Wiederverwertung – Plan C mit den Quaggamuscheln im Kanton Thurgau und Schaffhausen

Abgestorbene Quaggamuscheln sind für die Schifffahrt im Hochrhein ein Problem. Bei tiefem Wasserstand können die Schiffe zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein nicht mehr fahren. Letztes Jahr musste die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein den Betrieb dort rund einen Monat lang einstellen. Deshalb wollen die Kantone Thurgau und Schaffhausen diesen strömungsarmen Bereich des Hochrheins von Quaggamuschelresten befreien.
Muschelschalen nutzen
«Das Ausbaggern und Entsorgen der Muschelreste ist teuer», sagt Martin Eugster, Leiter des Thurgauer Amtes für Umwelt. Weil unklar war, wie die Muschelschalen entsorgt oder wiederverwertet werden könnten, verzichteten die beiden Kantone auf weitere grossflächige Ausbaggerungen.
Und trotzdem müssten sie etwas unternehmen, teilen die beiden Kantone mit. Diesen Sommer wurden die Muscheln mit einem Bagger durcheinander gewirbelt - in der Hoffnung, dass die Muschelreste dann abfliessen. Es zeigte sich, dass dies kurzfristig helfe. Die beiden Kantone wollen aber eine nachhaltige Lösung. Deshalb setzen sie jetzt bei der Bekämpfung von Quaggamuscheln im Hochrhein auf einen Plan C: die Verwertung der Muscheln zu Zement oder Dünger.
Industrieversuche sollen zeigen, ob der Prozess auch mit Muschelkalk stabil bleibt.
Die Kantone Schaffhausen und Thurgau investieren einige 10'000 Franken in den Versuch mit einem Zementwerk. Dafür werden diese Tage dem Hochrhein bei Stein am Rhein rund 100 Kubikmeter Muschelsedimente mit einem Bagger entnommen. Das Zementwerk prüft anschliessend die Qualität der Muscheln, und ob der Kalk der Muschelschalen als Ersatz für natürlichen Kalkstein genügt.
«Industrieversuche sollen zeigen, ob der Prozess auch mit Muschelkalk stabil bleibt», sagt der Schaffhauser Kantonsingenieur Dino Giuliani. Das Material an und für sich sei unproblematisch. «Die Muschelschale besteht zu 90 Prozent aus Kalkstein.»
Auch der Einsatz in der Düngemittelindustrie werde geprüft. Die Kantone erwarten die Resultate bis Ende Jahr. Einen ähnlichen Versuch gibt es auch in der Westschweiz.
Regionaljournal Zürich und Schaffhausen, 22.9.2026, 12:06 Uhr ; kobk;ante;liea
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