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Wednesday, September 16, 2026

Milliardenschweres Geschäft – Wie ukrainische Callcenter Menschen in der Schweiz abzocken

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Milliardenschweres Geschäft Wie ukrainische Callcenter Menschen in der Schweiz abzocken

Der jüngste Behördenskandal in der Ukraine wirft ein Licht auf eine milliardenschwere Betrugsindustrie, deren Machenschaften bis in die Schweiz reichen.

16.09.2026, 10:57

Zahlen gibt es zum Beispiel aus dem Kanton St. Gallen: Allein diesen August wurden dort mindestens sechs Anzeigen wegen Telefonbetrugs registriert. In mehreren Fällen führten die Ermittlungen in die Ukraine.

Jüngstes Beispiel: Erst Anfang September zeigte ein 93-jähriger Mann einen mutmasslichen Betrugsversuch an. Die Polizei nahm daraufhin einen 38-jährigen ukrainischen Staatsangehörigen fest. Er soll als sogenannter Kurier in die Schweiz gereist sein, um Geld entgegenzunehmen, das das Opfer den Betrügern übergeben sollte.

Zwei Screenshots einer Stellenanzeige auf einem Smartphone.
Legende: Jobangebot auf Telegram für ein Betrugs-Callcenter in Lwiw. GI-TOC

Die Ukraine hat sich in den vergangenen Jahren zu einem europäischen Zentrum für Telefon- und Onlinebetrug entwickelt. Laut einem aktuellen Bericht der NGO «Global Initiative Against Transnational Organized Crime» (GI-TOC) arbeiten dort rund 60'000 Menschen in Betrugs-Callcentern.

Fedir Sydoruk, Mitautor des Berichts, sagt gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz, es könnten sogar bis zu 100'000 sein: «So viele wie im ukrainischen Bankensektor.» Den Umsatz der Industrie schätzt die NGO auf 1 Milliarde Franken – pro Monat.

Boom seit Kriegsbeginn

Laut Sydoruk entstanden die ersten grossen Betrugs-Callcenter in den 2010er-Jahren und breiteten sich nach dem Beginn der russischen Grossinvasion nochmals stark aus.

Begünstigt worden sei dies durch die schwierige wirtschaftliche Lage vieler junger Ukrainerinnen und Ukrainer sowie durch die Tatsache, dass es sehr einfach ist, solche Aktivitäten zu starten. Aber auch eine gewisse Mitschuld der Behörden konstatiert Sydoruk.

Zu Beginn seien die Callcenter von manchen sogar als eine Art patriotische Aktivität betrachtet worden, weil sich viele Betrugsversuche gegen russische Bürger richteten und damit indirekt den ukrainischen Sicherheitsinteressen dienten. Russische Medien berichteten wiederholt über Fälle, in denen russische Staatsangehörige von Betrügern unter Druck gesetzt wurden, um für die ukrainischer Geheimdienste zu arbeiten.

Sydoruk warnt jedoch davor, das Phänomen auf Russland zu reduzieren. Die Opfer stammten aus rund 30 Ländern, darunter auch aus der Schweiz, sagt er. Betroffen seien auch zahlreiche Ukrainerinnen und Ukrainer selbst. Manche erhielten mehrmals täglich Anrufe von Betrügern. Fast jeder habe das bereits erlebt, auch wenn die Betrugsversuche häufig scheiterten.

Ein Betrugsopfer aus der Ukraine erzählt:

In den vergangenen Wochen hat das Thema auch die ukrainische Politik erreicht: Die Antikorruptionsbehörde NABU beschuldigte das Büro des Generalstaatsanwalts, Bestechungsgelder angenommen zu haben, um ein Netzwerk von betrügerischen Callcentern vor Ermittlungen zu schützen.

Fast alle Behörden sind in die Machenschaften verwickelt.

Im Zentrum der Vorwürfe stand Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko, der in der Folge seinen Rücktritt einreichen musste. Wie weitreichend die Affäre ist, bleibt derzeit offen. Für Sydoruk könnte der Fall nur die Spitze des Eisbergs sein. «Fast alle ukrainischen Polizeibehörden und Justizbüros sind in die Machenschaften der Callcenter verwickelt», behauptet er.

Ob der aktuelle Skandal tatsächlich zu grundlegenden Veränderungen führen werde, bezweifelt der Experte allerdings. «Ich bin nicht optimistisch», sagt er.

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