NAND-Hersteller: „Rache“ an Apple genommen?

Einst sorgte Apples Procurement-Chef Tony Blevins dafür, dass Apple bei seinen Lieferanten möglichst wenig zahlte. Doch der „Blevinator“ ist inzwischen (nach einem TikTok-Skandal) in Rente und Apples Vormachtstellung als Großabnehmer wurde durch die KI-Konzerne mit ihren gigantischen Rechenzentren gebrochen. Resultat: Der iPhone-Hersteller akzeptiert nun (deutlich) höhere Preise. Einem Bericht der Wirtschaftszeitung Wall Street Journal zufolge ist sogar von „Rache“ durch die dereinst „ausgequetschten“ NAND-Hersteller die Rede, darunter Kioxia aus Japan und andere große Produzenten von Flash-Speicher.
Hohe Frustration bei Apples Lieferanten
Der Bericht spricht von einer hohen Frustration bei Apples NAND-Partnern. So soll ein Verkaufsleiter einst in der Wüste Südkaliforniens seinen alten iPod mit einem Gewehr „erschossen“ haben, da er so entnervt war von Apples hartem Verhandlungskurs. Noch vor zwei Jahren soll Apple mehr NAND gekauft haben als Microsoft, Amazon, Meta und Google zusammen. Nun erwerben die Hyperscaler doppelt so viel wie Apple – und die NAND-Preise haben sich verfünffacht.
Laut dem Wall Street Journal zeigten sich Apples Lieferanten und ihre Verkaufsteams hocherfreut angesichts der Marktveränderung – etwa auf der größten Branchenkonferenz im vergangenen Sommer. Kioxia und Co. hätten endlich einen echten Hebel gegenüber Apple, während die Hyperscaler langfristige Verträge abschließen, um die Preiserhöhungen zumindest etwas abzufedern.
Wie bei Charlie Brown
Apples Strategie und Blevins und seinen Nachfolgern soll es gewesen sein, NAND-Module zu möglichst geringen Preisen zu ordern, um die Lieferung dann, sollten die Tarife zwischenzeitlich gesunken sein, abzulehnen. Viele Hersteller seien dann auf großen Mengen unverkäuflicher Ware sitzen geblieben, inklusive jener Flash-Speicher, die speziell für Apple gefertigt worden waren. „Das fühlte sich ein wenig wie Charlie Brown an, dem der Football weggezogen wird.“
Mittlerweile ist das alles Vergangenheit: Apple zeigt sich bereit, auch höhere Preise in Kauf zu nehmen. Letztlich kommt das alles beim Kunden an: Der musste im Sommer mit ersten Preiserhöhungen rechnen und zahlt nun etwa für das iPhone Duo mindestens schlappe 2300 Euro – mit nur 256 GByte. Beim MacBook Pro mit PROLED-XDR-Display oder dem Mac Studio mit M5 Ultra hat man es nun mit Preisen zu tun, die bei höheren Ausstattungslinien eher ins Autohaus passen. Apple selbst betonte gegenüber dem Wall Street Journal, man arbeite seit Jahrzehnten mit seinen Lieferanten zusammen und schätze die langjährige Partnerschaft. Man freue sich darauf, diese fortzusetzen.
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