Klopps Kadernominierung: Großer Umbruch, große Worte
Jürgen Klopp hat seine ersten Nationalmannschaftskader für die bevorstehende Nations League nominiert. Der Bundestrainer gab heute eine Pressekonferenz in der DFB-Zentrale in Frankfurt.
17.09.2026 | 70:57 minFast schon symbolhaft trug Jürgen Klopp erstmal einen großen Pappkarton in den überfüllten Presseraum auf dem DFB-Campus, um ihn an der Seite abzustellen. Inhalt: Exemplare jener Kappe, die der Bundestrainer bei der Nominierung seines ersten XXL-Aufgebots trug. Aufschrift: "Einer von 83 Millionen".
Doch nur einer besitzt in Deutschland als Bundestrainer wohl eine solch vereinnahmende Gabe wie dieses Multitalent.
Nach seiner beeindruckenden Vorstellung am 24. Juli und dem offiziellen Vertragsbeginn am 15. August legte Klopp verbal mit einem Reformeifer los, wie ihn zuletzt Jürgen Klinsmann vor der WM 2006 offenbarte, als noch beim Verband massiv verkrustete Strukturen aufgebrochen werden musste.
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Keine Scham beim Nationalstolz
Zwei Jahrzehnte später sind die Probleme fußballerisch zwar nach der missratenen WM 2026 ganz ähnlich, aber das gesellschaftspolitische Umfeld ist gewiss schwieriger, weil in Teilen sogar vergiftet.
Klopp traute sich, mit der Deutschland-Kappe zugleich auf ein neues Wir-Gefühl zu verweisen, das im besten Fall sein Team transportieren soll. "Ich möchte Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen", sagte der 59-Jährige angesichts der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: "Ich würde mir oder uns gerne die Fahne zurückholen!"
Die Menschen sollten Schwarz-Rot-Gold bei einem Länderspiel "immer so schwingen" dürfen, "dass man das Gefühl hat, du bist happy und verstehst, dass du Glück hattest, dass du in diesem wundervollen Land geboren, aufgewachsen und zugezogen bist." Denn auch der oberste Fußballlehrer schöpft jetzt ja aus einer vielfältigen Palette an Profis mit einem ganz unterschiedlichen kulturellen Background.
Die Tür ist sperrangelweit offen
Klopp hat für seine ersten vier Länderspiele in der Nations League gegen die Niederlande (24. September), Griechenland (27. September), Serbien (1. Oktober) und erneut Griechenland (4. Oktober) zwei Aufgebote mit je 22 Akteuren berufen, darunter befinden sich 16 mögliche Debütanten. Mehr Umbruch ging kaum. Klopp machte sich sogar einen Spaß daraus, dass nicht jeder Name geleakt worden sei.
Keine Berücksichtigung fanden mit Leroy Sané, Leon Goetzka, Deniz Undav oder Oliver Baumann WM-Fahrer. Die Gespräche seien "nicht vergnügungssteuerpflichtig" gewesen, die Spieler hätten die Nachricht, "respektvoll aufgenommen, es ist bei keinem Spieler eine endgültige Entscheidung", sagte Jürgen Klopp generell zu den Ausgemusterten.
Im Fall Sané erklärte Klopp: "Leroy hat in der Saison noch nicht wirklich Fuß gefasst." Zur Causa Undav sagte der Bundestrainer: "Deniz hat bisher seine Probleme, er hat noch nicht so richtig in die Saison reingefunden. Ich wollte mich hier für vier Stürmer entscheiden und habe mich für die anderen entschieden - für den Moment."
Bei Baumann sei es in der Torwartfrage ganz einfach so, "dass ich mich für Marc-André ter Stegen entschieden habe - und danach wollte ich die nächste Generation haben." Noch kein Gespräch habe es mit dem verletzten Leon Goretzka gegeben.
Wer bitte hätte vor wenigen Wochen gedacht, dass Felix Keidel (SV Elversberg), Vitaly Janelt (FC Brentford) oder Mika Baur (Celtic Glasgow) das Nationaltrikot tragen könnten? Klopp konnte mit Fug und Recht mit einem breiten Lächeln festhalten: "Ich habe die Tür sperrangelweit aufgemacht." Ihn hätte die Kaderzusammenstellung zusammen mit Co-Trainer, Analysten und Fitnessexperten jedenfalls ganz viel Spaß gemacht. Heraus kam ein wahres Feuerwerk an Lobeshymnen, die es in dieser Frequenz auf dem Campus in Frankfurt selten gab.
Auf einmal gibt es fast zu viele Talente
Er habe auch sein bei der WM in Nord- und Mittelamerika als Beobachter gewonnenes Bild nach der Stippvisite bei den Vereinen, nach den Stadionbesuchten und Gesprächen längst korrigiert, versicherte Klopp: "Nach der WM konnte man denken, wir lägen am Boden und hätten kein Talent. Wir sehen was in den Jungs, uns ist ganz viel Talent ins Auge gesprungen - und es sind gar nicht alle dabei."
Nils Kaben und Marvin Kirsch aus der ZDF-Sportredaktion ordnen Jürgen Klopps ersten Kader als Bundestrainer ein – wer überrascht, wer fehlt und was dahintersteckt.
17.09.2026 | 20:04 minAus der Bundesliga sind Hennes Behrens (FC Augsburg), Max Rosenfelder, Philipp Treu, Yannik Engelhardt und Derry Scherhant (SC Freiburg) oder Bambasé Conté (TSG Hoffenheim) erstmals berufen, wobei Letzterer bei seinem Anruf "zwei Minuten am Stück gelacht" habe. Und Younes Ebnoutalib (Eintracht Frankfurt) entschuldigte sich persönlich dafür, die Nominierung ausgeplaudert zu haben - Klopp nimmt es dem Frankfurter "Bub" natürlich nicht krumm.
Die Grenzen zwischen den beiden Kadern sollen fließend sein, Nico Schlotterbeck, Serge Gnabry oder Jamal Musiala nach ihren Verletzungen behutsam aufgebaut werden. Klopp geht es um ein positives Wohlfühlklima, bei dem sich alle mitgenommen fühlen. Sein Leitsatz:
Wir lernen, Spaß unter Druck zu haben.
Jürgen Klopp, Bundestrainer
Nur eines wollte er vor dem ersten Härtetest gegen die Niederlande in Amsterdam noch sagen: "In anderthalb Trainingseinheiten können wir die Fußballwelt nicht auf den Kopf stellen." Aber: "Ich erwarte sofort mehr. Wir wollen eine neue Herangehensweise sichtbar machen. Lebendig muss es sein." Er geht dabei gerne voran.
René Adler über die Kaderspekulationen zum Nations League-Auftakt. Eine Einschätzung vom ZDF-Fußballexperten vor dem Neustart der Nationalmannschaft mit Jürgen Klopp.
17.09.2026 | 4:37 minZDFsportstudio Update:Dein ZDFsportstudio Newsletter
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Über dieses Thema berichtete ZDFheute live in dem Beitrag "Live: Wer schafft es in den DFB-Kader?" am 17.09.2026 ab 9:45 Uhr.
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