– Als Amy Winehouse in Zürich zerbrach

Es war ein Abend, bei dem jeder Hausärztin die Haare zu Berge gestanden wären. Geplant war ein Popkonzert. Stattdessen wurde es ein Drama, das sich am 25. Oktober 2007 im Zürcher Volkshaus abspielte.
Exakt ein Jahr, nachdem Amy Winehouse mit «Back to Black» zum Superstar geworden war, betrat die Britin völlig derangiert die Bühne. Schon vor dem Auftritt standen mehrere Fragen im Raum: Würde sie überhaupt erscheinen? Und wenn ja, in welchem Zustand?
Desorientiert, deplatziert und alleine gelassen
Amy Winehouse wirkte desolat. Sie verschüttete ihre Drinks, stolperte über das Parkett, zupfte nervös an ihrem Kleid, weinte, lallte einige Songzeilen und verschwand bereits nach zehn Minuten erstmals hinter der Bühne.
Die Sängerin schien desorientiert, deplatziert und allein gelassen, obwohl sie von einer achtköpfigen Band begleitet wurde. Später wurde bekannt, dass Amy emotional aufgewühlt war, weil sie glaubte, schwanger zu sein, der Test aber kurz vor dem Konzert negativ ausfiel.
Wer schützt einen Star vor sich selbst?
Nach dieser himmeltraurigen Vorstellung war selbst dem letzten Besucher klar: Es ging längst nicht mehr darum, wie schlecht die Show war, sondern darum, wer einen Star davor schützt, sich öffentlich zu demontieren. Nach rund 20 Minuten wurde Amy Winehouse von ihrem Ehemann von der Bühne geführt. Die Band spielte ohne ihre Sängerin weiter.
Das zweite (und letzte) Album von Amy Winehouse besticht durch einen gekonnten Mix aus Girl-Group-Pop der Sechziger, Soul und HipHop-Beats. Sie singt darauf hauptsächlich über zerrüttete Beziehungen sowie ihre Probleme mit Drogen und Alkohol. Gleichzeitig markierte Back to Black den Einzug der ersten strahlend gebrochenen Superstar-Sängerin des 21. Jahrhunderts. Das Album erscheint am 23. Oktober 2026 in einer aufwendigen Neuauflage. Das 3-LP-Set enthält Demo-Versionen der Songs, Live-Aufnahmen, Kommentare von Freunden sowie bisher unveröffentlichte Fotos.
Der Soundtrack einer stürmischen Liebe
Der Mann an ihrer Seite war Blake Fielder-Civil, den sie wenige Monate zuvor in Florida geheiratet hatte. Die stürmische Beziehung der beiden lieferte die Inspiration für einen grossen Teil von «Back to Black».
Das Album, das die schwierigsten Momente dieser Liebe verarbeitet, hat seither nichts von seiner Bedeutung eingebüsst. Im Gegenteil: Heute gilt es als eines der grossen Meisterwerke der Popgeschichte. Das Magazin Rolling Stone führt es auf Platz 10 seiner Liste der besten Alben aller Zeiten.
Zeitgemässer Motown-Sound
Mit «Back to Black» liess Winehouse den stärker vom Jazz geprägten Sound ihres Debüts «Frank» hinter sich und wandte sich R&B, Soul und dem Klang der Girlgroups der 1960er-Jahre zu.
Ihre aussergewöhnliche Begabung und Glaubwürdigkeit sind in jeder Note spürbar. Einen entscheidenden Anteil daran hatten auch die Produzenten Mark Ronson und Salaam Remi, die ihrer dunklen Stimme und ihren eindringlichen Texten einen zeitgemässen Motown-Anstrich verliehen.
Das Meisterwerk und sein dunkler Schatten
Dass «Back to Black» ihr letztes Album bleiben würde, zeichnete sich an jenem Abend in Zürich bereits am Horizont ab. Zeuge dieses tragischen Schauspiels einer hochbegabten, erst 24-jährigen Künstlerin zu werden, war schwer auszuhalten.
Drei Jahre später war Amy Winehouse tot und Teil des sogenannten «Club 27» geworden, jener Gruppe von Musiklegenden, die mit 27 Jahren starben. Es mag nur ein schwacher Trost sein. Doch mit «Back to Black» hat sich Amy Winehouse unsterblich gemacht.
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