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Sunday, October 4, 2026

Wahltag in Bosnien und Herzegowina: Kampf um Stimmen und Identitäten

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Mittelstürmer Edin Džeko lässt sich zum Abschied als multikulturelle Seele Bosniens feiern. Ob sich das auch bei den Wahlen widerspiegelt?

Erich Rathfelder

An der Zahl 11 kommt dieser Tage in Bosnien niemand vorbei. Wer in Sarajevo Ćevapi bestellt, findet 11 und nicht wie normal 10 dieser bosnischen Rostbratwürstchen auf dem mit Zwiebeln garnierten Teller. Und auch nicht an dem blauen Trikot mit der Zahl 11 auf dem Rücken, das überdimensioniert an Häuserwänden prangt und von Tausenden Kindern, Musikern und den Schachspielern im Zentrum der Stadt getragen wird.

Die 11 ist die Rückennummer des treffsicheren bosnischen Mittelstürmers Edin Džeko, der einst in Deutschland für Wolfsburg auflief und den Club 2009 zur Meisterschaft führte. Am Donnerstag, beim Spiel in der Nations League gegen Schweden, durfte Džeko noch einmal für eine Halbzeit in der multinationalen Truppe mitspielen, um dann den angekündigten Abschied mit dem unbeschreiblichen Jubel zu genießen.

Der Jubel gilt auch seiner Haltung, als bosnische Seele, der das Gemeinsame sucht und nicht das Trennende, der als Kind von seiner Mutter vor einer Granate auf Sarajevo gerettet wurde und später als Fußballer viel Geld für Kriegsopfer spendete. Bei den Wahlen an diesem Sonntag hätte er haushoch gewonnen, wäre er Kandidat gewesen.

Die Erfolge der multinational zusammengesetzten Fußballmannschaft schon bei der WM haben viel zum Gemeinsinn beigetragen. Deshalb wollen die Nationalisten der Serben und Kroaten von der Nationalmannschaft nichts wissen, obwohl doch viele ihrer Leute heimlich gucken, wenn die spielen. Ob dies auch die Motivation gibt, bei den Wahlen die Nationalisten abzuwählen, wird interessant sein.

Neue Elektronik soll gegen Fälschungen helfen

Wie immer die Wahlen in Bosnien und Herzegowina diesen Sonntag auch ausgehen werden: Das fragmentierte politische System, das auch jetzt bei den Wahlen nur Teilaspekte der wirklichen Stimmung der Menschen in dem geteilten Land widerspiegeln kann, ist ein großes Hindernis für die gleichberechtigte Anerkennung der Bosnier in Europa. Die ständige Diskussion über Korruption und Manipulation färbt auf die Menschen ab, sie werden nicht als gleichberechtigte Bürger in Europa wahrgenommen, obwohl ihnen dieses System durch ausländische Mächte – auch durch Europa – 1995 in Dayton aufgezwungen wurde. Sie wurden gar nicht gefragt.

Ob das jetzt nach den Wahlen anders wird, sei trotz des neuen elektronischen Wahlsystems dahingestellt. Zumindest Auswüchse wie bei den letzten Wahlen 2022, als sich in der Auszählnacht die Wahltendenz in Banja Luka, der Hauptstadt der serbischen Entität im geteilten Staat, dramatisch umdrehte, wird es nicht mehr geben. Damals hatte nach allen Umfragen und zu Beginn der Auszählung der Autokrat Milorad Dodik weit hinten gelegen, um dann „überraschend“ doch noch zu siegen.

Mit einer Intervention des letzten Hohen Repräsentanten, des Deutschen Christian Schmidt, änderte sich dies. Schmidt setzte ein neues Auszählverfahren im Wahlrecht durch. Christian Schmidt hat also gerade noch rechtzeitig vor seiner Absetzung die Reißleine gezogen. Erstmals müssen Wählerinnen und Wähler im Wahllokal ihren Ausweis durch ein biometrisches Lesegerät prüfen lassen und einen Fingerabdruckscanner nutzen. Die ausgefüllten Stimmzettel werden dann in einen Scanner eingelesen. Die Wahlzettel bleiben dabei erhalten und können gegebenenfalls von Hand nachgezählt werden. In rund 6.000 Wahllokalen wird diese Prozedur zum Einsatz kommen.

Nicht zuletzt wegen dieser ‚Wahlprozedur‘ setzte Milorad Dodik alles daran, Schmidt als Hohen Repräsentanten mithilfe Trumps zu kippen. Was ihm auch im Mai 2026 gelang. Fragt sich, ob er nach den Wahlen selbst als gerupfter Hahn posieren muss.

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