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Tuesday, September 29, 2026

Langzeitstudie zu Hirngesundheit: Frühe Menopause könnte ein Marker für späteres Demenzrisiko sein

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Langzeitstudie zu HirngesundheitFrühe Menopause könnte ein Marker für späteres Demenzrisiko sein

29.09.2026, 12:07 Uhr

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Der Zeitpunkt der letzten Regelblutung könnte mehr über die Gesundheit des alternden Gehirns verraten als gedacht. (Foto: picture alliance / Zoonar)

Östrogen wirkt nicht nur auf Fortpflanzungsorgane, sondern auch im Gehirn. Wer früher in die Wechseljahre kommt, verliert im Alter offenbar schneller geistige Fähigkeiten, findet ein Forschungsteam heraus. Eine Hormontherapie ändert daran wohl wenig.

Die Menopause liegt bei vielen Frauen Jahrzehnte zurück, wenn im Alter erste Gedächtnisprobleme auftreten. Trotzdem könnte der Zeitpunkt der letzten Regelblutung etwas darüber verraten, wie das Gehirn später altert. Eine Langzeitstudie mit mehr als 2600 Frauen zeigt: Je früher die Menopause eintrat, desto schneller nahmen im höheren Alter bestimmte geistige Fähigkeiten ab. Auch eine Alzheimer-Erkrankung wurde im Mittel etwas früher diagnostiziert. Besonders auffällig waren zudem Veränderungen der weißen Hirnsubstanz.

Für die im Fachjournal "JAMA Network Open" veröffentlichte Studie werteten Forschende Daten aus zwei großen US-amerikanischen Langzeituntersuchungen aus. Die Teilnehmerinnen waren zu Studienbeginn im Mittel gut 78 Jahre alt und zunächst nicht an Demenz erkrankt. Bis zu 18 Jahre lang wurden sie regelmäßig untersucht und absolvierten Gedächtnis- und Denktests. Das Forschungsteam verglich die Daten anschließend mit dem Alter, in dem die Frauen ihre Menopause erlebt hatten. Dabei unterschieden sie zwischen einer natürlichen Menopause und einer Menopause nach einem operativen Eingriff.

Das Ergebnis: Eine frühere Menopause ging mit einem schnelleren Rückgang der allgemeinen geistigen Leistungsfähigkeit und besonders des episodischen Gedächtnisses einher - also jener Form des Gedächtnisses, mit der sich Menschen an persönliche Erlebnisse und Ereignisse erinnern. Auch eine Alzheimer-Erkrankung wurde tendenziell früher diagnostiziert. Eine um zehn Jahre frühere Menopause entsprach im statistischen Modell im Durchschnitt etwa 1,8 weniger Jahren ohne Alzheimer-Diagnose. Das durchschnittliche Diagnosealter der Erkrankten lag in der Kohorte bei rund 88 Jahren.

Hormoneller Verlauf entscheidend

Noch deutlicher war ein Befund in den MRT-Aufnahmen. Bei Frauen mit natürlicher Menopause hing ein früherer Zeitpunkt mit einer schnelleren Zunahme sogenannter White Matter Hyperintensities zusammen. Dabei handelt es sich um helle Bereiche, die auf MRT-Bildern in der weißen Hirnsubstanz sichtbar werden und unter anderem als Zeichen von Veränderungen beziehungsweise Schädigungen kleiner Blutgefäße gelten. War die natürliche Menopause fünf Jahre früher eingetreten, schätzten die Forschenden für die folgenden zehn Jahre ein rund 15 Prozent größeres Volumen dieser Veränderungen. Die Autoren bezeichnen diesen Zusammenhang als den "auffälligsten strukturellen Befund" ihrer Untersuchung.

Interessanterweise war das Muster bei operativ ausgelöster Menopause nicht identisch. Dort waren Zusammenhänge mit kognitivem Abbau und dem Zeitpunkt einer Alzheimer-Diagnose teilweise deutlicher, während die auffällige Zunahme der Veränderungen in der weißen Hirnsubstanz nur bei natürlicher Menopause zu beobachten war. Eine mögliche Erklärung sehen die Forschenden in den sehr unterschiedlichen hormonellen Verläufen: Bei einer natürlichen Menopause sinkt die Hormonproduktion über längere Zeit, nach bestimmten Operationen kann sie dagegen abrupt einbrechen. Allerdings war die Gruppe mit operativer Menopause kleiner, weshalb sich die Unterschiede nicht sicher biologisch erklären lassen.

Warum könnte der Zeitpunkt der Menopause überhaupt mit dem Gehirn zusammenhängen? Im Mittelpunkt steht vor allem Östrogen, heißt es in der Studie. Das Hormon wirkt nicht nur auf Fortpflanzungsorgane, sondern beeinflusst im Gehirn unter anderem Verbindungen zwischen Nervenzellen, die Energiegewinnung in den Mitochondrien, Immunprozesse und die Blutgefäße. Eine spätere Menopause bedeutet im Allgemeinen eine längere körpereigene Hormonexposition. Die Ergebnisse passten daher zu einem Modell, schreiben die Autorinnen, nach dem eine längere Exposition gegenüber körpereigenen Hormonen die Widerstandskraft des Gehirns im Alter unterstützen könnte.

Hormonersatztherapie beeinflusst Risiko wohl nicht

Das bedeutet jedoch nicht, dass eine frühe Menopause zwingend Alzheimer verursacht. Die Studie ist beobachtend und kann deshalb Ursache und Wirkung nicht trennen. Denkbar ist beispielsweise auch, dass eine früher einsetzende Menopause ein Zeichen für einen insgesamt schneller verlaufenden biologischen Alterungsprozess ist - und nicht dessen Ursache.

Zudem lässt sich aus den Untersuchungsergebnissen nicht schlussfolgern, dass eine Hormonersatztherapie Alzheimer verhindern könnte. In zusätzlichen Analysen fanden die Forschenden keinen statistisch eindeutigen Hinweis darauf, dass eine Hormontherapie die beobachteten Veränderungen der Gehirnstruktur beeinflusste. Für solche Schlussfolgerungen sei die Zahl entsprechend behandelter Frauen zudem zu klein gewesen.

Trotz dieser Einschränkungen könnte das Alter bei der Menopause künftig als ein zusätzlicher Hinweis auf spätere Risiken interessant werden, schreibt das Forschungsteam. Die Autorinnen sprechen von einem möglichen "Zeitfenster in der Lebensmitte", in dem sich Frauen mit erhöhtem Risiko früher erkennen ließen. Ob daraus eines Tages tatsächlich gezielte Vorsorge entsteht, müssen aber weitere Studien zeigen.

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