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Monday, September 14, 2026

Wahlen in japanischer Präfektur: Wirtschaft statt Pazifismus

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Zweimal gewann Denny Tamaki in Okinawa mit einer Anti-Militär-Politik. Doch junge Japaner auf dem Archipel haben inzwischen andere Prioritäten.

Martin Fritz

Als das japanische Fernsehen nach Schließung der Wahllokale die Niederlage Denny Tamakis bei der Gouverneurswahl in Okinawa verkündete, hatte der 66-Jährige Tränen in den Augen. Doch dann erhob er sich in seinem weinroten Okinawa-Shirt mit Blumenmuster und tanzte einen Kachashi, um seinen Anhängern zu danken. Der traditionelle Tanz wird vor allem bei freudigen Anlässen wie Hochzeiten aufgeführt.

Mit 150.000 Stimmen Rückstand unterlag Tamaki klar seinem 42-jährigen Herausforderer Genta Koja. Der Amtsverlust zeichnete sich bereits in Vorwahlumfragen ab. Tamaki strebte eine dritte Amtszeit an, während der Ex-Vizebürgermeister von Naha erstmals kandidierte. Koja trat zwar als Unabhängiger an, wurde aber von der Regierungspartei (LDP) unterstützt. Damit übernimmt in der Präfektur Okinawa, bestehend aus mehreren Inselgruppen im Süden Japans, nach zwölf Jahren wieder ein Vertreter von der konservativen Regierungsseite das Amt. Tamaki hatte die Unterstützung der linksgerichteten „All Okinawa“-Koalition.

Ein Generationenkonflikt entschied die Wahl: Laut Exit-Umfragen des TV-Senders NHK stimmten rund 70 Prozent der 18- bis 39-Jährigen für Koja. Dagegen wählten „nur“ über 60 Prozent der 50-Jährigen, mehr als die Hälfte der 60-Jährigen und über 60 Prozent der über 70-Jährigen Tamaki. Koja, wie viele seiner Wähler, wurde erst nach der Rückgabe Okinawas an Japan 1972 geboren.

Tamaki gewann die Gouverneurswahl zwei Mal, weil er gegen die Verlegung einer US-Militärbasis innerhalb Okinawas kämpfte. Der Stützpunkt Futenma im dicht besiedelten Ginowan sollte nicht ins ländliche Henoko umziehen, sondern ganz von Okinawa verschwinden, so die Forderung von Tamaki und seinen Unterstützern. 70 Prozent des US-Militärstützpunkte in Japan sind auf der Hauptinsel Okinawa stationiert. Trotz seines Widerstands konnte Tamaki die Baufortschritte in Henoko in acht Jahren nicht stoppen. Koja unterstützt die von der Zentralregierung geplante Verlegung.

It was the economy

Bei dieser Wahl zählte für die Wähler aber vor allem die Wirtschaft. Laut einer Umfrage der Zeitung Mainichi und des TV-Senders Ryukyu nannten 53 Prozent die wirtschaftliche Lage als wichtigstes Thema, nur 17 Prozent die Stützpunktfrage. Koja, ein studierter Pharmazeut und Karrierebeamter aus Tokio, versprach den wirtschaftlichen Aufschwung, den viele sich wünschten. Er kündigte an, das Pro-Kop-Einkommen zu verdoppeln. Derzeit liegt Okinawa unter allen 47 Präfekturen Japans auf dem letzten Platz.

Tamaki hatte die Stützpunktfrage im Wahlkampf bereits weniger betont und stattdessen auf den Tourismus gesetzt. Doch der klare Sieg von Koja, einem Vater von fünf Kindern, deutet auf einen nachlassenden Widerstandsgeist unter den Menschen auf der Insel hin, wo der Zweite Weltkrieg besonders hohe Opferzahlen gefordert hatte.

Tamaki, Sohn eines US-Soldaten und einer Japanerin, weinte wohl auch, weil seine Niederlage den Weg für eine stärkere Militarisierung der Insel ebnet. Okinawa liegt strategisch in der „ersten Inselkette“ vor Chinas Festland. Chinesische Kriegsschiffe müssen sie passieren, um in den Pazifik zu gelangen. Bei einem Konflikt um Taiwan könnte Okinawa wegen der großen US-Bomberflotten Ziel chinesischer Angriffe werden.

Tamaki machte Online-Schmutzkampagnen für seine Niederlage verantwortlich. In gefälschten Massen-E-Mails gaben sich Absender als Tamaki aus und forderten unter anderem die Umbenennung Okinawas in Ryukyu, was eine Abspaltung von Japan bedeutet hätte. Viele Accounts von außerhalb Okinawas schürten Wut gegen Tamaki, mutmaßlich, um Werbeeinnahmen zu generieren. Tamaki sprach von „schrecklichen Zuständen“.

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