Ex-Bayern-Star Sforza über Kompany und Sorgen um die Trainer

«Zusammenbruch hat mich geschockt»
Ex-Bayern-Star Sforza über Kompany und Sorgen um die Trainer
Ciriaco Sforza hat mit den Bayern alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Mit Blick redet der 56-Jährige über Siegesdruck, mentale Gesundheit und darüber, ob er seinem einstigen Mitspieler Niko Kovac eine Trainerkarriere zugetraut hat.
Publiziert: vor 15 Minuten
- Sforza gewann mit Bayern alles und kennt den Siegesdruck
- Nach Kompanys Kollaps warnt er vor Trainerstress
- Kovac habe schon als Spieler wie ein Trainer gedacht
Stefan KreisReporter Fussball
Wer beim FC Bayern spielt, ist zum Siegen verdammt. Das ist am Samstag so, wenn der Rekordmeister um 18.30 Uhr auswärts im Westfalenstadion bei Dortmund gastiert. Und das war auch um die Jahrtausendwende herum nicht anders, als Ciriaco Sforza (56) jenes Logo trug, das direkt vom bayerischen Landeswappen abgeleitet ist.
«Wenn du bei Bayern spielst, hast du immer Druck. Von den Medien, vom Klub, von den Fans. Ob auswärts oder daheim. Damit musst du umgehen können. Mir hat damals geholfen, dass ich von GC erst auf den Betzenberg wechselte und ich mir bei Kaiserslautern einen Namen machen konnte, bevor ich nach München ging», sagt Sforza. Und was hilft gegen den Druck? «Leistung», sagt Sforza. «Bayern ist ein Weltverein, eine Stufe höher als alles in der Bundesliga. Da musst du einfach liefern.»
Hat Sforza getan. Zwei Meistertitel, Uefa Cup, Champions League, Weltpokal. Der Aargauer hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Traut er dem FC Bayern auch in dieser Saison das Triple zu? «Es kann in diese Richtung gehen. Dass Kane den Ballon d'Or holte, wird einen Schub geben, die Mannschaft ist zusammengeblieben und gewachsen, individuell top besetzt. Und sie haben mit Vincent Kompany einen hervorragenden Trainer», so Sforza.
«Man darf Stress nicht unterschätzen»
Der aber brach letzte Woche zusammen und musste wegen einer Hirnhautreizung mit dem Helikopter ins Spital geflogen werden. Er wird den Klassiker am Samstag wohl verpassen.
Aus Deutschland ist zu vernehmen, dass Kompany erst nach der nächsten Nationalmannschaftspause zurückkehren werde. «Ich war geschockt. Weil er so ein kräftiger Typ ist, den nichts aus der Ruhe bringt. Ich habe noch gegen ihn gespielt», sagt Sforza. Und er hofft, dass Kompany sich erst richtig erholen wird, bevor er wieder ins Tagesgeschehen eingreift.
Allgemein macht sich Sforza, der 2012 nach seiner Entlassung bei GC in ein Burnout rannte, ernsthafte Sorgen um die Trainer: «Gesundheit ist das Wichtigste, aber es kann so schnell etwas passieren. Wir haben einen super Job, ja. Und alle sagen, dass wir gut verdienen. Aber man darf den Stress nicht unterschätzen. Als Bayern-Coach hast du jeden dritten Tag ein Spiel und noch zig andere Aufgaben neben dem Feld. Das geht an den Körper.»
Er selbst habe in jungen Jahren Vollgas gegeben, sich aber als älterer Trainer Auszeiten genommen, sich bei der Familie erholt, mal Feierabend gemacht. Weil ihm sein Körper die entsprechenden Signale gegeben habe: «Wenn du keine Pause machst, läufst du irgendwann in eine Spirale rein. Das musste ich lernen. Es nützt nichts, gegen aussen Stärke zu zeigen, wenns dir nicht gut geht. Am Ende sagt dir niemand Danke.» Im Gegenteil. Nach zwei, drei schlechten Spielen steht man als Coach bereits im Gegenwind.
«Niko hat als Spieler wie ein Trainer gedacht»
So wie Dortmunds Niko Kovac, dessen frühzeitige Vertragsverlängerung kritisch beäugt wird, obwohl er den besten Punkteschnitt seit Lucien Favre hat. «Niko hat schon als Spieler wie ein Trainer gedacht», erinnert sich Sforza. «Und er hat mit seinem Bruder Robert einen Assistenten, der ihm den Rücken freihält und ihm vieles abnimmt.»
Bei Bayern haben Sforza und Kovac zusammen im Zentrum gespielt. Sie sind nicht die ersten zentralen Mittelfeldspieler, die hinterher ins Trainerbusiness einsteigen. Pep Guardiola, Luis Enrique, Diego Simeone, Xabi Alonso, Mikel Arteta und Co. lassen grüssen. «Es kann ein Vorteil sein, weil du das Spiel anders siehst und es grundsätzlich besser lesen kannst», sagt Sforza.
Er selbst hat insgesamt 376 Spiele als Cheftrainer für Luzern, GC, Wohlen, Thun, Wil, Basel und Schaffhausen absolviert. Ende November schliesst er seinen Sportdirektoren-Lehrgang ab. Dass es diesen Kurs endlich gebe, sei überfällig, so Sforza: «Weil Trainer mit ihrer Uefa-Pro-Lizenz besser ausgebildet sind als jene, die über ihr Schicksal entscheiden.»
Denn Sportdirektoren sind nicht zum Siegen verdammt. Fussballtrainer schon.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Bayern München | 7 | 19 | 17 | |
2 | Borussia Dortmund | 7 | 8 | 17 | |
3 | SC Freiburg | 7 | 7 | 13 | |
4 | Bayer Leverkusen | 7 | 4 | 13 | |
5 | SV 07 Elversberg | 8 | 0 | 13 | |
6 | RB Leipzig | 7 | 9 | 12 | |
7 | Werder Bremen | 7 | 1 | 12 | |
8 | FSV Mainz | 8 | 0 | 10 | |
9 | FC Augsburg | 7 | 4 | 9 | |
10 | TSG Hoffenheim | 7 | 0 | 9 | |
11 | Hamburger SV | 7 | -10 | 9 | |
12 | 1. FC Köln | 7 | -3 | 8 | |
13 | SC Paderborn 07 | 7 | -3 | 8 | |
14 | Eintracht Frankfurt | 7 | -7 | 8 | |
15 | VfB Stuttgart | 7 | -3 | 6 | |
16 | Schalke 04 | 7 | -3 | 6 | |
17 | Union Berlin | 7 | -12 | 6 | |
18 | Borussia Mönchengladbach | 7 | -11 | 3 |
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