– Wie historisch sind die aktuellen Diesel-Preise wirklich?

Die Treibstoffpreise in der Schweiz sind massiv gestiegen und haben insbesondere beim Diesel einen neuen Höchststand erreicht. SRF-Wirtschaftsredaktor Matthias Heim erklärt die Hintergründe.
Matthias Heim
Wirtschaftsredaktor
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Matthias Heim hat in Bern und Stockholm Wirtschaftsgeschichte studiert. Seit 2007 arbeitet er für Radio SRF, seit 2016 ist er Wirtschaftsredaktor. Seine Spezialgebiete sind Energie, Mobilität, Tourismus und Detailhandel.
Warum sind die Treibstoffpreise derzeit so hoch?
Die Gründe sind vielschichtig. Am Anfang steht der Konflikt zwischen Iran und USA. Dieser führt dazu, dass die Strasse von Hormus blockiert ist und sehr viel weniger Erdöl auf den Markt gelangt. Hinzu kommt, dass verschiedene Raffinerien weltweit nicht so produzieren können wie normalerweise. Zum Teil aufgrund von Kriegsschäden – beispielsweise in der Golfregion oder Russland. Und nicht zuletzt verteuert das anhaltende Niedrigwasser des Rheins den Schiffstransport von Benzin und Diesel in die Schweiz.
Werden die hohen Preise an der Zapfsäule zum Dauerzustand?
Das hängt stark von der Entwicklung im Iran ab: Hier könnte es bei einer Einigung mit den USA schnell zu einer Entspannung beim Rohölpreis kommen. Allerdings kann man Rohöl nicht direkt tanken. Und da die Reparaturen an den Raffinerien teils Monate oder Jahre dauern können, bleibt der Engpass bei der Verarbeitung bestehen. Diesel und Benzin dürften daher tendenziell noch länger teuer bleiben.
Wie historisch ist die aktuelle Lage beim Diesel im Vergleich zu früheren Krisen?
Es gab zwei vergleichbare Phasen: Während der Finanzkrise 2008 kostete der Liter inflationsbereinigt etwa 2.43 Franken, im ersten Jahr des Ukraine-Kriegs 2022 rund 2.46 Franken – also ähnlich viel wie heute. Man darf aber nicht vergessen, dass moderne Dieselautos heute dank des technologischen Fortschritts rund ein Drittel weniger Treibstoff verbrauchen als noch vor 20 Jahren. Eine Tankfüllung belastete das Haushaltsbudget im Jahr 2008 also real noch deutlich stärker als heute.
Verändert Elektromobilität die Situation?
Ja, das ist der entscheidende Unterschied zu früheren Ölkrisen. Zwar schwankt auch der Strompreis – aber die Situation ist doch eine andere. Das Elektroauto kann man selbst tanken, beispielsweise mit dem Strom der eigenen Solaranlage. Aber auch an öffentlichen Ladestationen lädt man vergleichsweise günstig. Das hat auch mit der Effizienz des Elektroautos zu tun. Zudem produziert die Schweiz fast ihren gesamten Strom selbst, während wir bei Benzin und Diesel zu 100 Prozent vom Ausland abhängig sind. Beim Erdöl werden wir darum die Schwankungen der Weltmärkte, Kriege und politische Krisen auch in Zukunft immer viel direkter und stärker spüren.
Radio SRF 1, «Morgengast», 23.9.2026, 7:15 Uhr; noes ; srf/durj
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