Auswirkungen der Trockenheit – So trocken war es für Bäume und Tiere im Hitzesommer

Auswirkungen der Trockenheit So trocken war es für Bäume und Tiere im Hitzesommer
Nach dem Sommer zeigen Messungen: Fast überall war der Wald zu trocken. Bäume und auch Tiere spüren den Wassermangel.
Dem Wald und vielen Bäumen fehlt weiterhin das Wasser. Das zeigen die Messstationen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Sie überwacht mit anderen Organisationen 700 Bäume in der ganzen Schweiz. An allen Messstationen fehlt Wasser. Ausnahme ist die Station Stillberg bei Davos GR.
Auch beim Sitz der Forschungsanstalt in Birmenstorf ZH ist es für die Bäume zu trocken – auch wenn der Wald dort noch ziemlich grün ist, so Waldökologe Frank Krumm. «Im Sommer gab es immer wieder Gewitterregen. Darum hat es nicht ganz so viele Schäden wie in anderen Wäldern. Aber man sieht, dass das Wachstum im Vergleich zu anderen Jahren halbiert ist.»
Auch widerstandsfähigere Arten leiden
Unterwegs mit Waldökologe Krumm im Wald bei Bremgarten AG. Die Spuren des Hitzesommers sind überall sichtbar. Unter den Bäumen müsste es dunkler sein. Aber viele Blätter liegen bereits am Boden.
Dabei sollte es dem Wald hier gut gehen: Er liegt direkt an der Reuss. Normalerweise haben die Bäume durch den Fluss genügend Wasser.
Frank Krumm zeigt auf dürre Zweige einer Weisstanne, die fast abgestorben sind. Und er schaut nach oben: «In der Krone dieser Birke sieht man massiven Stress. Viele Blätter sind es nicht mehr. Und jene, die es noch hat, sind braun und verwelkt.» Fachleute schätzen, dass jeder zweite Baum am Jurasüdfuss Schäden davongetragen hat.
Nadelbäume oder Birken sollten den Sommer eigentlich gut überstehen, so der WSL‑Forscher. Dieses Jahr hat aber gezeigt: Viele Bäume ertragen Trockenheit weniger gut als erwartet. «Der Spitzahorn ist eigentlich einer unserer Hoffnungsträger bei den Laubbaumarten. Wir sehen aber an den Blättern, dass es Schäden durch die Hitze gibt.»
Zu kleine Rehe
Weiter westlich, im Wald bei Aarau. Hier tragen die Bäume noch Laub und es sieht aus wie in anderen Jahren. Erwin Osterwalder, kantonaler Fachbereichsleiter Jagd, gräbt mit den Händen im Boden: «Es ist trocken. Und wenn man hinuntergräbt, ist es sehr trocken. Die Würmer haben sich in tiefere Schichten zurückgezogen. Vögel kommen nicht mehr an die Nahrung heran.»
Trockenheit und Hitze machen aber auch grösseren Wildtieren zu schaffen – Rehkitzen etwa: «Sie sind kleiner und haben noch weisse Punkte. Vom Gewicht her sind sie zurückgeblieben.» Die Tiere würden in Gebiete gehen, in denen es mehr Wasser gibt. Wildschweine zum Beispiel seien vermehrt an grösseren Flüssen anzutreffen.
Bedroht sei der Tierbestand im Aargau aber nicht, meint Osterwalder: «Wir haben keine Anzeichen, dass mehr Tiere als sonst sterben. Für einzelne Individuen kann es aber ein existenzielles Problem sein.»
Neophyten als Lösung?
Die Hitze ist für diese Saison vorbei. Aber der nächste Hitzesommer kommt bestimmt. Welche Auswirkungen Trockenheit und höhere Temperaturen längerfristig auf Pflanzen und Tiere haben, können die beiden Experten nicht abschätzen.
Waldökologe Frank Krumm vom WSL beobachtet und misst weiter. Möglich, dass es andere Baumarten brauche. «Wir sind noch nicht am Ende mit dem Klimawandel. Insofern ist unsere Aufgabe, zu schauen, wo die Grenzen der verschiedenen Baumarten sind. Und wenn diese erreicht werden – und das ist absehbar –, dann müssen wir über andere Arten nachdenken.»
Das könnten etwa Robinien sein. Ein Neophyt. Die invasive Art, ursprünglich aus Nordamerika, scheint mit dem trockenen Wetter besser zurechtzukommen als die einheimischen Bäume.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.