Brichst du bei jedem Streit sofort in Tränen aus? Daran liegts

Du streitest mit jemandem, bist wütend und willst erklären, warum. Aber noch bevor du den Satz zu Ende bringst, werden deine Augen feucht, es bildet sich ein Kloss im Hals und die Stimme kippt – obwohl du eigentlich gar nicht weinen möchtest.
Eine Forschungsübersicht zu emotionalem Weinen zeigt: Im Alltag gehören Konflikte, Kritik, Zurückweisung und kleine persönliche Misserfolge zu häufigen Auslösern für Tränen. Oft steckt ein Gefühl von Hilflosigkeit dahinter, gemischt mit Wut, Angst, Enttäuschung oder Trauer.
Welche Reaktion kennst du an dir am ehesten, wenn dich Kritik trifft?
Aber warum weinen manche Menschen schneller als andere?
Wie leicht dir die Tränen kommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine Studie mit knapp 5000 Menschen fand Zusammenhänge zwischen der individuellen Weinneigung und Faktoren wie Empathie, Bindungsmustern, Alter und Geschlecht. Besonders deutlich war der Zusammenhang mit affektiver Empathie: Wer die Gefühle anderer stärker miterlebt, berichtete auch eine höhere Neigung zu weinen. Frauen gaben insgesamt häufiger an, leicht zu weinen als Männer, zudem nahm die Weinneigung in dieser Untersuchung mit dem Alter zu.
Auch der Umgang mit Gefühlen spielt eine Rolle. Zwei Studien mit insgesamt über 1400 Personen zeigen: Menschen mit stärkerer Bindungsangst, also grösserer Sorge vor Zurückweisung in engen Beziehungen, berichteten häufiger von Tränen bei negativen Gefühlen. Wer Nähe eher vermeidet, weinte tendenziell seltener. Gleichzeitig hing die Weinneigung damit zusammen, wie positiv oder negativ jemand das eigene Weinen bewertet.
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Gibt es auch kulturelle Unterschiede?
Ja, die gibt es. Dass auch das Umfeld mitentscheidet, zeigt eine Untersuchung aus 37 Ländern. Die Häufigkeit des Weinens unterschied sich je nach Kultur und gesellschaftlichem Umgang mit emotionalem Ausdruck.
Menschen in wohlhabenderen, demokratischeren, individualistischeren und extravertierteren Gesellschaften gaben häufiger an, zu weinen. Die Forschenden führen die Unterschiede deshalb weniger auf stärkere Belastungen zurück als darauf, wie viel Raum eine Gesellschaft solchen Gefühlen gibt.

Mich nervt es, dass ich so schnell weine. Hat es auch einen positiven Effekt?
Weinen kann einen positiven Effekt haben. In einer Studie mit 197 Studentinnen blieb die Atmung der Weinenden stabiler, während ihre Herzfrequenz beim Weinen wieder Richtung Ausgangswert ging. Bei Cortisol und der Belastbarkeit unter Stress gab es dagegen keine Unterschiede.
Weinen hat zudem eine soziale Funktion. In Experimenten wurden Gesichter mit sichtbaren Tränen schneller als traurig erkannt. Gleichzeitig schätzten Testpersonen den Unterstützungsbedarf der Weinenden höher ein. Weitere Forschung zeigt, dass sichtbare Tränen auch die Bereitschaft erhöhen können, einer Person zu helfen.

Wie gehst du damit um, wenn du oder dein Gegenüber bei einem Streit anfangen zu weinen?
Meret Steiger (mst), arbeitet seit 2016 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Living und Auto & Mobilität und berichtet über Wohnen, Einrichten und Architektur.
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