Nach Tod israelischer Soldaten – Abgeriegelt: Für die Palästinenser steht das Leben still

Zwei palästinensische Angreifer haben am Freitag an einem Checkpoint bei Hebron zwei israelische Soldaten getötet und drei weitere verwundet. Die Angreifer wurden erschossen. Premier Benjamin Netanjahu ordnete die Abriegelung des Westjordanlands an und kündigte eine grosse Militäroperation an, wenige Tage vor der Wahl in Israel. SRF-Nahost-Korrespondentin Christina Brun ordnet ein.
Christina Brun
stv. Auslandskorrespondentin für den Nahen Osten
Christina Brun ist die stellvertretende Auslandskorrespondentin für den Nahen Osten und Redaktorin bei «SRFglobal». Ihre Schwerpunkte sind Geopolitik, internationale Politik und die Entwicklungen im Nahen Osten. Sie spricht Arabisch.
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Für die Palästinenserinnen und Palästinenser kommt das Leben faktisch zum Erliegen. Fast jedes Dorf wird abgetrennt, vor vielen Orten werden die Tore geschlossen und Strassensperren errichtet. Wer zur Arbeit, ins Spital oder zur Schule muss, kommt weder rein noch raus. Die Palästinensische Autonomiebehörde ist machtlos dagegen. Die israelischen Siedlungen hingegen bleiben erreichbar, sie sind von der Schliessung nicht betroffen.
Wie lange dauert die Abriegelung?
Ein Enddatum gibt es nicht. Wahrscheinlich gilt sie bis nach der Wahl – für Montag und Dienstag war ohnehin eine Schliessung geplant. Abriegelungen sind nicht neu: Bereits Ende September waren die Grenzübergänge für die Palästinenser gesperrt – und das rund eine Woche lang. An jüdischen Feiertagen und bei Wahlen werden die Tore regelmässig geschlossen, ebenso etwa zu Beginn des Kriegs mit dem Iran.
Warum werden in Hebron Häuser zerstört?
Kurz nach dem Angriff liess der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich Gebäude nahe dem Anschlagsort abreissen. Er bezeichnete sie als illegal und sprach offen von Abschreckung. Laut Anwohnern hatten die Häuser nichts mit den Angreifern zu tun. In der Nacht folgten Razzien an verschiedenen Orten im Westjordanland und Dutzende Festnahmen. Im Viertel der Angreifer mussten zudem Hunderte Familien ihre Häuser verlassen. Die Armee spricht von einem Einsatz über mehrere Tage.
Was plant Netanjahu im Westjordanland?
Netanjahu kündigte eine Militäroperation an, wie es sie seit dem Sechstagekrieg 1967 nicht gegeben habe. Den Zeitpunkt liess er offen. Bestraft werden sollen nicht mehr nur die Familien der Täter: Netanjahu will das ganze Viertel der Angreifer in Hebron zerstören. Vorbild sind die Flüchtlingslager im Norden, wo Israel seit 2025 ganze Quartiere dem Erdboden gleichgemacht und Zehntausende vertrieben hat. Hebron ist mit rund 250'000 Einwohnern die grösste Stadt im Westjordanland.
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