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Wednesday, October 28, 2026

Wie Sie Ihrem Kind helfen, die Roboter zu schlagen

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Junge Menschen sollen neben KI-Kenntnissen vor allem soziale, kommunikative und führungsstarke Fähigkeiten entwickeln, um im automatisierten Arbeitsmarkt erfolgreich zu bleiben.

Junge Menschen sollen neben KI-Kenntnissen vor allem soziale, kommunikative und führungsstarke Fähigkeiten entwickeln, um im automatisierten Arbeitsmarkt erfolgreich zu bleiben.Getty Images

Welche Fähigkeiten braucht Ihr Kind am Vorabend einer industriellen Revolution? Diese Frage versuchte Robert Campbell unwissentlich für Eltern im London des 18. Jahrhunderts zu beantworten. Sein 1747 veröffentlichtes Handbuch enthielt nützliche Ratschläge zur Wahl einer Lehre sowie die deutlich schwerer umzusetzende Aufforderung, «das Genie, Temperament und Wesen ihrer Kinder zu fördern». Zeichnen konnte aus einem einfachen Tischler einen Meisterhandwerker machen; ein angehender Tuchhändler – der Einkäufer von Luxusmode seiner Zeit – sollte «keinesfalls ein unbeholfener, plumper Kerl» sein. Es gab sogar Hinweise dazu, wie man den «vielen Versuchungen, denen die Jugend in dieser grossen Stadt ausgesetzt ist», entgehen könne: Handwerkerinnen konnten gut verdienen, solange sie nicht dem Gin verfielen.

Eltern heute müssen sich nicht mehr mit dem Ginrausch der 1740er-Jahre herumschlagen. Doch eine grössere Bedrohung für die Zukunft ihrer Kinder ist, so die Sorge vieler, die künstliche Intelligenz, die die Arbeitswelt sehr viel schneller revolutionieren könnte als einst die Dampfmaschine.

Niemand weiss genau, wie das geschehen wird, und viele Untergangsprognosen waren bestenfalls verfrüht. Man denke an die Vorhersage von Geoffrey Hinton, einem britischen KI-Pionier, im Jahr 2016, die Technologie werde Radiologiefachkräfte innerhalb von fünf Jahren ersetzen. Stattdessen hat sie die Nachfrage nach ihnen erhöht. Auch andere Wetten gingen nicht auf. «Es ist noch gar nicht so lange her, da hiess es: ‹Wir müssen alle im Prompt Engineering ausbilden›», sagt Euan Blair, Leiter des Weiterbildungsunternehmens Multiverse. «Heute wirkt das ziemlich sinnlos.»

Herkömmliche Karrierewege geraten bereits ins Wanken. «Werde einfach Buchhalter» klingt nach einem schlechteren Rat, wenn ein grosser Teil dieser Arbeit automatisiert wird und 29 Prozent weniger Menschen für Einstiegspositionen eingestellt werden als im Vorjahr. In Grossbritanniens dienstleistungsdominierter Wirtschaft wirken viele andere Juniorstellen ebenfalls gefährdet. Was soll ein junger Mensch – oder ein Helikopter-Elternteil – also tun? Ein Campbell unserer Zeit könnte ein paar Hinweise geben.

Technische Kompetenzen bleiben gefragt

Der erste lautet: Menschen mit den richtigen technischen Fähigkeiten werden weiterhin stark gefragt sein. Grossbritannien hat zu wenige KI-Fachleute, daher lohnt es sich, einer von ihnen zu sein – besonders im ohnehin lukrativen Finanzdienstleistungssektor. Produktionsjobs, die KI-Kenntnisse erfordern, bringen in Grossbritannien zwar einen geringeren Lohnaufschlag als anderswo. Aber laut der Beratungsgesellschaft PwC sind es immer noch beachtliche 25 Prozent.

Zweitens werden die meisten Beschäftigten zwar nicht an der Entwicklung von KI mitwirken, aber davon profitieren, sie zu verstehen. Die heutige Regierung greift viel stärker ein als zu Campbells Zeiten und will zehn Millionen Beschäftigte im Umgang mit der Technologie schulen. Die Qualität ist uneinheitlich; manche Kurse bestehen kaum aus mehr als Sammlungen veralteter Foliensätze. Dennoch ist es ein Anfang. Eine Umfrage des Amts für nationale Statistik vom Juni ergab, dass nur 41 Prozent der Erwachsenen angaben, KI in den vergangenen zwölf Monaten für Arbeit oder Studium genutzt zu haben. Bei den 16- bis 29-Jährigen waren es 63 Prozent.

Autodidakten werden besonders gefragt sein, weil Arbeitgeber so wenig in die Weiterbildung ihrer Beschäftigten investieren wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. Nur wenige engagierte Unternehmen bieten sinnvolle KI-Kurse an. Eines davon ist Evri, ein Logistikunternehmen, an dessen Bürowänden Zitate von Steve Jobs, dem Mitgründer von Apple, hängen. In seinem Industriezentrum am Rand von Barnsley im Norden Englands beugen sich Angestellte aus dem Bürobereich über ihre Laptops. Es ist ein «Hackathon», geleitet von einem Multiverse-Trainer mit einer Vorliebe für Theorien des Veränderungsmanagements. Vor und nach einem Mittagessen aus Wurstbrötchen und Scotch Eggs bereinigen die Teams Datensätze und nutzen KI in einer Übung zur Optimierung von Paketzustellungen. Zum Abschluss halten sie KI-generierte Präsentationen. Clevere junge Leute können so etwas auch selbstständig lernen.

Schwieriger wird es für sie sein, soziale Kompetenzen allein zu entwickeln – und Kommunikation, Urteilsvermögen sowie die Fähigkeit, Teams aufzubauen, könnten im KI-Zeitalter sogar die wichtigsten Eigenschaften sein, die es zu fördern gilt. Daten von Linkedin zeigen, dass die gefragteste Fähigkeit von Vertriebsmitarbeitenden auf der Plattform der Aufbau von Kundenbeziehungen ist. KI-Kompetenz folgt dagegen erst auf Platz fünf. Zudem weist Sue Duke, Linkedins Leiterin für globale Politik, darauf hin, dass Beschäftigte siebenmal so wahrscheinlich einen Job bekommen, wenn sie bereits eine Verbindung zu jemandem im Unternehmen haben. Sich gut verkaufen und Kontakte pflegen, mit anderen Worten, zählt fast ebenso viel wie zu Campbells Zeiten.

Für die jungen Menschen in Grossbritannien sind das schlechte Nachrichten. Eine kürzlich veröffentlichte Analyse ergab, dass britische 15- bis 16-Jährige bei sozialen und emotionalen Fähigkeiten wie Kooperation und Widerstandskraft schlechter abschneiden als Gleichaltrige im Ausland.

Die harte Realität lautet, dass junge Menschen diese Eigenschaften heute sehr viel früher in ihrer Laufbahn zeigen müssen als frühere Generationen. Da Einstiegspositionen verschwinden, brauchen Nachwuchskräfte die Führungs- und Entscheidungskompetenz deutlich älterer Manager. Ausserdem müssen sie anpassungsfähiger sein, um vorauszubleiben. «Wir treten in ein (beispielloses) Zeitalter der Fähigkeiten und des Lernens ein», sagt Hugh Milward vom Technologiekonzern Microsoft.

Reifer als ihr Alter

Theoretisch sollte Grossbritannien für diese Revolution gut aufgestellt sein. Das englische Bildungssystem vermittelt Schülerinnen und Schülern eine solide Grundlage in Rechnen und Lesen – auch wenn Nordirland, Schottland und Wales schlechter abschneiden. Britische Universitäten betonen ihr Augenmerk auf kritisches Denken, was bei der Bewertung von Ergebnissen probabilistischer grosser Sprachmodelle hilfreich ist. Wenn man auch berufliche Ausbildungsgänge mit dieser Denkweise durchdringt, eröffnet das jungen Menschen viel mehr Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt.

Die möglichen Gewinne sind gross. KI dürfte neben vielen Chancen auch Befreiung von unerquicklichen routinierten Arbeiten bringen. «Niemand möchte heute noch seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von E-Mails verdienen», sagt Adam, ein 19-Jähriger am Barnsley College, der sein eigenes Start-up gegründet hat. Bald werden sie das auch nicht mehr müssen.

The Economist

Von Economist.com, übersetzt von 20 Minuten, veröffentlicht unter Lizenz. Der Originalartikel in englischer Sprache ist auf www.economist.com verfügbar.

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