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Saturday, November 7, 2026

Jugendsession 2026 – Europas Jugend ist wütend – und in der Schweiz?

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Jugendsession 2026 Europas Jugend ist wütend – und in der Schweiz?

Jugendliche in ganz Europa protestieren. An der Jugendsession in Bern verstehen das viele nur teilweise – und sorgen sich trotzdem.

07.11.2026, 17:05

In ganz Europa gehen junge Menschen auf die Strasse. Teils friedlich, teils gewaltsam artikulieren sie ihren Unmut. Sie protestieren gegen unsichere Jobaussichten, schlechte Bildung oder hohe Lebenskosten. Es sind unterschiedliche Anliegen, die eines verbindet: Eine Zukunft, die jungen Menschen zu entgleiten droht.

Auch in Zürich und Basel kam es zu Protesten und Ausschreitungen. Ein grosser Jugendstreik ist für Ende November geplant.

Viele sehen sich privilegiert

An der Jugendsession in Bern treffen die Proteste bei vielen auf Unverständnis. Zwar betonen die jungen Menschen das Recht, sich zu versammeln. Doch die Zustände in der Schweiz seien anders als in den Nachbarsländern.

Menschen sitzen und stehen an Tischen in einem Innenhof vor einem historischen Gebäude.
Legende: Zahlreiche Jugendliche trafen sich in Bern für die 35. Jugendsession. Sie wollen Forderungen an die Politik diskutieren. SRF

«Ich finde die Schweiz einer der besten Orte, um zu leben und sehe deshalb nicht unbedingt einen Grund für Proteste hier», sagt Aleks Sosnovski (16). Auch Samwel Shahadat (17) sagt: «Ihr könnt in der Schweiz schon protestieren, aber es ist einfach nicht so gerechtfertigt wie in Frankreich oder in Italien.»

Protest ja, aber nicht so

Lukas Frey (18) findet es gefährlich, von einer wütenden Jugend zu sprechen: «Es gibt in unserer Zeit eine grössere Polarisierung, die Polparteien werden immer lauter.» Er will konstruktive Lösungen suchen.

Emilia Mirovska (20), Präsidentin der Jungen Mitte Basel, kann die Proteste in der Schweiz nicht nachvollziehen. Der Jungpolitikerin ist es wichtig, die Stimme zu erheben, aber nicht auf diese Art. Unbewilligte Demonstrationen und gewaltvolle Ausschreitungen seien kontraproduktiv: «Das führt letztendlich dazu, dass sich andere Generationen noch mehr von uns abwenden, als uns zuzuhören.»

«Man darf wütend sein»

Giulia Bucheli (19) von der Jungen Grünen organisiert die Jugendsession mit. Sie fühlt sich von der Politik nicht verstanden. Es sei deswegen wichtig auf der Strasse zu demonstrieren – trotz Privilegien. «Man darf auch für andere Menschen wütend sein. Und zudem wird der Klimawandel uns alle betreffen. Da dürfen auch privilegierte Schweizer Jugendliche wütend sein.»

Sorgen nehmen zu

Auch wer nicht protestiert, hat Sorgen. Viele Teilnehmende der Jugendsession sehen sich mit dem Klimawandel, Künstlicher Intelligenz und einer alternden Bevölkerung konfrontiert. Veränderte Berufsperspektiven und internationale Konflikte machen den Jugendlichen zu schaffen.

Die Organisation Pro Juventute stellt fest, dass rund ein Drittel der Jugendlichen nicht zuversichtlich in die Zukunft blickt. «Viele der Anliegen der Jugendproteste im Ausland wie etwa Sorgen um die berufliche Zukunft, finanzielle Sorgen, Sorgen wegen des Wohnungsmarktes beobachten wir auch in der Schweiz», sagt Lulzana Musliu, Leiterin Politik und Medien bei Pro Juventute.

Selten wird aus Forderungen Politik

Vier Tage entwickeln die Jugendlichen an der Jugendsession Lösungsansätze für die politischen Probleme. Am Ende überreichen sie ihre Forderungen in einem symbolischen Akt dem Ständeratspräsidenten Stefan Engler. Ob diese Forderungen umgesetzt werden, hängt vom Willen der Politik ab. Seit 35 Jahren gibt es die Jugendsession, neun Mal wurde daraus ein parlamentarischer Vorstoss.

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