Studienkosten für Ausländer:innen: Kurzsichtige Auslese

Immer mehr Universitäten verlangen horrende Gebühren von internationalen Studierenden. Auch die Talentiertesten dürften so auf der Strecke bleiben.
Foto: Moritz Frankenberg/dpa
I n Baden-Württemberg gibt es sie schon flächendeckend, die TU München hat sie vor zwei Jahren eingeführt und die LMU München, eine der größten deutschen Universitäten, will jetzt nachziehen: horrende Studiengebühren für Studierende, die aus Nicht-EU-Staaten kommen. Bis zu 10.000 Euro pro Semester sind im Gespräch. Damit werden die meisten Studierenden aus dem gobalen Süden ausgeschlossen, denn kaum jemand wird diese Summen aufbringen können.
Auch Doktorand:innen mit einem Stipendium etwa des Deutschen Akademischen Austauschdienstes könnten dann nicht mehr an der LMU promovieren, denn der DAAD übernimmt ausdrücklich keine Studiengebühren. Das ist auch richtig so, denn die Aufgabe des DAAD ist es, internationalen wissenschaftlichen Austausch zu fördern, und nicht deutsche Universitäten zu finanzieren. Anders als in Baden-Württemberg können bayerische Unis laut Hochschulgesetz selbst über die Einführung solcher Gebühren entscheiden.
Damit ist die bayerische Staatsregierung fein raus: Bei Klagen über mangelnde Finanzierung schiebt sie die Verantwortung den Unis zu und sagt: „Erhebt Ihr doch Gebühren!“ Ein großer Teil der sonst so hochgehaltenen wissenschaftlichen Exzellenz ginge damit verloren. Meine internationalen Doktorand:innen hätten nicht an der LMU promovieren können, weder ein junger Türke, der gerade mit einem Preis ausgezeichnet wurde, noch ein Pakistaner, der in seinem Heimatland inzwischen eine Professur hat.
Die Unis stecken damit in der Zwickmühle zwischen ausreichender Finanzierung und Offenheit für internationale Studierende. Die 2007 in Bayern eingeführten allgemeinen Studiengebühren wurden 2013 durch ein Volksbegehren gekippt. Der damalige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hatte ein Einsehen und ersetzte die Gebühreneinnahmen der Universitäten aus dem Staatshaushalt. Diese Regelung gilt bis heute. Man kann nur hoffen, dass Markus Söder auch zur Einsicht in Bezug auf internationale Studiengebühren kommt.
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