Bundesfinanzen – Ölhandelsgewinne spülen Millionen in die Bundeskasse

Bundesfinanzen Ölhandelsgewinne spülen Millionen in die Bundeskasse
Die multinationalen Ölhandelskonzerne erzielen wegen des Kriegs im Nahen Osten hohe Gewinne. Davon profitiert auch der Bundeshaushalt.
04.09.2026, 12:06
Innerhalb von nur sechs Monaten erzielte der Rohstoffhändler Mercuria einen Nettogewinn von 900 Millionen Franken. Der Rohstoffhändler Trafigura wiederum weist für denselben Zeitraum ein Ergebnis von 3.3 Milliarden Franken aus.
Und das Ölhandelsunternehmen Gunvor erzielte innerhalb von nur drei Monaten Gewinne, die dem gesamten Ergebnis des vorherigen Geschäftsjahres entsprechen.
Diese Rekordzahlen kommen über die direkte Bundessteuer auf Gewinne von Unternehmen, die in der Schweiz einen Sitz haben, auch dem Bund zugute. «Je höher der Gewinn, desto besser für die Bundeskasse», erklärt Rohstoffexperte Robert Bachmann gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS.
Mangelnde Transparenz der Behörden
Doch wie viel wird der Bund dank des Konflikts in der Strasse von Hormus konkret einnehmen?
Auf Anfrage erklärt die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV), sie wisse nicht, «wie viel Steuern die Branche unter normalen Umständen bezahlt, da keine Aufschlüsselung der Einnahmen aus der Gewinnsteuer nach Wirtschaftszweigen verfügbar ist».
Ähnlich äussert sich das Bundesamt für Statistik (BFS), das nach eigenen Angaben ebenfalls nicht über diese Daten verfügt. Der Kanton Genf, in dem die Mehrheit dieser Unternehmen ihren Sitz hat, verweist seinerseits auf die Bundesverwaltung.
RTS hat deshalb beschlossen, die direkt mit dem Konflikt verbundenen Steuereinnahmen mithilfe eines Steueranwalts selbst zu berechnen.
Unerwartete Steuereinnahmen
In der Schweiz unterliegen Handelsunternehmen auf ihren Nettogewinn einem kumulierten Steuersatz von 14.7 Prozent. Dieser setzt sich aus 8.5 Prozent Bundessteuer, 3.33 Prozent Kantonssteuer und rund 2.87 Prozent Gemeindesteuer zusammen.
Auf Grundlage dieser Berechnung wird der Bund im ersten Halbjahr 2026 von Mercuria 132 Millionen Franken erhalten – fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Trafigura wird 485 Millionen Franken an Steuern entrichten, dreimal so viel wie 2025. Diese unerwarteten Steuereinnahmen könnten die Lage der öffentlichen Finanzen grundlegend verändern.
Das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD), das ursprünglich mit einem Haushaltsdefizit gerechnet hatte, erwartet nun einen finanziellen Überschuss. Eine Kehrtwende, die aussergewöhnliche Einnahmen bezeugt, aber auch die Abhängigkeit der Bundesfinanzen von den Ölgiganten.
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