Kommt der Papst nach Genf?

Bundesrat Albert Rösti organisiert einen internationalen Gipfel über künstliche Intelligenz. Das Aussendepartement bemüht sich um Papst Leo als Stargast.
Publiziert: vor 27 Minuten
Raphael RauchBundeshausredaktor
Künstliche Intelligenz ist das Schlüsselthema der Gegenwart. Um KI ging es auch im ersten Lehrschreiben von Leo XIV. (71) aus dem Mai 2026. Es hiess «Magnifica humanitas» («Grossartige Menschheit»). Der Untertitel bringt die Mission des Papstes auf den Punkt: «Über den Schutz des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz». Darin warnt er vor ethischen Gefahren der neuen Technologie.
Leo, der aus den USA stammt, kritisiert auch die Macht der dortigen Branchengiganten: «Die Technologien dürfen sich nicht in den Händen der wenigen konzentrieren, da so die Kluft zwischen Teilhabenden und Ausgeschlossenen vergrössert wird.» Zudem warnt der Pontifex vor der scheinbaren Objektivität der KI: «Sie nimmt die Züge derer an, die sie konzipieren, finanzieren und nutzen.» Leo nimmt die Unternehmen in die Pflicht: «Das Streben nach höheren Gewinnen kann keine Entscheidungen rechtfertigen, die systematisch Arbeitsplätze opfern, weil der Mensch Ziel und nicht Mittel ist.»
Mit der Enzyklika hat sich der Papst zur moralischen Instanz in der KI-Debatte gemacht. Genau deshalb will die Eidgenossenschaft ihn in die Schweiz holen. Am 21. und 22. Juni 2027 wird Genf zum geistigen Zentrum der globalen Tech-Politik. Bundesrat Albert Rösti (59, SVP) lädt zum «Geneva AI Summit 2027» ein. Erwartet werden Digitalminister aus aller Welt sowie Staats- und Regierungschefs, die Gastgeber bisheriger Gipfel zum Thema künstliche Intelligenz waren: Grossbritannien, Südkorea, Frankreich und Indien. Und vielleicht auch Papst Leo.
Ehemalige Cern-Chefin hat Zugang zum Papst
Nach Informationen von SonntagsBlick läuft die Schweizer Diplomatie im Hintergrund auf Hochtouren. Bevor die offizielle Einladung rausgeht, sondiert Bern das Terrain. Erste Gespräche führten Diplomaten bereits mit dem Nuntius in Bern, Erzbischof Martin Krebs (69), sowie dem ständigen Beobachter des Vatikans bei der Uno in Genf, Erzbischof Ettore Balestrero (59). Und Manuela Leimgruber (55), Schweizer Botschafterin beim Heiligen Stuhl, deponierte den Wunsch nach einem Papst-Besuch beim vatikanischen Staatssekretariat. Das federführende Bundesamt für Kommunikation (Bakom) teilt lediglich mit: «Zu einzelnen Kontakten oder laufenden Sondierungen äussern wir uns nicht.»
Ein Trumpf der Schweiz ist Fabiola Gianotti (65). Die italienische Physikerin und ehemalige CERN-Direktorin amtet als offizielle Delegierte des Bundes für den KI-Gipfel – sie ist zugleich Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften.
Zunächst reist Leo nach Lateinamerika
Ob Leo XIV. zusagt, bleibt offen. Schliesslich trägt der Bischof von Rom die Verantwortung für Urbi et Orbi – die Stadt und den Erdkreis. Mehr als 130 Kriege und Konflikte weltweit bereiten ihm Kopfzerbrechen. Im November steht erst einmal eine Reise nach Argentinien an, in die Heimat seines Vorgängers Franziskus. Hinzu kommen Uruguay und Leos zweite Heimat Peru. Dort war der Amerikaner Bischof, bevor ihn Papst Franziskus nach Rom holte. Zuletzt war 2018 ein Papst in der Schweiz: Franziskus besuchte die Calvin-Stadt und das ökumenische Genf. Abends feierte er mit Zehntausenden Gläubigen eine Messe im Palexpo – Doris Leuthard (63) sass in der ersten Reihe, gekleidet in päpstliches Weiss.
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