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Thursday, October 8, 2026

Nie Lob vom Vater: Für Schrauben-Milliardär «entscheidende Lehre»

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  • Reinhold Würth (91) erklärt in einem Interview, wie sein Vater seine Unternehmenskultur geprägt hat.
  • Weil sein Vater ihn nicht direkt lobte, machte Würth Lob und Dankbarkeit zur Grundlage seiner eigenen Führungskultur.
  • Aus dem Zweimannbetrieb des Vaters baute er Europas grössten Schraubenkonzern auf.

Reinhold Würth machte aus dem einstigen Zweimannbetrieb seines Vaters Europas grössten Schraubenkonzern mit mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz im Jahr und 80'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sein Vermögen beträgt laut «Forbes» 40 Milliarden Dollar. Die Leitung gibt er an seine Enkel ab.

Jetzt sagte der 91-Jährige im Interview mit dem Magazin «The Pioneer», wie sein Vater seine Unternehmenskultur schon früh geprägt und bis heute beeinflusst hat. Mit 14 meldete ihn sein Vater Adolf Würth von der Schule ab und machte ihn 1949 zum Lehrling im eigenen Schraubenhandels-Betrieb.

«Nichts gesagt ist genug gelobt»

Das Wichtigste, was er von seinem Vater gelernt habe, seien Fleiss und Zuverlässigkeit. Ein grosser Danke-Sager sei er nicht gewesen. «Mein Vater war näher bei den Schwaben. Dort sagt man: Nichts gesagt ist genug gelobt.» Er erzählt, wie er als 16-Jähriger von einer seiner Verkaufsreisen zurückgekommen sei und «ein gutes Päckchen an Aufträgen» mitgebracht habe. Der Vater habe das Päckchen wohlwollend betrachtet und gesagt: «Na ja, ist schon nett», und es auf den Tisch gelegt.

Erst Jahre später habe er von seiner Mutter erfahren, dass der Vater dann schmunzelnd in die Küche gegangen sei und ihr gegenüber den Sohn gelobt habe. Würth betrachtet die Situation als eine «vielleicht lebensentscheidende» Lehre. «Das habe ich später umgedreht und die Leute gelobt.»

Lob und Dank als Unternehmenskultur

Er wolle sich bei den Leuten bedanken, ihnen gratulieren und zeigen, dass er grossen Respekt vor ihrer Arbeit habe. Das sei eine der Fundamentallinien der Unternehmenskultur geworden. «Ich versuche, Dankbarkeit, Bescheidenheit und Demut an meine Mitarbeiter weiterzugeben. Dabei verbiete ich geradezu Arroganz», sagt Würth.

Auch die Qualität eines Produkts und die Profitabilität seien wichtig. Aber 60 Prozent des Erfolgs von Würth seien auf die Unternehmenskultur zurückzuführen. «Es sind nicht diese hochintellektuellen und geschliffenen Systeme, die einen Betrieb erfolgreich machen können, sondern es sind die Menschen.»

Was der abtretende Schraubenkönig aber wie sein Vater macht: Er schickt den Nachwuchs in der Ausbildung auf Verkaufsreisen. «Die Verkäufer sind enorm wichtig. Das ist überhaupt das Wichtigste», sagt Würth. Sein Enkel Benjamin Würth sei deshalb während seiner Lehrzeit in Indien im Monsunregen mit dem Motorrad unterwegs gewesen. Würth übergibt das Unternehmen deshalb mit Zuversicht: «Der weiss ganz genau, woher das Unternehmen kommt und wohin es geht.»

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Fabian Pöschl

Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft

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