Hans (32) klaut Schulfotos seiner Kids «ohni schlächts Gwüsse»

Zwei Einzelbilder und ein Gruppenfoto für 25 Franken: Die hat 20-Minuten-Leser Hans Vader gekauft. Vier bis fünf weitere Aufnahmen bearbeitete der 32-jährige St. Galler mit KI, um die Wasserzeichen zu entfernen. Der Vater von drei Kindern, die eine deutsche Schule in Grenznähe besuchen, findet das Ergebnis «super».
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Gleiche Motive, anderes Verkaufsmodell
Nach unserem Bericht über KI und Schulfotos hat der Vater seine früheren Bestellungen nochmals angeschaut. In den vergangenen Jahren habe er das gesamte Set für etwa 30 Franken herunterladen können. Das Klassenfoto habe es separat als Ausdruck gegeben.
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Dieses Jahr sei das reine Download-Paket weggefallen. Digitale Dateien habe es nur noch zu den jeweils gekauften Abzügen gegeben. Alle Ausdrucke zu bestellen, hätte laut seiner Rechnung rund 130 Franken gekostet. Die Auswahl der Motive sei dabei gleich geblieben.
Für den Vater war das zu viel. Bei weiteren Vorschaubildern entfernte er deshalb die Wasserzeichen mit KI, um sie digital zu behalten. «Da es ausschliesslich bei uns in der Familie bleibt und ich für die anderen Bilder bezahlt habe, hatte ich keine Bedenken.» Er habe auch «kein schlächts Gwüsse».
«45 bis 50 Franken wären noch verkraftbar»
Dass auch Fotografen mit steigenden Kosten konfrontiert sind, verstehe er. Für das Set wäre er bereit, mehr als bisher zu bezahlen: «45 bis 50 Franken wären noch verkraftbar.» Auch das läppere sich bei drei Kindern zusammen.
Der Schule wurde im Anschluss von der Fotografin gemeldet, dass sie noch nie so wenige Bestellungen verzeichnet hatte wie in diesem Jahr. Vader vermutet, dass die KI da eine Rolle spiele. Beim Elternabend führte das zu einer Diskussion: «Viele Eltern haben reklamiert und sagten, es sei schlicht zu teuer, weswegen man ‹es selber gemacht habe›.» Andere hätten sich anschliessend zeigen lassen, wie der Trick funktioniert.
KI ausprobiert – und trotzdem gekauft
Auch Leser Valon (34) hat es nach eigenen Angaben ausprobiert. Er sagt: «Ich habe es aus Neugier versucht, und es funktionierte ganz gut.» Für ihn war das aber kein Grund, auf den Kauf zu verzichten: «Ich habe die Fotos trotzdem gekauft, damit dieser Service nicht ausstirbt. Es wäre schade, wenn es plötzlich keine Schulfotos mehr gäbe.»
Digitale Bilder kosten extra
Ein weiterer 20‑Minuten-Leser kritisiert: «Wir haben für drei Schulfotos 75 Franken bezahlen müssen: zwei Porträtfotos und ein Klassenfoto. Davon war keines digital verfügbar.» Für die digitalen Bilder hätte die Familie laut seinem Kommentar ein Komplettpaket für 110 Franken kaufen müssen – ohne Ausdrucke. «Wir können uns das leisten, aber es gibt andere Familien, für die das sehr viel Geld ist.»
Manche Eltern verzichten ganz
Andere Familien sparen, indem sie weniger oder gar nichts bestellen. Fabienne (49) schreibt etwa: «Ich konnte mir die teuren Fotos für zwei Kinder als Alleinerziehende nicht leisten. Das hat die Kinder traurig gemacht, da sie extra dafür posiert haben.»
Tamara (36) setzt auf eine andere Lösung ohne die KI: Sie kaufte die digitalen Bilder und bestellte die Abzüge bei einem anderen Fotoanbieter. «Für alle Familienmitglieder hätten mich die Abzüge beim Fotografen 150 bis 180 Franken gekostet. So wie ich es gemacht habe, habe ich nur etwa 50 bis 60 Franken bezahlt – inklusive Downloads, Abzügen und Versand.» Wasserzeichen mit KI zu entfernen, komme für sie hingegen nicht infrage.
«Du bezahlst Arbeit und Erfahrung»
Auch ein 20 Minuten-Leser warnt davor – er betont den Wert professioneller Fotos: «Eine hochauflösende Kamera in der Tasche macht dich genauso wenig zum Fotografen wie ein guter Herd zum Koch.» Neben Licht, Perspektive und Bildgestaltung brauche es Erfahrung darin, Kinder anzuleiten und beim Klassenfoto alle im richtigen Moment zu erwischen. «Du bezahlst seine Arbeit und Erfahrung, nicht die Anzahl Megapixel.»
Hast du schon mal etwas mit KI bearbeitet, um zu sparen?
Malin Mueller (mmu) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Sie ist stellvertretende Leiterin Lifestyle und Beauty-Redaktorin. Ihr Fokus: Hautpflege, Frisuren und Trend-Checks.
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