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Friday, October 30, 2026

Joachim Gauck: Rot-Grün-Rot soll es einfach mal versuchen

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Bundespräsident a.D. Joachim Gauck zu Gast bei Maybrit Illner. Es diskutieren auch der Historiker Philipp Blom und die Journalisten Melanie Amann und Paul Ronzheimer.

29.10.2026 | 63:07 min

Nein, sagt Joachim Gauck, das sei nicht die Regierung, die er sich wünscht. Doch die Berliner haben die Linke zur stärksten Kraft gemacht und ein rot-grün-rotes Bündnis mit einer Mehrheit ausgestattet. Das Wählervotum gebe, wie der frühere Bundespräsident in der ZDF-Sendung "maybrit illner" sagt, nun einmal die Richtung vor.

Die müssen einfach mal versuchen zu regieren.

Joachim Gauck, Altbundespräsident

Gauck ordnet die wegen radikaler, antisemitischer Stimmen und Clan-Kontakten umstrittene Berliner Linke als "sehr heikel" ein. Es werde kaum gelingen, die schwierigen Milieus zu zähmen. Vor einer möglichen AfD-geführten Regierung in Sachsen-Anhalt habe Gauck gleichwohl mehr Sorgen.

Der Journalist Paul Ronzheimer (Axel Springer) nimmt Bezug auf die Aussage der Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp, sie habe Angst vor Hamas-Sympathisanten in ihrem Umfeld: "Wenn das nicht ein Warnschuss ist für eine Partei wie die SPD." Sein Plädoyer: "Es gäbe auch eine Mehrheit in der bürgerlichen Mitte." Doch die SPD sei in einer so großen Krise, dass Bundesvorsitzende sich aus Angst vor ihrer Basis nicht einmal mehr einmischen.

Journalistin Amann: Linke keine Gefahr für die Demokratie

"Die CDU ist so was von abgewählt worden. Die Linke ist die Wahlsiegerin", sagt die Journalistin Melanie Amann (Funke). Die Linke stelle nicht eine Gefahr für die Demokratie dar, wie es die AfD tue. Allerdings fragt Amann sich, wo die Leute, die am Ende auch vom Populismus enttäuscht sind, dann hingehen.

Elif Eralp äußert in internen Anmerkungen zu einem "Spiegel"-Interview Angst vor Terror-Sympathisanten. Das verstärkt den Druck auf die Berliner Linke und nährt Zweifel an Eralp.

29.10.2026 | 2:40 min

Als "Sollbruchstelle" bezeichnet Gauck ein mögliches Treffen von den USA, China und Russland. Eine Genossenschaft mit Putin sei eine "unamerikanische Haltung". Die USA hätten manches auf dem Kerbholz, seien vor allem aber eine beeindruckende Weltmacht, die Freiheit gefördert habe.

Gauck: Friedensgefährdende Politik von BSW und AfD

Bestrebungen, die Unterstützung der Ukraine aus wirtschaftlichen Gründen zu drosseln, lehnt Gauck ab. Gewinne Russland seinen Angriffskrieg, werde es noch teurer. "Eine erzeugte Schwäche ermutigt den Aggressor, weiterzugehen." Daher sei die angebliche Friedenspolitik von BSW oder AfD in Wahrheit eine friedensgefährdende Politik.

Die Ukraine verteidigt uns auch.

Joachim Gauck, Altbundespräsident

Es gelte, alle Kräfte zur Unterstützung der Ukraine zu bündeln, um trotz der "barbarischen Angriffe" Russlands durch den Winter zu kommen.

Diskussion zu "Gen-Z"-Demonstrationen

Was die für diesen Samstag angekündigten "Gen Z"-Demonstrationen angeht, äußert sich Gauck zwiegespalten. Er habe den Eindruck, dass junge Leute in der Politik gelegentlich übersehen werden und Schulen vernachlässigt worden seien. "Wenn ich zwischen 14 und 18 Jahre alt bin, sind meine Bedürfnisse auf Freiheit, sehr stark auf meine Person konzentriert."

Später im Leben sei die Bereitschaft größer, sich als aktiver Bürger zu definieren. "Das heißt dann auch, dass man erkennt, nicht nur fordern zu können, sondern auch etwas einbringen zu müssen." Man könne die Freiheit, seine Meinung zu äußern oder gebührenfrei zu studieren, auch positiver werten, als es im jugendlichen Zorn passiert.

Die Initiative „Gen Z regelt“ hat große Demonstrationen angemeldet. Junge Menschen sollen ihren Unmut zeigen über schlechte Lernbedingungen, die mögliche Wehrpflicht und steigende Preise.

28.10.2026 | 1:46 min

"Wir machen keine zukunftsgewandte Politik", sagt der Historiker Philipp Blom. "Wir bauen nicht die Welt, in der junge Menschen 2040 gut leben können. Wir versuchen eigentlich, Veränderung so weit wie möglich zu verhindern, statt sie zu gestalten." Das Versprechen, dass Anstrengung Erfolg bringt und es den Kindern einmal besser geht, sei nicht mehr wahr. Dass die Leute sich dann abwenden, sei verständlich.

Von Bundeskanzler Friedrich Merz wünscht sich Gauck Entschlossenheit auf dem Weg zu Reformen. "Politiker mit Mut kommen selten vor." Bei eigenwilligen Reform-Wegen seien nie alle glücklich, auch der eigene Anhang nicht. Trotzdem seien sie nötig. Der Kanzler habe Recht damit, nicht mit einer extremistischen, zum Teil nationalistischen Rechten zusammenzugehen. Zuerst müsse es Veränderungen bei der AfD geben.

Über dieses Thema berichtete "maybritt illner" am 29.10.2026 ab 22:15 Uhr.

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