«Günstiger, als man denkt»: Patrizierhaus mit 18 Zimmern zu haben

Über 300 Jahre alt, 18 Zimmer gross und mit Stuckdecke im Rokoko-Stil: In Maienfeld steht ein Patrizierhaus zum Verkauf, in dem einst Hortensia Gugelberg von Moos residierte. Die Bündnerin behandelte Kranke und setzte sich dafür ein, dass Frauen gleichberechtigt lernen und ihre Meinung öffentlich vertreten dürfen. Das dreigeschossige Patrizierhaus, das eher nach einem kleinen Museum als nach einer gewöhnlichen Wohnliegenschaft aussieht, sucht jetzt eine neue Eigentümerin oder einen neuen Eigentümer, wie die «Südostschweiz» berichtet.
Zum Haus gehören laut Inserat beim Immobilienhändler Nobilis Estate 18 Zimmer auf rund 568 Quadratmetern Wohnfläche, ein ummauerter Garten mit Pavillon, eine Remise sowie eine grosse ehemalige Stallscheune mit Tenne – so nennt man den Bereich, in dem früher Getreide gedroschen wurde. Dazu kommen antike Kachel- und Turmöfen, Täferstuben und Deckenstuck. Der Fest- oder Konferenzsaal im Erdgeschoss hat eine Gewölbedecke und ein Cheminée.
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Haus war auch Treffpunkt für Gebildete
Die bemerkenswerteste Bewohnerin des Hauses war Hortensia Gugelberg von Moos, geborene von Salis. Sie lebte von 1659 bis 1715 und war für ihre Zeit aussergewöhnlich gut ausgebildet: Im Selbststudium beschäftigte sie sich mit Theologie, Philosophie, Botanik, Geologie und Medizin. Sie führte eine medizinische Praxis und behandelte Menschen mit Kräuterheilkunde.
Hortensia Gugelberg von Moos tauschte sich mit Gelehrten ihrer Zeit aus und veröffentlichte Schriften, in denen sie für die geistige Freiheit und Gleichheit von Frauen eintrat. Konkret hiess das: Frauen sollten sich bilden, forschen, schreiben und sich zu religiösen und philosophischen Fragen äussern dürfen – nicht bloss im privaten Rahmen. Das «Historische Lexikon der Schweiz» bezeichnet sie als Wegbereiterin der schweizerischen Frauenbewegung. Ihr Wohnhaus soll auch ein Treffpunkt für gebildete Menschen gewesen sein.
Vom Familiensitz bis zum Boutique-Hotel?
Das Haus wurde 1964 und 1965 grundlegend renoviert und seither fortlaufend unterhalten. Dennoch bleibt die Liegenschaft eine Aufgabe für Menschen mit grossen Plänen: Die sechs unausgebauten Zimmer in der Remise sowie die ehemalige Stallscheune bieten noch Spielraum.
Nobilis Estate nennt als mögliche Nutzungen einen Familiensitz, einen Firmensitz, ein Seminarzentrum oder ein Boutique-Hotel. Auch mehrere Wohnungen seien denkbar. Der Preis wird nur auf Anfrage kommuniziert. «Es ist günstiger, als man sich das vorstellt. Und teurer als ein normales Einfamilienhaus», sagt David Hauptmann, Gründer von Nobilis Estate, gegenüber dem «Blick». Klar ist: Wer hier einzieht, kauft nicht nur sehr viel Haus, sondern auch ein Stück Bündner Geschichte.
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Meret Steiger (mst), arbeitet seit 2016 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Living und Auto & Mobilität und berichtet über Wohnen, Einrichten und Architektur.
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