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Tuesday, October 6, 2026

«Musste Mitbewohner bekochen, während er ständig Frauen heimnahm»

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  • Zwei Leserinnen und Leser berichten, wie das Zusammenziehen mit engen Freunden deren Freundschaften zerstörte.
  • Auslöser waren unter anderem Eifersucht und unterschiedliche Gewohnheiten im Alltag.
  • Beide Betroffenen zogen nach rund einem bis zwei Jahren aus – und haben heute keinen Kontakt mehr zu den ehemaligen Freunden.

Heute ist sich Ana* (27) sicher: Wäre sie nie mit ihrer besten Freundin zusammengezogen, wären die beiden heute noch befreundet. Dabei hatte alles so gut angefangen. Als in der Vierer-WG ihrer Freundin ein Zimmer frei wurde, musste Ana nicht lange überlegen. Die beiden waren damals seit zwei Jahren eng befreundet.

Ana (27) verliess die gemeinsame Wohnung. Die Freundschaft überlebte das Zusammenleben nicht.

Ana (27) verliess die gemeinsame Wohnung. Die Freundschaft überlebte das Zusammenleben nicht.Privat

Regeln für das gemeinsame Wohnen? Darüber machten sie sich kaum Gedanken. «Wir gingen einfach davon aus, dass es eh funktionieren würde, da wir so gut befreundet waren», sagt Ana. Die ersten Wochen scheint das auch zu stimmen. Doch dann kippt die Stimmung.

«Sie wurde immer eifersüchtiger»

Ana lädt gemeinsame Freunde in die WG ein, auch wenn ihre beste Freundin nicht da ist. Nach Anas Wahrnehmung reagiert diese zunehmend eifersüchtig. Auch dass Ana sich mit einer anderen Mitbewohnerin sehr gut versteht, sorgt laut der 27-Jährigen für Spannungen.

«Mit der Zeit wurde sie immer öfter passiv-aggressiv, kam nicht mehr aus ihrem Zimmer, knallte die Tür zu, wenn wir uns im Gang unterhielten, und verliess sogar den WG-Gruppenchat.»

Ana spricht ihre Freundin trotzdem nicht darauf an. «Ich dachte, dann explodiert sie komplett.» Vieles bleibt unausgesprochen. «Hätte ich etwas gesagt, wäre der WG-Frieden offiziell zerstört gewesen. Der Harmonie zuliebe wollte ich nichts sagen.»

Es eskaliert im Gang

Irgendwann hält auch dieser scheinbare Frieden nicht mehr. Ana unterhält sich mit ihrer anderen Mitbewohnerin im Gang über deren neuen Partner.

«Sie kam aus ihrem Zimmer, schrie, wir sollten solche persönlichen Gespräche privat und nicht im Gang führen, und knallte ihre Tür wieder zu.» Von da an sei der «Schein-Frieden» vorbei gewesen. Die beiden sprechen kaum noch miteinander.

Nach insgesamt zwei Jahren zieht Ana wegen der Konflikte aus der WG aus. Danach versucht sie mehrmals, den Kontakt wiederherzustellen und fragt ihre ehemalige Freundin nach einem Treffen. «Doch sie meinte, sie habe keine Zeit oder liess meine Nachrichten unbeantwortet.»

Wie würdest du reagieren, wenn eine enge Freundschaft in der WG kippt?

Heute ist das vier Jahre her. Kontakt haben die beiden nicht mehr. «Im Nachhinein bedaure ich, dass wir zusammengezogen sind, da ich dadurch eine gute Freundin verloren habe.»

Immer mehr Dinge stören

Auch Tim* (29) freut sich zunächst riesig darauf, mit seinem besten Freund zusammenzuziehen, wie er erzählt. Gerade das WG-Leben findet er anfangs cool. Die beiden essen gemeinsam und schauen zusammen Sport im Fernsehen.

Die ersten Monate läuft es gut. Doch mit der Zeit beginnen Tim immer mehr Dinge zu stören. Sein bester Freund hilft etwa kaum in der Küche mit und lässt sich stattdessen bekochen. Im gemeinsamen Wohnzimmer schaut er zunehmend Sendungen, die Tim nicht interessieren.

Auch die Besuche seines Mitbewohners werden für ihn zum Störfaktor. Dieser bringt immer häufiger wechselnde Frauen mit nach Hause. «Das ist mir egal, das ist seine Sache. Aber in einer gemeinsamen Wohnung ist es halt irgendwann schon nervig», sagt Tim.

Es kommt allerdings nie zum grossen Knall. Stattdessen passiert etwas, womit Tim vorher nicht gerechnet hat: Die beiden leben sich auseinander.

«Ich wollte irgendwann gar nicht mehr nach Hause»

Gemeinsame Unternehmungen, wie sie die Freunde früher gemacht haben, werden immer seltener. Gerade weil sie ohnehin zusammenwohnen, ergibt es sich irgendwann kaum noch, bewusst etwas miteinander zu unternehmen.

Gleichzeitig fühlt sich Tim in der gemeinsamen Wohnung zunehmend unwohl. Irgendwann merkt er, dass er sich gar nicht mehr darauf freut, nach Hause zu kommen. Nach einem Jahr zieht er die Konsequenzen und verlässt die WG.

Heute wohnt Tim alleine. Einen grossen Streit zwischen den beiden habe es nie gegeben. Trotzdem haben die ehemaligen besten Freunde inzwischen kaum noch miteinander zu tun. «Ich finde es sehr schade, dass mich das Zusammenleben einen sehr guten Freund gekostet hat.»

*Namen sind geändert.

Deborah Gonzalez

Deborah Gonzalez (dgo) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten. Sie ist Stellvertretende Ressortleiterin Gesellschaft & Community.

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