Trump-Klatsche in den USA und die EU: Zerrieben zwischen der neuen Achse des Bösen

Trump hat die Midterms verloren. Nun jedoch auf eine Abkehr von seinem aggressiven Wirtschaftskurs zu hoffen, wäre naiv.
Foto: Nathan Howard/reuters
W er sich von den Republikanern nach den verlorenen Midterms eine Abkehr vom irre aggressiven Chaos-Kurs Donald Trumps in der US-Wirtschaftspolitik verspricht, freut sich zu früh. Zum einen verfolgen auch die siegreichen Demokraten eine protektionistische Linie, die keine Rücksicht auf Bindungen zu „old Europe“ nimmt. In der Handelspolitik sowie beim Schutz der heimischen Industrie herrscht in Washington parteiübergreifend Konsens.
Zum Zweiten und für Europa viel fataler wird sich der angeschlagene US-Präsident angesichts für ihn unbequemer Mehrheitsverhältnisse daheim verstärkt auf die Außenpolitik konzentrieren. Es dürfte ihm zwar künftig schwerer fallen, staatliche Institutionen zu attackieren und umzubauen – wie die Notenbank Fed oder die Umweltbehörde EPA. Der Trumpismus lebt aber in der Handelspolitik trotz Midterms weiter. Seine erratischen Zölle hat der Präsident ja auch bislang nicht per Gesetz verhängt, sondern per Dekret am Kongress vorbei.
Wenn es innenpolitisch für ihn schwieriger wird, wird er versuchen, außenpolitisch zu glänzen. Problem: Der sich immer mehr konkretisierende Gipfel mit Chinas Xi Jinping und Russlands Wladimir Putin kündigt eine neue globale „Axis of Evil“ an. Die angeschlagene EU droht zwischen dieser Achse des Bösen geoökonomisch zerrieben zu werden: Auf regelbasierten Handel legen die drei Autokraten keinen Wert. Im Konfliktfall brechen für die Europäer bedeutende Märkte weg, außerdem fehlen Rohstoffe und Basisprodukte für hiesige Waren.
Europa und Deutschland müssen deshalb strategisch noch unabhängiger von ihren wichtigsten Handelspartnern USA und China werden. Für die EU bedeutet das, im Binnenmarkt weiter zusammenzuwachsen, zum Beispiel im Finanzsektor. Zudem gilt für Europa, die Kooperation mit nahestehenden Demokratien zu stärken. Also: Exit vom Brexit. Und: Nicht nur Montenegro, auch Kanada gehört ran an die EU. Und: Die Abkommen mit Lateinamerika und Indien sollten besser umgesetzt und neue, wie mit den Philippinen, ausgehandelt werden.
Vor allem aber muss Europa wettbewerbsfähiger werden. Umso idiotischer ist es, wenn die EU gerade ein Aus vom Verbrenner-Aus anvisiert, das die Hersteller geradezu dazu auffordert, fossile Pkw herzustellen, die am Markt keinen Erfolg mehr haben.
Kai Schöneberg Redakteur
Wirtschaftshistoriker, Ausbildung bei der Burda Journalistenschule. Von 2001 bis 2009 Redakteur in Bremen und Niedersachsen-Korrespondent der taz. Dann Financial Times Deutschland, unter anderem als Redakteur der Seite 1. Von 2012 bis 2024 Leiter des Ressorts Wirtschaft und Umwelt.
Midterms und die EU Trump-Klatsche macht es nicht einfacher für Europa
Trotz der Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen bleibt die US-Handelspolitik unberechenbar und protektionistisch, meinen Ökonom*innen.
Von Kai Schöneberg
Midterms-Ergebnis der US-Republikaner Riesenklatsche, unsichere Zukunft
Kommentar von Bernd Pickert
Bei den Midterms in den USA gewinnen die Demokraten beide Kammern des Kongresses zurück. Es ist ein deutliches Votum gegen die Politik Trumps – der nun noch gefährlicher wird.
Merz auf Asienreise Drahtseilakt in Seoul
Der deutsche Kanzler möchte in Ostasien freien Handel bewerben. Doch dort sorgt man sich vor wachsendem Protektionismus der EU.
Von Fabian Kretschmer
taz FUTURZWEI im Abo entdecken Endlich mal ein Magazin für Zukunft
taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht).
- Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten
- Nur 38 Euro im Jahr
- Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“
- Herausgegeben von Harald Welzer
Jetzt abonnieren
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.