Donald Trump und die Midterms: Alle Daten zu den US-Wahlen

03.11.2026, 18:07 Uhr
Von Martin Morcinek
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Tag der Entscheidung in den USA: Bei den Kongresswahlen könnten die Mehrheitsverhältnisse in Washington kippen. Was heißt das für Donald Trump? Die wichtigsten Zahlen zur US-Wahlnacht im Überblick.
In den Vereinigten Staaten wird gewählt: Die Kongresswahlen mitten in der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump haben sich durch den Iran-Krieg, steigende Lebenshaltungskosten und hohe Kraftstoffpreise in eine Abstimmung über den politischen Kurs der USA insgesamt verwandelt.
Bei den sogenannten Zwischenwahlen - "Midterm Elections" - sind an diesem Dienstag, 3. November rund 250 Millionen US-Bürger dazu aufgerufen, die Machtverhältnisse im US-Kongress neu zu bestimmen. Gerät Trump Machtbasis in Washington ins Wanken?
Hinweis: Daten und Infografiken zur US-Wahl 2026 werden laufend aktualisiert, sobald erste Zahlen zum Wahlausgang vorliegen.
Unsicherheit und Unzufriedenheit haben längst auch Trumps Wählerbasis im "Make America Great Again"-Lager erreicht. In beiden Kammern des US-Parlaments, im Repräsentantenhaus und im Senat, könnten die Republikaner ihre Mehrheit verlieren.
In den Umfragen deutete sich in den Tagen vor dem Wahltermin ein möglicher Umschwung an: Die Demokraten könnten in mehreren Schlüsselstaaten wichtige Mandate erobern und damit im Repräsentantenhaus und womöglich auch im Senat die Mehrheit erreichen.
Ein Verlust der Mehrheit für die Republikaner hätte in der Praxis weitreichende Folgen: Trump könnte mit dem Rückhalt im Kongress auch einen Großteil seiner Gestaltungsspielräume einbüßen. Und ihm droht ein weiteres Amtsenthebungsverfahren. Wie sieht die Machtverteilung im Repräsentantenhaus bisher aus?
Wie werden sich die Amerikaner entscheiden? Zwei Jahre nach der Präsidentschaftswahl von 2024 geht es bei den "Midterms" um die komplette Neubesetzung der Abgeordnetenposten im Repräsentantenhaus sowie um ein Drittel der Sitze im Senat. Daneben stehen in 36 Bundesstaaten Gouverneurs-Wahlen an. Zusätzlich werden am Wahltag auch weiterer Verwaltungspositionen neu besetzt. Die Zwischenwahlen könnten, so meinen Beobachter, eine Abrechnung mit der Ära Trump insgesamt werden.
In dem 435 Sitze umfassenden "House of Representatives" - kurz auch einfach: "the House" genannt - konnte sich der US-Präsident zuletzt nur noch auf eine knappe Mehrheit stützen. Die Republikaner stellten dort bisher 218 Abgeordnete - inklusive des früheren Republikaners Kevin Kiley sind es 219. Der Abgeordnete aus Kalifornien war im Frühjahr aus der Partei ausgetreten, um sich als unabhängiger Kandidat um seine Wiederwahl zu bewerben.
Die Demokraten kamen im Repräsentantenhaus zuletzt auf 214 Abgeordnete. Der unabhängige Kiley verblieb in der Fraktion und stimmte bisher in der Regel mit den Republikanern. Zwei weitere Sitze waren aufgrund der Rücktritte des Republikaners Tony Gonzales aus Texas und der Demokratin Sheila Cherfilus-McCormick aus Florida vorerst unbesetzt.
Basierend auf den jüngsten Umfragewerten rechnen Meinungsforscher mit Blick auf die Wahl am 3. November mit bis zu 220 halbwegs sicheren Sitzen für die Demokraten. Den Republikanern lassen sich demnach schon jetzt bis zu 200 Sitze mehr oder weniger fest zuordnen. In 27 Kongresswahlbezirken könnte es trotz klar erkennbarer Tendenzen knapp ausgehen. In insgesamt 15 Fällen ist das Rennen um den Einzug ins Repräsentantenhaus noch vollkommen offen.
Im Senat sehen die Aussichten sehr viel enger aus: Bisher kontrollieren die Republikaner in dieser Kammer mit 53 zu 47 Sitzen klar die Mehrheit. Gestützt auf Erhebungen in den betroffenen Bundesstaaten lassen sich den beiden Parteien bisher jeweils nur 46 Sitze zuordnen. In den übrigen acht Fällen ist die Sitzverteilung noch offen. Die Entscheidung über die Mehrheitsverhältnisse im Senat könnte demnach in Texas, Kansas, Iowa, Michigan, Ohio, Georgia, North Carolina, New Hampshire und womöglich auch in Maine fallen.
Die Lage im US-Senat
Regulär bleiben US-Senatoren volle sechs Jahre im Amt. Die Wahlperioden beginnen und enden jedoch versetzt: Alle zwei Jahre wird ein Drittel des Senats neu besetzt. Bei den anstehenden Zwischenwahlen werden dieses Mal jedoch 35 der 100 Senatorenposten neu vergeben.
Bei den Midterms 2026 stehen somit zwei zusätzliche Sitze im Senat zu Wahl - über das reguläre Drittel hinaus. Der Grund: JD Vance und Marco Rubio haben nach der Wahl 2024 auf ihre 2022 errungenen Senatsmandate verzichtet, um unter Trump als Vizepräsident und Außenminister zu dienen. Gewählt wird somit dieses Mal in 35 der 50 Bundesstaaten.
Im Repräsentantenhaus gibt das US-Wahlrecht dagegen eine schnellere Taktung vor. Alle zwei Jahre wird die Parlamentskammer komplett neu zusammengesetzt. Die Abgeordneten müssen sich neu zur Wahl stellen. Die Bundesstaaten sind dabei in sehr unterschiedlichem Umfang in Washington vertreten.
Maßgeblich für die Anzahl der zu vergebenden Sitze ist die Einwohnerzahl: Dünn besiedelte Bundesstaaten wie Alaska, Wyoming oder die beiden Dakotas können jeweils nur einen Abgeordneten ins Repräsentantenhaus entsenden. Bevölkerungsreichere Bundesstaaten wie Illinois kommen auf 17, Florida auf 28, Texas auf 38 Sitze und Kalifornien sogar auf 52.
Die Zwischenwahlen in der Mitte der präsidentiellen Amtszeit sind in der US-Demokratie von herausragender Bedeutung: Verliert ein US-Präsident seinen Rückhalt im Kongress, sind seine politischen Handlungsspielräume künftig stark beschränkt.
Für Präsident Trump geht es bei den Midterms damit auch um seine politische Zukunft und die Bewegungsfreiheit in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit: Die Mehrheitsverhältnisse im Kongress legen fest, ob ihm für die verbleibenden zwei Jahre bis zur nächsten Präsidentschaftswahl noch Gestaltungsspielräume bleiben oder nicht. Wenn es zu der von den Demokraten erhofften "blauen Welle" kommt - also einem deutlichen Sieg in den entscheidenden Schlüsselstaaten -, dann könnte der Kongress Trumps künftige Gesetzesvorhaben blockieren.
Der Wahlausgang ist allerdings noch vollkommen offen: Wie sich die Wählerinnen und Wähler am 3. November letztlich entscheiden, wird sich voraussichtlich erst weit nach Mitternacht deutscher Zeit zeigen. Die Wahllokale an der Ostküste schließen am Abend zwischen 19.00 und 20.00 Uhr Ortszeit (EST). Aus europäischer Sicht ist damit erst am 4. November gegen 1.00 Uhr morgens (MEZ) mit ersten Hochrechnungen auf Basis von Nachwahlbefragungen zu rechnen.
Gewählt wird in mehreren Zeitzonen: Bis die Wahllokale an der Westküste und in Alaska schließen, werden weitere Stunden vergehen. In Kalifornien ist die Stimmabgabe erst um 4.00 Uhr morgens deutscher Zeit beendet. Bis endgültige amtliche Ergebnisse feststehen, können im Einzelfall Tage, wenn nicht sogar Wochen vergehen.
Donald Trump als "lahme Ente"?
Donald Trump muss sich auf unsichere Aussichten einstellen: Ein US-Präsident ohne Unterstützung im Senat oder im Repräsentantenhaus wird Widerstand gegen etwaige Gesetzesvorhaben aus dem Weißen Haus erfahren.
Ohne Mehrheit im Kongress könnte Trump kaum noch aktiv gestalten - sofern er sich an die in der Verfassung vorgesehenen Beschränkungen hält. Im politischen Sprachgebrauch der US-Hauptstadt würde er sich in eine "lame duck", eine lahme Ente, verwandeln.
Geschwächt und ohne vorzeigbare politische Großprojekte könnte ein solcher Präsident dann als schwach und letztlich gescheitert in die Geschichte eingehen. Und: Donald Trump würde seiner Partei in den beiden Jahren vor der Präsidentschaftswahl 2028 einen innen- wie außenpolitischen Scherbenhaufen hinterlassen.
In welche Richtung sich das Votum der US-Wähler entwickelt, wird sich womöglich erst spät erkennen lassen: An der US-Ostküste ist die Stimmangabe gegen Mitternacht deutscher Zeit beendet. An der Westküste wird sich die lange US-Wahlnacht bis weit in die frühen Morgenstunden ziehen.
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