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Saturday, November 7, 2026

«Hacker können über den Kühlschrank dein Konto plündern»

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  • Eine Reihe von Hackerangriffen auf Kühlanlagen sorgt in Europa für Verunsicherung.
  • Auch eine Schweizer Metzgerei wurde Ziel der Angriffe.
  • Cyber-Security-Experte Nicolas Mayencourt warnt: Vernetzte Geräte stünden heute schon in vielen Haushalten und würden zum Sicherheitsrisiko.

Hacker haben die Kühlanlagen einer Metzgerei in Köniz BE manipuliert, die Filiale musste vorübergehend schliessen. Es ist kein Einzelfall: Supermärkte in mehreren europäischen Ländern melden ähnliche Probleme. Wer dahintersteckt, ist offen.

Vernetzte Geräte stehen aber längst nicht nur in Betrieben, sondern in fast jedem Haushalt, von der Wärmepumpe bis zum Staubsaugerroboter. Wie verletzlich sind sie? Kann auch mein Kühlschrank gehackt werden, und wem bringt das etwas? Darüber spricht Nicolas Mayencourt, Gründer der Berner Sicherheitsfirma Dreamlab Technologies, im Interview.

Nicolas Mayencourt, welche smarten Geräte haben Sie zu Hause?

Gar keine. Und ich halte es auch für verfehlt, Geräte, die mir eine Sicherheitslücke ins Haus holen, als «smart» zu bezeichnen.

Welche Geräte hängen in Schweizer Haushalten heute schon am Internet?

Das unterscheidet sich je nach Haushalt, doch die Möglichkeiten sind fast grenzenlos: die Waschmaschine, die Abwaschmaschine, die Kaffeemaschine, der Mixer, der Kühlschrank, der Tiefkühler, die Solaranlage, die Wärmepumpe, der Stromzähler, der Gaszähler, die Ladestation und das E-Auto. Dazu natürlich der Fernseher, das Tablet und sämtliche Unterhaltungselektronik bis hin zur Smartwatch. Die digitale Transformation ist schon fast vollständig umgesetzt.

Von der Waschmaschine bis zum Kühlschrank: Laut Mayencourt hängen immer mehr Haushaltsgeräte am Netz.

Von der Waschmaschine bis zum Kühlschrank: Laut Mayencourt hängen immer mehr Haushaltsgeräte am Netz.20min/Matthias Spicher

Ist das ein Problem?

Ein riesiges, vor dem ich seit 30 Jahren warne. Das Problem ist, dass wir die Features wollen, die diese Geräte mit sich bringen, die Hersteller aber nicht in die Pflicht nehmen, auch für die Sicherheit zu sorgen. Die Geräte sollen schnell und günstig hergestellt werden, und darunter leiden oft die Sicherheitsstandards. Die Waschmaschine hat einen Internetzugang, aber ich weiss als Nutzer nicht, ob und wann Sicherheitsupdates installiert werden. Auf EU-Ebene wird das derzeit immerhin angegangen, und die Schweiz zieht mit.

«Im Internet ist jeder und jede ein Ziel.»

Gleichzeitig fragen sich viele: Wer hat schon ein Interesse daran, meinen Kühlschrank zu hacken?

Das ist ein häufiger Denkfehler. Im Internet ist jeder und jede ein Ziel. Kriminelle interessieren sich nicht für Sie persönlich. Aber wenn sie ein Werkzeug gefunden haben, um eine Schwachstelle auszunutzen, probieren sie es im ganzen Internet durch. Wenn Sie das entsprechende Gerät gekauft haben, geht es plötzlich doch um Sie.

Inwiefern?

Wer einmal in Ihrem Netz ist, kann von dort aus weitere Geräte angreifen, auch den Laptop oder das Handy, mit dem Sie online einkaufen und Rechnungen bezahlen. Ihr Konto kann also über Ihren Staubsaugerroboter geplündert werden, und Sie haben keine Ahnung, dass dieser am Ursprung des Problems stand. Ihr Gerät kann aber auch für einen koordinierten Angriff auf eine Firma missbraucht werden. Die Server werden überlastet, plötzlich geht gar nichts mehr. Dann wird Lösegeld gefordert, und Sie waren daran beteiligt, ohne es zu wissen.

Ist mein Kühlschrank wirklich mein grösstes Sicherheitsrisiko im digitalen Raum?

Derzeit ist es tatsächlich noch so, dass Kriminelle hauptsächlich mit Phishing und anderen «herkömmlichen» Methoden erfolgreich sind. Doch die Schwachstellen des Internet of Things geraten zunehmend in den Fokus, auch von feindlich gesinnten staatlichen oder staatsnahen Akteuren. Ich wäre deshalb nicht überrascht, wenn Angriffe über vernetzte Haushaltsgeräte in den nächsten Jahren deutlich zunehmen würden.

Wieso denkt bei der Inbetriebnahme des Staubsaugerroboters trotzdem kaum jemand an die Sicherheit seines Bankkontos oder seiner Privatsphäre?

Weil wir lieber an die «coolen» Funktionen der Gadgets denken und daran, dass uns der Roboter Arbeit abnimmt. Und dann kommen Cyber-Security-Experten wie ich und warnen vor Spionage, Erpressung und Big Data. Wir sind Spielverderber, und das hört niemand gerne. Dazu kommt der erwähnte Denkfehler, man sei ja kein lohnendes Ziel. Sicherheit ist für viele so lange kein Thema, bis etwas passiert.

Wie gehst du mit vernetzten Geräten zu Hause um?

Was kann ich tun, um mich zu schützen?

Das Einfachste ist, sich vor dem Kauf zu fragen, ob ein Gerät überhaupt «smart» sein muss. Manchmal gibt es dafür gute Gründe, oft aber dient es vor allem den Herstellern, um Daten zu sammeln. Wer ein solches Gerät hat, sollte es gar nicht erst mit dem Internet verbinden. Das wird allerdings immer schwieriger, weil einige Geräte dann gar nicht mehr laufen. Also sollten sie nur dann online sein, wenn sie das unbedingt brauchen, etwa bei der erstmaligen Inbetriebnahme. Und es empfiehlt sich, sämtliche «smarten» Geräte in einem eigenen, abgetrennten WLAN mit eigenem Passwort laufen zu lassen.

Kann man das einem Laien technisch zumuten?

Ein Digital Native sollte das hinkriegen. Für Menschen, die vor dem Internetzeitalter aufgewachsen sind, wird ein wenig Hilfe nötig sein. Um es zu verstehen, hilft ein Vergleich: Wie eine Wohnung unterschiedliche Räume mit unterschiedlichen Türen hat, kann man auch ein WLAN einrichten. In ein Zimmer sperren Sie alle «smarten» Haushaltsgeräte und schliessen die Tür ab. Klaut jemand den Schlüssel für diese Tür, beim WLAN also das Passwort, kommt er trotzdem nicht in die restlichen Räume.

Daniel Graf

Daniel Graf (dgr) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Leiter des Ressorts News und seit September 2023 Mitglied der Redaktionsleitung.

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