Feinmotorik, Koordination – Pingpong gegen Parkinson: Wie der Sport Betroffenen hilft

Ball um Ball schmettert Thomas Schlup auf die gegnerische Tischhälfte. Er hat den Smash lange geübt – und das Training zahlt sich aus. Schlup ist in seinen Bewegungen ziemlich eingeschränkt und seine Spielweise ist statisch. «Eigentlich müsste ich fast im Rollstuhl sitzen, aber durch das Pingpongspielen kommt eine gewisse Mobilität zurück.»
Vor 18 Jahren hat Thomas Schlup die Diagnose Parkinson bekommen. Er weiss, dass die Nervenkrankheit unheilbar ist. Aber: Mit regelmässiger Physiotherapie und genug Bewegung im Alltag kann der Verlauf etwas verlangsamt werden.
Dazu kommt der Austausch mit anderen Betroffenen. Im bernischen Kirchberg, wo Thomas Schlup trainiert, treffen sich regelmässig etwa zehn Parkinson-Betroffene zum gemeinsamen Spiel. Das Training wird vom Verein Pingpong Parkinson Schweiz organisiert. Diesen hat Eugen Merz 2024 gegründet – als Ableger des weltweiten Verbands.
15'000 Betroffene – Tendenz steigend
Die Volkskrankheit Parkinson hat viele Gesichter – Hauptsymptome sind Zittern, verlangsamte Bewegungen oder Muskelsteifheit. Über 15'000 Menschen in der Schweiz haben Parkinson. Wegen der Alterung der Gesellschaft rechnet man mit einem Anstieg der Betroffenen über die nächsten Jahre.
Ich übe mit ihnen, grosse Bewegungen zu machen, das Gleichgewicht zu halten oder eine Rotation bei den Schlägen zu machen.
Eugen Merz, der das Training in Kirchberg leitet, pflegt einen engen Austausch mit Physiotherapeutinnen und -therapeuten, die ihn beraten. Das soll den Spielern in dieser Halle aber nicht auffallen. «Die Leute sollen nicht merken, dass ich physiotherapeutische Elemente einbaue – sie sollen Pingpong spielen. Ich übe aber zum Beispiel mit ihnen, grosse Bewegungen zu machen, das Gleichgewicht zu halten oder eine Rotation bei den Schlägen zu machen.»
In verschiedenen Übungen vor dem freien Spiel üben die Teilnehmenden deshalb genau diese Aspekte – je nach Bedarf mit mehr oder weniger Unterstützung des Trainers Eugen Merz. Ausserdem achtet er besonders darauf, dass keine Gegenstände herumliegen – denn Parkinson-Betroffene stürzen häufiger.
Förderung körperlicher und mentaler Kompetenzen
Dass Pingpong Parkinson-Betroffenen körperlich und mental helfen kann, zeigt auch die Forschung.
Pingpong fördert die Koordination, Feinmotorik, Balance und auch kognitive Fähigkeiten wie die Aufmerksamkeit und Kognition.
Mehrere Studien haben erwiesen, dass sich motorische und psychische Symptome durch Pingpong verbessern können, sagt Kerstin Schweyer, Oberärztin Neurologie in der Zürcher Hirslanden-Klinik. Denn die Sportart vereint vieles: «Pingpong fördert die Koordination, Feinmotorik, Balance und auch kognitive Fähigkeiten wie die Aufmerksamkeit und Kognition. Das sind alle Dinge, die bei Parkinson-Betroffenen eingeschränkt sein können.»
Wichtig ist auch die soziale Komponente, denn viele Betroffene leiden unter Depressionen und Angststörungen. Auch für Thomas Schlup sei dieser Faktor entscheidend, sagt er. «Es gibt mir vor allem Abwechslung und soziale Kompetenzen. Das ist wie eine Therapie für mich.»
Diese Komponente ist spürbar in Kirchberg. Die Teilnehmenden sind gut aufeinander abgestimmt und wissen, wer womit Mühe hat. Man passt sich beim Spiel an das Gegenüber an. Denn bei allen äussert sich die Diagnose Parkinson etwas anders. Oder wie Thomas Schlup es sagt: «Es gibt nicht die Parkinson-Krankheit, sondern nur meine Parkinson-Krankheit.»
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