UNO-Generalversammlung – Guy Parmelin: «Die Schweiz kann einen Impuls geben»

«Die Schweiz ist ein Land der Berge, der Täler und verschiedener Sprachen», so beginnt Guy Parmelin seine Ansprache im grossen Saal der UNO-Generalversammlung: «Die Geschichte hat die Schweizerinnen und Schweizer gelehrt, zu leben mit dem, was trennt.»
Wo man sich treffen kann, kommt ein Dialog zustande. Und wo man miteinander redet, entsteht Vertrauen.
Man habe Passstrassen, Brücken und Tunnel gebaut. Und so festgestellt, dass sich Trennendes, dass sich die Berge überwinden lassen. Parmelin sieht darin ein nützliches, ja aufmunterndes Sinnbild für eine Welt, in der die Konflikte gravierender und langwieriger und die Gräben tiefer werden. Gerade da könne die Schweizer Erfahrung nützlich sein: «Wo man Passagen findet, kann man einander treffen. Wo man sich treffen kann, kommt ein Dialog zustande. Und wo man miteinander redet, entsteht Vertrauen.»
Parmelin sagt auch: Die Schweiz behaupte nicht, alle Antworten zu haben. Aber zumindest einen Impuls könne sie geben.
Trump, die Schweiz und die Welt
Kurz vor seiner eigenen Ansprache hat Bundespräsident Guy Parmelin die umstrittene UNO-Rede von US-Präsident Donald Trump angehört – und spricht darauf mit SRF. Sein lakonischer Kommentar zu Trumps Worten: «Überraschendes habe ich da nicht vernommen.»
Die UNO bleibt unverzichtbar.
Sehr deutlich äussert er sich indes gegen eine Entwicklung hin zu einer Welt, in der zunehmend das Recht des Stärkeren gilt und Macht vor Recht kommt: «In einer solchen Welt sind kleinere Länder wie die Schweiz benachteiligt.» Sie seien zwingend auf multilaterale Zusammenarbeit und auf das Völkerrecht angewiesen. Und gerade dafür stünden die Vereinten Nationen. Entsprechend wichtig sei die UNO. «Zwar ist sie derzeit geschwächt», sagt Parmelin, «doch sie bleibt unverzichtbar. Denn hier kann man Lösungen finden und hier muss die Schweiz eine Rolle spielen.»
Für einen SVP-Bundesrat ist das ein überraschend deutliches Bekenntnis zur und Plädoyer für die UNO.
Zusammenhalt kleinerer Staaten
Der Bundespräsident setzt sich deshalb auch für einen engeren Schulterschluss kleiner und mittlerer Länder ein. Politisch, aber erst recht auch wirtschaftlich. Denn die Lage müsse sich wieder bessern.
Während die Grossmächte entschieden in eine andere Richtung streben und ihre Vormachtposition zunehmend ausnutzen, müssten die anderen dagegenhalten und, so Parmelin, «dafür sorgen, dass das Pendel bald wieder zurückschwingt».
Ist Parmelin zuversichtlich, dass das gelingt? «Ich bin in erster Linie pragmatisch. Wir stecken aktuell gerade in einer schlechten Phase.» Umso mehr müsse man sich engagieren. Denn die Welt stehe nicht still, sie bewege sich ständig.
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