Kampf gegen Bandenkriminalität – Vorbild Bukele: Lateinamerika baut Mega-Gefängnisse

Im Kampf gegen das organisierte Verbrechen hat Costa Rica ein neues Hochsicherheitsgefängnis eröffnet. 5100 Häftlinge sollen darin untergebracht werden, darunter auch Bandenchefs und weitere Hochrisikoinsassen. «Costa Rica wird weltweit zu einem Massstab für Gefängnissicherheit», sagte Präsidentin Laura Fernandez am Mittwoch.
Ausbreitung von Banden und Kartellen
Jahrzehntelang galt Costa Rica als eines der sichersten Länder Lateinamerikas: ein Hort des Friedens und der Stabilität, inmitten einer Region, die von sozialen Unruhen, Bürgerkriegen und Bandengewalt geprägt war. Dann verzeichnete Costa Rica jedoch 2023 einen Höchststand an Tötungsdelikten: 905 Fälle in einem Jahr. In den letzten Jahren sank die Zahl nur leicht. Die Behörden führen die meisten Tötungen auf Konflikte krimineller Gruppen um Drogenrouten und örtliche Märkte zurück.
Das neue Gefängnis soll bei der Kriminalitätsbekämpfung helfen. Beim Bau des Mega-Gefängnisses lässt sich Costa Rica von einem Nachbarn inspirieren: dem von Nayib Bukele regierten El Salvador, das bis 2015 die höchste Mordrate der Welt verzeichnete. Unter Bukele herrscht seit vier Jahren Ausnahmezustand im Land. Seither wurden über 90'000 Menschen inhaftiert. Zehntausende wurden ins Mega-Gefängnis Cecot gesteckt, das 2023 fertiggestellt wurde.
Im Centro de Confinamiento del Terrorismo (Cecot) landeten 2025 auch abgeschobene Venezolaner, denen die US-Regierung vorwarf, der berüchtigten Gang «Tren de Aragua» anzugehören – oft mit rechtlich zweifelhafter Begründung.
Gegenüber der BBC berichteten Freigelassene, dass sie in Metallbetten ohne Matratzen und Decken schliefen, von Hand assen und es keinen Zugang zu Anwälten oder Angehörigen gab. Sie wussten nie, wie spät es ist; es gab keine Uhren, kein Tageslicht. Sie durften nur selten ins Freie, an die frische Luft.
Der salvadorianische Präsident vereint Social-Media-Kult mit einem Populismus der harten Hand. Auf X nannte sich Bukele auch schon den «coolsten Diktator der Welt». Inzwischen bezeichnet er sich als «Philosophenkönig».
Bukele enorm populär
Bukele schaffte es, die Bandengewalt im Land deutlich einzudämmen, die Mordrate fiel auf ein historisches Tief. Gleichzeitig wird ihm zunehmend autokratisches Gebaren vorgeworfen.
SRF-Auslandredaktorin Anna Lemmenmeier nennt Bukele einen «Meister der Inszenierung», der gezielt mit den dystopischen Bildern aus dem Cecot arbeite. Die Botschaft: Die mittlerweile höchste Inhaftierungsrate der Welt ist gleichbedeutend mit Sicherheit.
«Genauso wollen sich andere Politikerinnen und Politiker in der Region ebenfalls inszenieren», sagt Lemmenmeier. Auch, weil Bukele in seiner Heimat eine extrem hohe Zustimmungsrate von 87 Prozent erreicht. Im umliegenden Ausland ist der salvadorianische Präsident ebenfalls sehr beliebt.
El Salvador ist heute eine Diktatur: Meinungs- und Pressefreiheit gibt es nicht mehr.
Nicht nur Costa Rica folgt Bukeles Beispiel – auch Länder wie Ecuador, Peru, Kolumbien und Honduras setzen auf eine rigide Sicherheitsstrategie mit riesigen Gefängnissen und Massenverhaftungen.
Law and Order in Lateinamerika
Dass eine solche Politik bei den Menschen Anklang findet, kommt nicht von ungefähr. «Lateinamerika ist die Region mit der höchsten Mordrate weltweit», sagt Lemmenmeier. «Für viele scheint es fast wie ein Wunder, was Bukele in El Salvador erreicht hat.»
Allerdings: Der Preis für mehr Sicherheit sei hoch, sagt die Kennerin der Region. «El Salvador ist heute eine Diktatur: Meinungs- und Pressefreiheit gibt es nicht mehr.» Und es seien auch Tausende Menschen eingesperrt worden, die nichts mit Bandengewalt zu tun hätten.
Der selbsternannte «coolste Diktator der Welt» befördert damit auch eine Entwicklung, die in der ganzen Region spürbar wird: «Lateinamerika ist von einem Rechtsruck betroffen: Durchgreifen bei der Sicherheit, Deregulierung auf Kosten der Menschenrechte – das alles ist kein gutes Zeichen für die Demokratie», schliesst Lemmenmeier.
SRF 4 News, 16.10.2026, 9:20 Uhr ; agenturen/srf/imhm;fulu;liea
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