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Tuesday, October 6, 2026

Ex-Internationale fordert Israel-Boykott – Nati-Stars geben Like

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Die Nati checkt in Zürich ein.Sarah Linder / Fabrizio Bonazza

Darum gehts

  • Ex-Nati-Spielerin Noa Schärz fordert den SFV in einer langen Mail auf, die WM-Playoff-Spiele gegen Israel zu boykottieren.
  • Mehrere Nati-Spielerinnen, darunter Coumba Sow und Lourdes Romero, likten den Post.
  • Sportlicher Koordinator Johan Djourou bestätigt, dass der Verband einen Verzicht einer Spielerin akzeptieren würde.

Am Wochenende kam es zum Eklat.

Die Pressekonferenz von Irlands Nationaltrainer Heimir Hallgrimsson vor dem Nations-League-Spiel gegen Israel eskalierte und musste vorzeitig abgebrochen werden. Israelische Journalisten stellten politisch aufgeladene Fragen; einem Reporter wurde das Mikrofon entzogen, worauf er rief: «Fassen Sie mich nicht an!»

Die Schweizer Nati um Coumba Sow herum trifft in der 1. Runde der WM-Playoffs auf Israel.

Die Schweizer Nati um Coumba Sow herum trifft in der 1. Runde der WM-Playoffs auf Israel.IMAGO/Urs Ottiger

Das Rückspiel fand aus Sicherheitsgründen in Serbien und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Hitzige Stimmung samt Provokationen und Spuck-Vorwürfen gab es dennoch.

«Wir werden die Spielerinnen nach ihrer Meinung fragen»

Warum das für die Nati interessant ist? Nun, auch die Frauen-Nati trifft auf das israelische Nationalteam – und zwar in der 1. Runde der WM-Playoffs (9. und 13. Oktober). Das Hinspiel findet in der Nähe von Budapest statt, während das Rückspiel dann in Sion ist.

Schweizer Programm WM-Qualifikation

Nati-Trainer Rafel Navarro erläuterte bei der Kaderverkündung, wie man beim Schweizer Verband mit der Situation umgehe: «Ich kenne den Kontext rund um die israelische Mannschaft.» Bis jetzt hätten sie innerhalb des Staffs und auch in den Gesprächen mit den Spielerinnen ausschliesslich über Fussball gesprochen. Doch man habe das Thema auf dem Schirm.

«Die Idee ist, mit den Spielerinnen am ersten Tag darüber zu sprechen. Denn was ich nicht möchte, ist, dass wir am Tag vor dem Spiel über solche Dinge sprechen müssen», so Navarro. «Wir werden die Spielerinnen nach ihrer Meinung fragen. Ich glaube, dass ihre Sicht sehr wichtig ist und sie etwas dazu sagen können sollten. Aber im Moment sprechen wir nur über Fussball.»

Meisterspielerin hat klare Forderungen

Nur über Fussball sprechen? Möglich, aber nicht unbedingt realistisch. So meldete sich zuletzt etwa Noa Schärz mit einem langen Post auf Instagram zu Wort. Sie trat 2025 nach dem Meistertitel mit den YB Frauen völlig überraschend zurück.

Die zweifache Nati-Spielerin erreichte die Spitze des Schweizer Fussballs, wollte dann aber frei sein. Sie könne sich «nicht mehr zum Spitzenfussball committen», liess sie sich damals zitieren. Dann wurde es lange still um die junge Schweizerin – bis zu ihrem Insta-Post wenige Tage vor dem Israel-Spiel der Nati.

In diesem zählte sie ihre Bedenken auf, nannte Verbrechen und Todeszahlen. Gerichtet an den Verband schrieb sie: «Am liebsten wäre mir natürlich, dass ihr als Verband diese beiden Spiele boykottiert und eine
Inspiration für andere Länder seid, dass alle mitmachen und
Israel ausgeschlossen wird, bis die Besatzung von Gaza und
dem Westjordanland aufhört.»

Natürlich sehe sie, dass das Risiko, dann nicht an der WM teilzunehmen, und alle anderen Folgen zu gross seien. «Natürlich sind euch auch durch die Interessen eurer Sponsoren die Hände gebunden», so Schärz weiter, die forderte, dass man stattdessen was Kleineres machen könne: «Beim
Einlaufen einen Wassermelonen-Pin an den Einlaufjacken, ein
Free-Palestine-Shirt zum Aufwärmen, eine Schweigeminute
vor dem Spiel …»

Das sagt der Schweizerische Fussballverband

Den Post likten mehrere Fussballerinnen – etwa Ana Maria Markovic, aber auch Meriame Terchoun, die für die Israel-Spiele auf der Pikettliste steht, und die beiden Nati-Spielerinnen Coumba Sow und Lourdes Romero. Und: Die Worte schickte Schärz auch per Mail dem SFV. Wie 20 Minuten weiss, erhielt sie vom Verband eine Antwort – mit ähnlichen Aussagen, wie Navarro sie an der PK äusserte.

SFV-Mediensprecher Sven Micossé sagte derweil am Tag der Ankunft der Spielerinnen in Zürich, dass man mit den Spielerinnen reden und die besondere Situation thematisieren werde. «Es ist wichtig, alle anzuhören.» Was das bedeutet: Es wird mit dem Teamrat und den Nati-Anführerinnen gesprochen.

Und was ist, wenn eine Spielerin es nicht mit sich vereinbaren kann, gegen Israel aufzulaufen? So wie es Irlands Ersatzgoalie Gavin Bazunu auch nicht konnte? 20 Minuten hakt bei Johan Djourou, Sportlicher Koordinator für die Schweizer Frauen-Nati, nach. Würde der Verband einen Verzicht akzeptieren? Djourou bejahte dies klar und meinte: «Wir müssen miteinander sprechen.»

Und dann wurde der Sportliche Koordinator deutlich. Er stellte klar, dass er gegen den Krieg im Allgemeinen sei, dass er nicht die Augen vor der Welt verschliesse und dass er, wenn kleine Kinder leiden würden, immer dagegen sei: «Immer!» Djourou: «Jetzt müssen wir aber die Spielerinnen von Israel respektieren. Der Sport steht im Vordergrund.»

Das steht für die Schweizer Nati an.20 Minuten / Sarah Linder

Nils Hänggi

Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredaktor und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.

View the original on 20 Minuten →

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