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Friday, November 6, 2026

Koloniales Erbe – Zürich prüft die umstrittenen Büsten im Hirschengraben erneut

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Das Zürcher Stadtparlament will die Debatte um die 16 umstrittenen Holzbüsten in der Aula des Schulhauses Hirschengraben neu aufrollen. Mit einer knappen Mehrheit überwies das Parlament einen Vorstoss, der ein neues Gutachten verlangt. Dieses soll die schulische Nutzung des Saals untersuchen und Betroffene einbeziehen.

Nahaufnahme zweier dunkel patinierter Skulpturenköpfe mit Schmuck und kunstvollen Frisuren.
Legende: Figurenköpfe in der Aula der Schule Hirschengraben, aufgenommen 2025 anlässlich einer Medienbegehung. Keystone/Michael Buholzer

Die Aula des Schulhauses Hirschengraben wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut. Es gibt in der Aula 16 geschnitzte Figurenköpfe aus den Jahren 1894/95, die Menschen aus verschiedenen Weltregionen darstellen. Nach Einschätzung städtischer Fachstellen beruhen die Darstellungen auf einem damaligen rassistischen Weltbild und zeigen stereotype «Völkertypen». Ein 2025 erstelltes Gutachten gelangte dagegen zum Schluss, die Figuren seien zwar Ausdruck ihrer Zeit, stellten die abgebildeten Menschen aber gleichwertig und nicht herabwürdigend dar. Um diese unterschiedlichen Bewertungen geht es in der aktuellen politischen Auseinandersetzung.

Auslöser der Diskussion war ein Vorstoss der Alternativen Liste (AL). Diese forderte, die Figuren während der schulischen Nutzung abzudecken. Die Büsten würden Menschen nach rassistischen Vorstellungen kategorisieren und seien für Kinder ungeeignet, argumentierte AL-Gemeinderätin Sophie Blaser.

«Der aktuelle Zustand ist nicht haltbar», so Blaser in der Debatte. Und sie ergänzte, dass das bestehende Gutachten von 2025 wissenschaftlich ungenügend sei. Sie nannte das Gutachten eine Gefälligkeit.

Historische Universitätsgebäude zwischen Bäumen vor einer bewaldeten Hügelkulisse.
Legende: Das eindrückliche Gebäude des Schulhauses Hirschengraben befindet sich unterhalb der Universität Zürich in Gehdistanz zum Zürcher Hauptbahnhof. Keystone/Michael Buholzer

Schulvorsteher Balthasar Glättli (Grüne) sprach sich gegen eine Verhüllung aus. Er kündigte stattdessen eine umfassende Kontextualisierung an. Geplant seien nicht nur Informationen für Erwachsene, sondern auch Unterrichtsmaterialien für Schülerinnen und Schüler. Die Aula werde zudem nur selten für den regulären Unterricht genutzt.

Die SP unterstützte die Kritik am bisherigen Gutachten, lehnte eine Abdeckung jedoch ab. Mit ihrem Änderungsantrag setzte sie sich durch: Statt einer Abdeckung soll nun ein neues Gutachten den Umgang mit den Figuren klären.

Widerstand leistete die SVP. Ihre Vertreter bezeichneten die Debatte als Symbolpolitik und Kulturkampf. Die Figuren würden Menschen aus verschiedenen Weltregionen gleichwertig darstellen und niemanden herabwürdigen. Zudem verwiesen sie auf das bestehende Gutachten, das die Darstellungen nicht als rassistisch einstufe.

Schweizer Städte suchen unterschiedliche Lösungen

Der Streit um die Hirschengraben-Büsten ist kein Einzelfall in der Schweiz. In Zürich wurden die historischen Hausinschriften «Zum Mohrenkopf» und «Zum Mohrentanz» wegen ihres rassistischen Bezugs abgedeckt.

«Mohrentanz», David de Pury und Louis Agassiz

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  • Bild 1 von 3. Die Stadt Zürich beschloss, die historischen Hausinschriften «Zum Mohrenkopf» und «Zum Mohrentanz» im Niederdorf abzudecken, weil sie als rassistisch gelten. Der Heimatschutz wehrte sich juristisch dagegen. Das Bundesgericht machte 2025 den Weg für eine reversible Abdeckung frei. Bildquelle: Keystone/Michael Buholzer.

  • Bild 2 von 3. Die Statue des Kaufmanns David de Pury geriet wegen seiner Verbindungen zum kolonialen Handel und zur Sklaverei in die Kritik. Es gab Forderungen nach Entfernung. Die Stadt entschied sich für einen Mittelweg: Das Denkmal blieb stehen, erhielt aber eine Kontexttafel und zusätzliche Kunstinterventionen. Bildquelle: Keystone/Jean-Christoph Bott.

  • Bild 3 von 3. Der Naturforscher Louis Agassiz gilt als bedeutender Wissenschaftler, vertrat aber auch rassistische Theorien. Die Stadt Neuenburg benannte deshalb den «Espace Louis-Agassiz» 2019 in «Espace Tilo Frey» um. Andere Agassiz-Erinnerungsorte, etwa das Agassizhorn, blieben bestehen. Bildquelle: Keystone/Laurent Gillieron.

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In Neuenburg blieb das umstrittene David-de-Pury-Denkmal stehen, erhielt jedoch eine kritische Einordnung. Ebenfalls in Neuenburg wurde ein Platz, der nach dem Rassentheoretiker Louis Agassiz benannt war, in «Espace Tilo Frey» umbenannt.

Kindlifresser- und Mohrenbrunnen

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  • Bild 1 von 2. Der Berner Kindlifresserbrunnen wird von einigen Historikern als möglicherweise antisemitische Darstellung interpretiert. Die Deutung ist jedoch umstritten. Die Stadt machte 2026 mit einer Erläuterung deutlich, dass verschiedene Interpretationen existieren. Ende Dezember 2023 übergossen Unbekannte den Brunnen mit roter Farbe. Bildquelle: Keystone/Peter Klanzer.

  • Bild 2 von 2. Bisher blieb der Mohrenbrunnen in der Stadt Schaffhausen bestehen, aber auch dieser Brunnen wird regelmässig erwähnt, wenn über historische Denkmäler und Kunstwerke diskutiert wird, die als rassistisch wahrgenommen werden. Bildquelle: Keystone/Allessandro Della Bella.

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Beim Kindlifresserbrunnen in Bern entschied sich die Stadt für zusätzliche Erläuterungen. Der Mohrenbrunnen in Schaffhausen blieb bestehen, wird aber weiterhin kontrovers diskutiert.

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