Südostasien: Skandal um Luxusgefängnis
Klimaanlage, HD-Fernseher und Golfsimulator: Diesen Komfort fanden indonesische Ermittler bei einer unangekündigten Inspektion im vergangenen Monat in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Cibinong nahe der Hauptstadt Jakarta vor. Sie entdeckten mehr als zehn Zellen, die mit Kühlschränken, Sofas und Wohnbereichen ausgestattet waren. Zudem befand sich offenbar ein Fitnessstudio im Bau.
Diese Enthüllungen führten zu Untersuchungen, ob verurteilte Kriminelle für eine solche Vorzugsbehandlung hinter Gittern bezahlt hatten. Anfang Oktober wurde der JVA-Direktor entlassen. Fünf weitere Justizbeamte wurden zunächst suspendiert. Gegen weitere Mitarbeiter laufen Disziplinarmaßnahmen.

Es war nicht der erste Skandal um Luxusgefängnisse in Indonesien. Bereits 2018 stellten Ermittler der Antikorruptionskommission in der JVA Sukamiskin der Stadt Bandung fest, dass wohlhabende Häftlinge ihre Strafe unter vergleichbar komfortablen Bedingungen verbüßten.
Auch in Thailand untersuchten Behörden im vergangenen November Vorwürfe, chinesische Häftlinge hätten während der Untersuchungshaft in einer Einrichtung in Bangkok Sonderprivilegien erhalten. In Malaysia gibt es wiederholt Kritik an Vorzugsbehandlungen für Häftlinge mit politischen Verbindungen. Der jüngste Skandal in Indonesien führte in Malaysia zu erneuten Forderungen nach unabhängigen Gefängnisinspektionen.
Skandale um VIP-Häftlinge
"Geld und Einfluss fungieren innerhalb des Strafvollzugssystems ähnlich wie in der Außenwelt als Kapital", erläutert Iwa Maulana, Forscher am indonesischen Zentrum für Justizvollzug (Center for Detention Studies, CDS). "Mächtige Häftlinge behalten meist ihren Reichtum und pflegen häufig enge Verbindungen zu einflussreichen Personen."
Die Gefängnisse in Südostasien sind überfüllt. Ende September saßen in Indonesien rund 279.000 Menschen ein, obwohl die Kapazität nur für 154.000 Gefangene ausgelegt ist. In Thailand waren Ende 2025 nach Angaben des "World Prison Brief" etwa 301.000 Insassen inhaftiert, was einer Überbelegung von 21 Prozent entspricht.

Regelmäßig werden Korruptionsfälle innerhalb der Gefängnisverwaltungen bekannt. Über Bestechung und Vetternwirtschaft wird Vorzugsbehandlung gegen Geld oder Gefälligkeiten gewährt.
"Korruption und politische Einflüsse können bestimmte Fälle erklären", sagt Nasrul Ismail, Kriminologe an der britischen Universität Bristol. Er hat kürzlich eine groß angelegte Studie zur Gefängnisverwaltung in Malaysia, Thailand und auf den Philippinen durchgeführt.
"Wenn Entscheidungen hinter verschlossenen Türen getroffen werden und Transparenz darüber fehlt, wer welche Vergünstigungen erhält und warum, entstehen Möglichkeiten, dass persönliche Beziehungen und Geld die Behandlung beeinflussen", erläutert Ismail. Das Problem gehe über eine relativ kleine Zahl wohlhabender Häftlinge mit außergewöhnlichen Privilegien hinaus.
Ungleiche Behandlungen hinter Gitter
In ganz Südostasien sind die meisten Häftlinge auf finanzielle Unterstützung ihrer Familien angewiesen, um den täglichen Bedarf zu decken, den die Gefängnisverwaltungen nicht abdecken. Ismail erläutert, dass ärmere Häftlinge oft auf Geld angewiesen seien, das Verwandte auf Konten der Gefängniskantinen einzahlen, um Lebensmittel, sauberes Wasser und Hygieneartikel zu erwerben.

"Dies unterscheidet sich zwar von der Situation wohlhabender Häftlinge mit luxuriösen Unterkünften, verdeutlicht jedoch, wie sich gesellschaftliche Ungleichheiten durch unterschiedliche institutionelle Regelungen innerhalb der Gefängnisse reproduzieren können. Wo Mindeststandards nicht konsequent eingehalten werden, hängt der Zugang zu menschenwürdigen Bedingungen von den Ressourcen und Beziehungen der Häftlinge ab", sagt Ismail im Interview mit der DW.
"Die zentrale Frage ist nicht nur, warum wohlhabende Häftlinge Sonderprivilegien erhalten, sondern auch, weshalb der Zugang zu grundlegender Sozialfürsorge und einer menschenwürdigen Behandlung derart ungleich ist."
Lassen sich Strafvollzugssysteme reformieren?
Der CDS-Forscher Maulana ist der Ansicht, dass sinnvolle Reformen eine grundlegendere Veränderung der Funktionsweise der Strafjustiz erfordern. "Das aktuelle System betrachtet Freiheitsentzug in erster Linie als Hauptstrafe und wendet ihn bei vielen Rechtsverstößen an. Diese Überbelegung schafft Raum für Korruption", erklärt Maulana. "Deshalb ist es unerlässlich, die Umsetzung nicht freiheitsentziehender Strafen und Alternativen zur Inhaftierung zu verstärken."
Bisherige Maßnahmen wie Untersuchungen und Suspendierungen bei Verstößen seien zwar notwendig und wichtig, betont Ismail, "sie verändern jedoch nicht automatisch die institutionellen Strukturen, die Vorzugsbehandlung ermöglichen." Ein funktionierendes System müsse Bedingungen schaffen, die Wiederholungen von Skandalen wie jenem in Indonesien verhindern.
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