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Sunday, October 25, 2026

Aicher mit gutem Start: Mit den Füßen auf dem Boden

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Emma Aicher schafft es beim Saisonauftakt in Sölden beim Riesenslalom überraschend aufs Podest. Die Konkurrenz im Weltcup kann sich warm anziehen.

E mma Aicher hatte sich schon ihrer Startnummer entledigt und war in den warmen Anorak geschlüpft. Es war ja auch kalt da oben auf dem Gletscher über Sölden. Dass sie den Anorak gleich wieder ausziehen und sich noch einmal im Renndress präsentieren musste, wie es der Internationale Skiverband FIS für die Siegerehrungen beim alpinen Ski-Weltcup vorschreibt, damit war nicht zu rechnen. Aber dann waren vor der letzten Läuferin dieses ersten Riesenslaloms des Winters nur zwei Frauen schneller als sie gewesen.

Und oben am Start stand Mikaela Shiffrin aus den USA, die Beste. Die hatte angekündigt, sich in dieser Saison mehr auf Riesenslalom und Super-G zu konzentrieren, und das musste in den Ohren der Konkurrenz wie eine Drohung klingen. Shiffrin war zuletzt zwar nur Slalom-Seriensiegerin, aber wenn sie ein wenig mehr Fokus auf den Riesenslalom legen würde, würde sie auch in dieser Disziplin wieder ganze vorn sein. Im ersten Durchgang war sie die Schnellste gewesen. Was sollte da noch passieren?

Aber dann passierte doch was. Shiffrin kam mit diesem zweiten Lauf nicht gut zurecht, rutschte auf den siebten Platz ab. Unten im Ziel fiel Kira Weidle-Winkelmann ihrer Teamkollegin um den Hals, Aicher jubelte kurz, dann hatte sie es eilig. Paula Moltzan aus den USA, die Schnellste, und die für Albanien startende Lara Colturi feierten im Zielraum und warteten für das Siegerfoto auf die junge Deutsche. Also raus aus dem Anorak, rein in die Ärmel des Rennanzuges und die Startnummer überstreifen.

„Das habe ich überhaupt nicht erwartet. Mit dem Hang hier habe ich mich immer schwergetan“, sagte sie.

Mit allem rechnen

Bei Emma Aicher muss man eben mit allem rechnen. Der Riesenslalom war bisher ihre schwächste Disziplin, bis Samstag hatte sie nie auf dem Siegerpodest gestanden. Nur im vergangenen März in Are, dort, wo die Deutsch-Schwedin viele Jahre in die Schule gegangen ist und die Piste wie ihr Wohnzimmer ist, war sie als Vierte nahe dran gewesen. Und jetzt schafft sie ausgerechnet auf jener Piste, die als schwierigste im Weltcup gilt, ihr erstes Top-3-Ergebnis.

Für Wolfgang Maier, Sportvorstand im Deutschen Skiverband, ist diese Leistung „kein Zufall“, sie habe sich im Riesenslalom „deutlich verbessert“. Es war wohl nur eine Frage der Zeit, wann sie auch im Riesenslalom zu den Besten gehören würde.

Dass die 22-Jährige nach diesem Auftakt nun erst recht als große Konkurrentin von Shiffrin im Kampf um den Gesamtweltcup gehandelt wird, vielleicht sogar als Favoritin, gefällt Maier nicht. „Das Ergebnis war natürlich der Hammer. Das war eine gute Leistung, aber bitte immer die Füße auf den Boden lassen.“

Zumal er findet, man müsse das Ergebnis einordnen. In der Österreicherin Julia Scheib war die beste Riesenslalomläuferinnen des vergangenen Winters im ersten Durchgang ausgeschieden, mit überragender Zwischenbestzeit. Und Aicher hatte dazu am grauen, wolkenverhangenen Samstag bei ihrem zweiten Lauf eine der wenigen Momente erwischt, in denen es etwas aufgehellt hatte. „Ich hatte ein bisschen Glück mit dem Licht“, gab sie selbst zu.

Aicher selbst mag nicht so gerne über den Gesamtweltcup sprechen. Da wird sie noch einsilbiger, als sie ohne schon ist. „Ich will mich auf meins konzentrieren und was ich besser machen kann“, sagte sie dazu stets. Aber klar, wer alle vier Disziplinen fahre, gibt sie zu, für den sei die große Kristallkugel natürlich ein Ziel. Erst recht für eine Athletin, die überall aufs Siegerpodest fahren kann.

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