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Thursday, September 17, 2026

Nach Amoktat in Aarau – Einsatzleiter des Care-Teams: «Panik habe ich keine gespürt»

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Wenn etwas Schlimmes passiert, wird über die Sanitätsnotrufzentrale (144) ein Care-Team aufgeboten. Ende August starb eine Frau durch Schüsse nach einer Rave-Party in Aarau, weitere sechs Personen wurden verletzt.

Zwei Tage nach der Tat wurde bekannt, dass der mutmassliche Täter, ein 43‑Jähriger aus dem Kanton Jura, gefasst wurde. Noch sind viele Fragen offen, auch das Motiv. Nun zeigt sich: Das Aargauer Care-Team war auch Tage nach der Tat noch sehr gefragt.

Schüsse nach Technoparty in Aarau

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  • Bild 1 von 3. Die Halle bei der Pferderennbahn in Aarau: Der mutmassliche Täter fuhr am frühen Sonntagmorgen am 30. August 2026 zum Aarauer Schachen und ging zu Fuss in Richtung Pferderennbahn. Bildquelle: SRF.

    Luftaufnahme eines Gebäudekomplexes mit umliegenden Grünflächen und Sportanlagen.
  • Bild 2 von 3. Von ausserhalb des Geländes schoss er mit einem Sturmgewehr mehr als 40 Mal wahllos auf die noch weit über 100 anwesenden Menschen. Eine 22-jährige Frau starb, sechs weitere Menschen wurden verletzt. Bildquelle: SRF.

  • Bild 3 von 3. Der Täter wurde nach einer nationalen und internationalen Fahndung in der Nacht auf Montag dann gefasst. Später gab es in Aarau einen Gedenkmarsch für die Opfer. Bildquelle: Keystone / Urs Flüeler.

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Die Schüsse am Sonntagmorgen um drei Uhr, die Panik, die Verunsicherung – das bleibt wohl vielen Betroffenen in Erinnerung. Wie gingen Care-Team-Mitarbeitende im ersten Moment mit rund hundert Schockierten um? Und wie ist ihr Einsatz abgelaufen?

Im Fall von Aarau klingelte das Telefon in der Nacht auf Sonntag bei Fabian Niederberger, dem Chef des Kantonalen Katastrophen Einsatzelements (KKE). «Ich habe wie alle um diese Zeit geschlafen. Der Alarm kam, und im ersten Moment war unklar, was dort passiert ist», erzählt er beim Besuch von SRF.

Am Anfang sei man von elf oder mehr Verletzten ausgegangen. Aufgeboten wurde Martin Platzer als Einsatzleiter des Aargauer Care-Teams. Ihm unterstanden rund 20 Care-Team-Mitglieder, die sich vor Ort psychologisch um die Opfer gekümmert haben. «Bei der Anfahrt wusste ich genau, dass wir erst hingeschickt werden, wenn die Lage sicher ist», erklärt Platzer.

Geschickt wurden Platzer und das Care-Team in die Schachen-Sporthalle in Aarau. Diese liegt in der Nähe des Tatorts. Hierhin wurden über 100 Personen gebracht, die die Amoktat miterlebt hatten.

Schock und Informationsbedürfnis

Panik habe er keine gespürt, erzählt Martin Platzer: «Die Situation war übersichtlich und ruhig. Wir haben unsere Aufgabe wahrgenommen und die Gruppen betreut.»

Die meisten Anwesenden hätten nach Informationen gefragt, was eigentlich genau passiert sei. Andere waren geschockt. «Schock kann divers aussehen. Falls die Person nicht spricht, sind wir da. Wir sind der Anker, wir warten ab. Irgendwann fängt die Person dann an, zu sprechen», weiss Platzer. Als Care-Giver gehe es ums Zuhören, ums Dasein, ums «Stabilisieren».

Anrufe mehrere Tage danach

Viele Betroffene hätten nach der Partynacht und der Amoktat einfach nach Hause gehen wollen. Der Care-Team-Einsatzleiter hat auch Tage nach der Tat noch Anrufe erhalten: «Das ist normal. Wenn einen aber die Bilder auch nach vier Wochen immer noch beschäftigen, dann weisen wir die Leute an geeignete Fachstellen weiter.»

Als Care-Team-Mitglied brauche man auch bei einem Grossereignis professionelle Distanz: «Das A und O ist die Psychohygiene jeder einzelnen Care-Giverin, jedes Care-Givers nach dem Einsatz. Es braucht einen Ausgleich. Man muss die Uniform ausziehen und wieder in die ‹normale› Rolle reinschlüpfen», weiss der erfahrene Fachmann Martin Platzer. Denn die Care-Team-Helfenden absolvieren ihre Einsätze freiwillig, in ihrer Freizeit.

Debriefing und Hilfe

Im Nachgang solcher Einsätze finde auch immer ein Debriefing statt, erklärt Fabian Niederberger vom Kantonalen Katastrophen Einsatzelement. «Man diskutiert das Erlebte, das hilft schon sehr viel.»

Wichtig seien auch die gemeinsamen Vorbereitungen, das Vertrauen, und dass man die Kompetenzen der anderen Organisationen kenne, findet Niederberger. «Dann weiss man, dass jeder seinen Bereich professionell umsetzen kann.»

Wenn Care-Team-Mitglieder nach einem Einsatz selbst Hilfe benötigen, stehen ihnen im Aargau professionelle Psychologinnen und Psychologen zur Verfügung.

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