Sexuelle Gesundheit – Bund lanciert neue «Love Life»-Kampagne für junge Erwachsene

- Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat eine neue «Love Life»-Kampagne lanciert.
- Diese richtet sich an 16- bis 26-Jährige und informiert über Safer Sex sowie sexuelle Gesundheit.
- Die Kampagne wurde am Freitag in Bern den Medien präsentiert.
Die Kampagne ist Teil des nationalen Programms (Naps) «Stopp HIV, Hepatitis B, Hepatitis C-Virus und sexuell übertragbare Infektionen». Der Bundesrat hatte dieses Programm im November 2023 mit dem Ziel verabschiedet, dass es bis 2030 zu keinen neuen Übertragungen von HIV sowie Hepatitis-B- und C-Viren mehr kommt. Zudem sollen die Zahlen weiterer sexuell übertragbarer Krankheiten minimiert werden.
Als eine Massnahme des Naps diene nun die Kampagne der Information und Sensibilisierung der jungen Menschen, die erste sexuelle Erfahrungen machen, wie BAG-Direktorin Anne Lévy sagte. Rund 90'000 Menschen seien dies jedes Jahr – und viele unter ihnen seien nach wie vor ungenügend über Schutzmassnahmen informiert.
Über Videocasts und Kurzvideos soll sie auf Social-Media-Kanälen gezielt Informationen zu Safer Sex und zum Erhalt der sexuellen Gesundheit vermitteln. Die Kampagne setze dabei auch auf Dialog und den Einbezug der Zielgruppen und solle so den entsprechenden Schulunterricht ergänzen, so Lévy weiter.
Dazu gehört unter anderem ein Safer-Sex-Check auf der Website lovelife.ch. Hier geht es nicht nur um die Vermittlung von Schutzmassnahmen wie den Gebrauch von Kondomen, sondern auch um die Abschätzung der Risiken und die Erwägung von Tests, um allfällige Weiterverbreitungen der Krankheiten zu stoppen.
Das BAG hat laut Lévy vor allem im Bereich der HIV-Infektionen bereits Pionierarbeit geleistet und viel erreicht. Aber noch immer registriert man jährlich mehrere Hundert neue Infektionen. Parham Sendi, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten, bezifferte diese auf 350 bis 390. HIV sei zwar kein Todesurteil mehr, ziehe aber eine lebenslange Behandlung mit hohen Kosten nach sich, so die BAG-Direktorin.
Die Infektionszahlen mit Hepatitis B und C wurden als stabil oder tendenziell rückläufig bezeichnet. Ebenso die Syphilis-Erkrankungen; 2025 sind dem BAG 1165 Syphilis-Fälle gemeldet worden. Die Zahl der gemeldeten Fälle von Chlamydien und Gonorrhö (auch Tripper genannt) sei seit der Covid-Pandemie indes angestiegen: 2025 seien 12'707 Chlamydien- und 6894 Gonorrhoe-Meldungen eingegangen, was aber auch die Folge vermehrter Tests sein könnte, führte Sendi aus.
Zielgruppen auf ihren Medien ansprechen
Die Kampagne entwickelt hat das BAG in Zusammenarbeit mit der Aids-Hilfe Schweiz und dem Jugendnetzwerk «Sexuelle Gesundheit Schweiz». Für die Umsetzung wurde die Agentur Zeam von Yaël Meier beauftragt. Ziel sei es, die jungen Menschen im Spannungsfeld von Übersexualisierung und Verunsicherung in den sozialen Medien, die sie ausführlich nutzten, abzuholen, sagte sie.
Anti-Aids-Kampagnen der vergangenen Jahre
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Bild 1 von 11. 2017 setzte die Kampagne des Bundesamtes für Gesundheit auf Intimität. Bildquelle: BAG.
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Bild 2 von 11. 2014: Die Love-Life-Kampagne zeigt Paare in eindeutiger Pose. Christliche Kreise gehen dagegen bis vor das Bundesgericht. Bildquelle: Love Life.
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Bild 3 von 11. 2011: Mit der Kampagne soll nicht nur auf die Gefahr von HIV, sondern auch auf andere sexuell übertragbare Krankheiten aufmerksam gemacht werden. Bildquelle: Love Life.
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Bild 4 von 11. 2009: Love Life setzt auf die Kraft der Worte. Bildquelle: Love Life.
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Bild 5 von 11. 2006: Nackt ja – ohne Kondom nein. Bildquelle: Love Life.
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Bild 6 von 11. 2005: Damals hiess die Kampagne noch Stop Aids und Piktogramme statt Menschen haben Geschlechtsverkehr. Kritik gibt es trotzdem. Bildquelle: Love Life.
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Bild 7 von 11. Zweideutiges Gemüse aus dem Jahr 2002. Bildquelle: BAG.
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Bild 8 von 11. 1995: Liebe und Sex sollen etwas Positives bleiben – aber niemand soll positiv werden. Bildquelle: Love Life.
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Bild 9 von 11. 1992: Ob in der Stadt oder auf dem Land: Die Regeln sind dieselben. Bildquelle: Love Life.
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Bild 10 von 11. 1990: Gegen soziale Ausgrenzung von HIV-Positiven. Bildquelle: Love Life.
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Bild 11 von 11. 1987: Die erste Kampagne – schon damals wurde auf die Notwendigkeit von Präservativen aufmerksam gemacht. Bildquelle: Love Life.
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Als spezielles Element wurde ein physisches «Storyhole» entwickelt. Es handelt sich um eine Box, in die Fragen, Geschichten und Erfahrungen rund um Safer Sex und Sexualität eingegeben werden können. Sie befindet sich gegenwärtig auf dem Bundesplatz in Bern und wird in der kommenden Woche bei der Herbstmesse in Basel aufgestellt werden, wie Meier ausführte.
Landesweite Kampagnen gegen Aids gibt es seit 1987. Anders als in früheren Jahren setzt die aktuelle Aktion weniger auf plakative Aussagen. Einige der ehemaligen Kampagnen hatten für kontroverse Reaktionen gesorgt, weil sie als zu vulgär oder provokativ angesehen wurden. Zu den bekanntesten zählen die Kampagne von 1996 mit dem Slogan «Ohne Dings kein Bums» oder Polo Hofers Song mit dem Refrain «Im Minimum en Gummi drum».
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