Schwierige Situation – WM-Bronze, aber kein Team: Nicole Koller vor ungewisser Zukunft

Der 30. August war ein Freudentag für den Schweizer Mountainbike-Sport. Im Cross-Country-Rennen der Frauen an der WM im italienischen Val di Sole setzte es gleich zwei Medaillen ab, zum ersten Mal seit 1995. Sina Frei gewann das Rennen überlegen, Nicole Koller holte Bronze.
Kollers Bronzemedaille war umso beeindruckender, weil die 29-Jährige abseits der Rennstrecken eine schwierige Zeit durchmachte. Ihr Team, Lapierre PXR, kämpfte mit finanziellen Problemen. Dadurch konnten auch Löhne nicht rechtzeitig bezahlt werden. Kurz nach Kollers WM-Titel gab das Team das definitive Aus bekannt. Bereits bei den letzten zwei Weltcup-Stationen wird Lapierre nicht mehr am Start sein.
Viel Unterstützung erfahren
Mit etwas Abstand blickt Koller nun auf die bewegte Zeit zurück. Sie durfte dabei auf viel Unterstützung zählen: «Mein Coach, meine Familie, meine Freunde haben mir in dieser Situation geholfen. Ich muss aber zugeben, dass meine Batterien nach der WM schon ziemlich leer waren.»
Trotz der ungemütlichen Situation hegt Koller keinen Groll: «Ich blicke mit Dankbarkeit auf die Zeit zurück.» Wichtig sei für die Zürcherin der Abschied mit dem Team beim Weltcup in Les Gets gewesen. «Man hat gesehen, dass in unserem Team die menschlichen Werte wichtig sind. Da ist ein Zusammenhalt, der über die Rennen hinausgeht.» Deshalb ist sich Koller auch sicher, dass der Kontakt mit den nun Ex-Teamkolleginnen auch bestehen bleiben wird.
Noch zwei Orte
An zwei Orten macht der Mountainbike-Weltcup in dieser Saison noch Halt. Zuerst geht es nach Soldier Hollow (19./20.9.), dann steht zum Abschluss Lake Placid auf dem Programm (3./4.10.). In Soldier Hollow wird Koller nicht dabei sein, doch zum Saisonabschluss reist sie auf eigene Kosten in die USA.
Für die Schweizerin ist es bitter, dass sie eine Station auslassen muss. Denn im Kampf um die Gesamtwertungen war sie gut im Rennen. Besonders im Short Track, wo sie als Vierte nur zwei Punkte Rückstand auf das Podest hat. Auch im Cross Country liegt sie als 6. auf auf Top-10-Kurs. Beides Zeugnisse einer starken Saison.
Gespräche mit neuen Teams
Mit solchen Leistungen sollte eine Fahrerin eigentlich keine Probleme haben, ein neues Team zu finden, könnte man meinen. Doch Koller sagt, dass die Situation nicht ganz so einfach sei: «Es ist allgemein eine schwierige Situation in der Velobranche.»
Dennoch bestätigt sie, dass es bereits Gespräche mit verschiedenen Teams gegeben habe. Koller bleibt deshalb auch in diesem Moment positiv: «Ich glaube, dass ich eine gute Lösung finden werde.»
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