständnis für den Vorstoss. FDP-Gemeinderat Patrik Brunner sprach von einer «eklatanten Verletzung der Wirtschafts- und Werbefreiheit». Sollte das Postulat angenommen werden, würde durch alle Rechtsinstanzen dagegen vorgegangen werden. So weit kam es nicht: Das Postulat wurde knapp abgelehnt.
Neu ist die Idee allerdings nicht – und so schnell dürfte sie auch nicht vom Tisch sein. In der Stadt Bern wurde bereits 2023 ein Postulat an den Gemeinderat überwiesen, das ein Verbot von Werbeplakaten für Autos und Flugreisen verlangte.
Der Gemeinderat zeigte zwar Verständnis für das Anliegen. Er sah diesen März jedoch davon ab, den Vorstoss weiterzuverfolgen. Begründung: Die praktischen und rechtlichen Hürden für ein Verbot seien zu hoch. Insbesondere bei der Autowerbung stellte sich die Frage der Abgrenzung, da etwa auch Elektrofahrzeuge nicht beworben werden dürften.
Premiere in Den Haag – weitere Städte folgten
In den Niederlanden gilt bereits in diversen Städten ein Werbeverbot für Flugreisen. So etwa in Den Haag, das seit Anfang 2025 als erste Stadt weltweit «klimaschädliche Werbung» im öffentlichen Raum untersagt. Dort dürfen etwa keine Kreuzfahrten, Autos mit Verbrennungsmotoren oder fossile Energieträger beworben werden.
Mittlerweile haben sich weltweit über 50 Städte der Bewegung gegen «fossile Werbung» angeschlossen und Einschränkungen erlassen: Von Edinburgh über Florenz bis nach Stockholm oder Sydney gelten inzwischen Einschränkungen und Verbote.
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