Schweizer Bilanz an Rad-WM – Einige Chancen ausgelassen – trotzdem herrscht Zufriedenheit

Swiss Cycling zieht ein positives Fazit von der Strassenrad-WM in Montreal. Nicht alle konnten aber so wie brillieren wie Marlen Reusser.
Mit der erfolgreichen Titelverteidigung im Einzelzeitfahren hatte Marlen Reusser die 99. Strassenrad-Weltmeisterschaften in Montreal aus Schweizer Sicht perfekt lanciert. Zu ihrem persönlichen Abschluss der Titelkämpfe verpasste die 35-jährige Bernerin im Strassenrennen das Podest als 4. lediglich um 4 Sekunden. «Die Leistung von Marlen war überragend während der ganzen Woche. Sie fährt in all ihren 3 Rennen um den WM-Titel», adelt Patrick Müller, der Chef Leistungssport beim Verband, die herausragende Schweizer Figur bei der WM.
Nach Reussers phänomenalem Einstieg blieb der ganz grosse Medaillenregen zwar aus. Folgende zwei Podestplätze kamen aber noch dazu: je Bronze im Mixed-Teamzeitfahren (ebenfalls u.a. mit Reusser) und für Anja Grossmann im Strassenrennen der Juniorinnen.
Die Konstanz als Plus
Bei Swiss Cycling fällt die Bilanz entsprechend positiv aus. Müller ordnet ein: «Was die Weltmeisterschaften dieses Jahr für Swiss Cycling ausmacht, ist die Konstanz. Die Athletinnen und Athleten konnten über alle Kategorien hinweg ihre Leistung abrufen. Diese Konstanz können wir besser beeinflussen als einzelne Grosserfolge.»
Auch im abschliessenden Strassenrennen der Männer mischte die Schweiz lange im Kampf um die Medaillen mit. Mauro Schmid griff in der Schlussphase aus der Verfolgergruppe an und durfte kurz von Silber träumen.
Trotz der positiven Gesamtbilanz blieben einige Chancen ungenutzt. Leder gab es nicht nur für Reusser im Strassenrennen der Elite, sondern auch zweimal im Nachwuchsbereich. Mara Winter belegte im U23-Strassenrennen ebenso den undankbaren 4. Rang wie Grossmann im Zeitfahren der Juniorinnen.
Doch gerade die heranrückende Generation stimmt Müller zuversichtlich. «Unser Nachwuchs zeigt sich bereit, in den nächsten Jahren nachzurücken.» Sein Fazit: «Wir reisen sehr zufrieden von den Weltmeisterschaften nach Hause.»
2027 Super-WM in Frankreich
Im nächsten Jahr werden die WM-Medaillen im französischen Département Haute-Savoie vergeben. Dort findet vom 24. August bis 5. September zum 2. Mal nach Glasgow 2023 eine sogenannte Super-WM statt. Bei dem mehr als 2 Wochen dauernden Grossereignis werden die Weltmeisterschaften in 20 Disziplinen wie Strasse, Bahn, Mountainbike und BMX unter einem Dach vereint.
Am Rande der Titelkämpfe in Montreal wurden die Strecken für die 13 Medaillenentscheidungen auf der Strasse in den französischen Alpen vorgestellt. Während die Strassenrennen um Sallanches mit ihren zahlreichen Höhenmetern zu den härtesten WM-Rennen dieses Jahrtausends zählen dürften, präsentiert sich auch der 37,2 km lange Zeitfahr-Parcours rund um den Lac d’Annecy mit einem 1,5 km langen Anstieg bei durchschnittlich 6,5 Prozent Steigung als anspruchsvoll.
Nach der WM ist vor der EM
Die nächste Medaillenjagd steht mit den Europameisterschaften in Ljubljana bereits vor der Tür. Am kommenden Wochenende fallen in der slowenischen Hauptstadt die Entscheidungen in den Strassenrennen, am Mittwoch darauf jene in den Einzelzeitfahren.
Reusser tritt in der Prüfung im Kampf gegen die Uhr als Titelverteidigerin an. Die stärksten Schweizer Männer verzichten hingegen vornehmlich aufgrund der Topografie auf das Zeitfahren. Im Strassenrennen soll die Auswahl um Marc Hirschi sowie Fabio und Jan Christen vorne mitmischen. Gleiches gilt bei den Frauen für das Team um Reusser und Noemi Rüegg.
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