Warum diese Chipfirma niemand nachbauen kann
TSMC ist nicht nur die wertvollste Firma Asiens, sondern wohl auch die wichtigste: Als „Silizium-Schutzschild“ soll sie Taiwan beschützen. c’t 3003 hat sich vor Ort mal genauer umgesehen.
Transkript des Videos
(Hinweis: Dieses Transkript ist für Menschen gedacht, die das Video oben nicht schauen können oder wollen. Der Text gibt nicht alle Informationen der Bildspur wieder.)
Guckt mal hier: 'ne Chipfabrik von TSMC, hier in Taiwan bei 30 Grad. Wenn ihr euch in den letzten 6 Jahren irgendein Apple-Gerät, also irgendeins, z. B. das hier, 'ne PlayStation 5, Xbox Series X, Nintendo Switch, 'n Steam Deck oder 'n Rechner mit AMD Ryzen gekauft habt, dann ist der Hauptchip dafür hier hergestellt worden: hier in Fab 12 oder in einer der umliegenden Fabs hier in Taiwan von TSMC.
Und das ist kein Zufall, sondern viele Leute gehen davon aus, dass TSMC die Lebensversicherung Taiwans ist. Denn falls China hier einmarschieren sollte und die USA sich einmischen, dann sinkt das weltweite Bruttoinlandsprodukt um 10 %, um 10 % weltweit!
Wir haben uns TSMC hier in Taiwan mal genauer angeguckt und haben auch einfach mal versucht, in so 'ne Fab reinzugehen. Dürfte ja kein Problem sein.
Ja, mein kleines Abenteuer geht gleich weiter, aber ich will nur noch mal kurz betonen: Diese Chips, von denen ich gerade gesprochen habe, die kann wirklich nur TSMC herstellen. Und warum das so ist, warum das eine absolut absurde Situation ist, warum weder China noch die USA mit all ihren Milliarden das hier alles nachbauen können, das seht ihr in diesem Video und natürlich, ob wir irgendwo reingekommen sind. Bleibt dran!
Kapitel 1: Was ist TSMC überhaupt?
Also los geht's mit Kapitel 1: Was ist TSMC überhaupt? Taiwan Semiconductor Manufacturing Company. Die machen also genau das, was draufsteht, nämlich Halbleiter in Taiwan, sagt ja der Name. Sonst nichts!
Und genau dieses „Sonst nichts“, das ist schon direkt die erste Besonderheit, denn der Gründer Morris Chang hat 1987, als er TSMC aufgemacht hat, die sogenannte Pure-Play-Foundry erfunden. Also 'ne Chipfabrik, die selbst keinerlei eigene Chips entwirft, sondern ausschließlich das baut, was andere entwerfen. Und das gab's so vorher nicht.
Früher war die Welt halt so: Wer Chips designen wollte, der braucht 'ne Fabrik dafür. Also, okay, z. B. Intel und NEC, da konnte man halt anfragen und wenn die Kapazitäten frei hatten, dann haben die auch Kunden von außen angenommen, aber das alles auch wirklich nur unter bestimmten Bedingungen.
Ja, nun aber halt Morris Chang mit seiner Pure-Play-Foundry-Weltidee, die hat wirklich die gesamte Tech-Industrie umgekrempelt. Denn erst dadurch entstanden Firmen wie Nvidia, Qualcomm, AMD in ihrer heutigen Form und natürlich auch Apples Chipsparte. Ja, und das sind alles Firmen, die keine einzige Chipfabrik besitzen, also fabless arbeiten. Das ist ja der Fachausdruck. Und wenn ich mir so den Börsenkurs von Nvidia angucke, ja, also auch ohne Chipfabrik scheint man ganz gut Geld verdienen zu können.
Aber natürlich ist TSMC nicht der einzige Auftragsfertiger auf der Welt. Und jetzt wird's schon ziemlich wild: TSMC hat ganz aktuell bei der Chip-Auftragsfertigung einen Marktanteil von 72,5 %. Die Konkurrenz, also Samsung aus Korea, SMIC (Smic) aus China, GlobalFoundries aus USA, die kommen jeweils maximal auf 6 %, also das ist eher so die Trostpreisfraktion. Ja, sogar Intel, die ja jahrzehntelang die berühmteste Chipfertigerfirma war, die lassen inzwischen einige ihrer Prozessoren bei TSMC fertigen. Also ungefähr so, als würd BMW Motoren bei Mercedes kaufen.
Ja, und der Hauptsitz von TSMC, also wo ich am Anfang da so rumstehe, der ist in Hsinchu und das ist so 20 Minuten mit'm Hochgeschwindigkeitszug von der Hauptstadt Taipeh entfernt. Man muss schon sagen, da ist jetzt nicht so richtig viel los in Hsinchu. Das ist so 'n bisschen so wie das Silicon Valley: Die Kohle wird da drüben gemacht, aber interessanter ist es in San Francisco bzw. Taipeh. Aber nett sind sie da, die Leute in Hsinchu.
Ganz witzig, z. B. als ich und Producer Pascal da ankamen in Hsinchu, waren wir erstmal auf so 'nem Streetfood-Markt Mittagessen und wir haben natürlich überhaupt nichts gecheckt, also was auf den Schildern stand, aber sofort kamen Leute und haben uns angeboten, uns die einzelnen Stände auf Englisch zu erklären. Das war wirklich total nett, total geduldig und dann haben wir fantastisch gegessen! Also wirklich richtig, richtig gut fanden wir das. Und umso lustiger fanden wir dann später, dass offenbar in Taiwan, wo Essen ja 'nen riesigen Stellenwert hat, Hsinchu als „Essenswüste“ gilt, also haben wir gehört.
Na ja, wieder zurück zu unserer Mission: Wir wollten ja bei TSMC reinkommen. Ja, haben mich leider nicht reingelassen und es gibt auch keinen Merch-Shop, aber ich versuche jetzt mal mein Glück im Museum. Da haben wir nämlich sogar 'n Termin.
Besuch im TSMC-Museum
Na ja, zumindest sind wir ins TSMC-Museum reingekommen. Das geht übrigens offiziell auch nicht ohne Anmeldung. Das ist direkt am Hauptgebäude von TSMC und in dem Museum, da wird schon ziemlich klar, dass dieser Morris Chang, von dem ich gerade geredet habe, ich sag mal, 'n ziemlich hohen Stellenwert hat.
Es gab da tatsächlich am Ende auch 'n Bereich im Museum, da konnte man so 'nen digitalen Morris Chang um Rat fragen: „Hey, Herr Chang, wo kriege ich denn 'ne RTX 5090 zum normalen Preis? Weil ihr sitzt ja doch eigentlich an der Quelle.“ Ja, da gab's keine Antwort drauf.
Ansonsten ist das Museum auf jeden Fall ganz nett, aber das ist nicht die Reise wert, würde ich sagen. Wenn ihr mal in Taipeh seid, kann man das machen, wenn man ein Riesenfan ist, aber ja, nicht so Besonderes.
Kapitel 2: Wie klein soll das sein?
Ja, aber ich wollte ja erklären, warum die Konkurrenz zurzeit keine Chance hat, und dafür jetzt Kapitel 2: Wie klein soll das sein? Ja, ihr habt den Begriff „Strukturbreite“ bestimmt schon öfter gehört, z. B. bei c't und heise, und auch so Sachen wie 3-Nanometer- oder 2-Nanometer-Prozess.
Und da muss ich leider direkt sagen: Diese Zahlen haben nichts mit den echten Strukturbreiten zu tun. Die echten Strukturbreiten sind größer und die Namen, das sind eher so was wie Generationenbezeichnungen. Also da ist nichts 2 Nanometer groß.
Aber die Strukturen auf den Chips sind trotzdem absurd klein. Wir sprechen hier von Strukturen in einer Größe so um die 20 Nanometer. Und zum Vergleich: Ein Coronavirus ist ungefähr 100 Nanometer groß, ein menschliches Haar 80.000 Nanometer dick. Und in einem aktuellen Apple-Chip stecken auf einer Fläche kleiner als euer Daumennagel ungefähr 20 Milliarden Transistoren. 20 Milliarden!
Ja, und wie geht das? Wie stellt man so kleine Dinge her? Ja, mit Lithografie. Das ist quasi Fotografie andersrum.
Ihr habt 'n Silizium-Wafer, so 'ne 30-cm-Scheibe, die ist mit 'nem lichtempfindlichen Lack beschichtet und dann projiziert man da mit Licht Muster drauf. Wo Licht hinkommt, verändert sich der Lack, dann wird das geätzt und dann kommt 'ne neue Schicht und das macht ihr so 80-, 100-mal übereinander. Und am Ende hat man dann so ein dreidimensionales Gebilde aus Leiterbahnen und Transistoren.
Das Problem ist halt nur, man kann eigentlich keine Strukturen belichten, die viel kleiner sind als die Wellenlänge des Lichts. Das ist so, als würde man versuchen, mit 'nem Farbroller 'ne Briefmarke zu beschriften. Jahrzehntelang hat man auf jeden Fall mit ultraviolettem Licht gearbeitet, das hat 193 Nanometer Wellenlänge, und mit vielen Tricks – Mehrfachbelichtung, Belichtung durch Wasser, ja wirklich – hat man das halt so lange ausgereizt, bis es einfach nicht mehr kleiner ging.
Ist ASML womöglich noch wichtiger?
Ja, und wie kriegt man das nun noch kleiner? Ja, jetzt wird's wirklich crazy, nämlich mit EUV, also einer Extrem-Ultraviolett-Lichtquelle, 13,5 Nanometer Wellenlänge. Und die Maschinen, die das können, die baut genau eine einzige Firma auf der Welt: ASML aus den Niederlanden. So 'ne Maschine kostet 200 Millionen Euro aufwärts pro Stück, die neueste Generation eher so 350 Millionen. Ich sag mal, so 'n Apparat ist relativ komplex: Wiegt auch 200 Tonnen und wenn so was angeliefert wird, dann kommen da drei Boeing-747-Transportflugzeuge und dazu noch 'n paar Lkw.
Ja, und wie genau erzeugt man dieses Licht? Man nimmt 'n kleinen Tropfen flüssiges Zinn, schießt ihn durch 'n Vakuum und trifft ihn im Flug mit einem Laser, zweimal: Der erste Schuss macht den Tropfen platt, der zweite verdampft ihn zu Plasma und dieses Plasma leuchtet dann kurz im EUV-Bereich. Und das macht die Maschine 50.000-mal pro Sekunde.
Dieses Licht ist so energiereich, dass es von normalen Linsen einfach geschluckt würde. Also gibt's keine Linsen, sondern Spiegel. Und die müssen so glatt sein – die Zahl kommt direkt von Zeiss, die die Spiegel bauen –, dass wenn man einen dieser Spiegel auf die Größe von Deutschland aufblasen würde, die größte Unebenheit 1/10 mm wäre. Ja, ziemlich unvorstellbar.
Und jetzt denkt ihr vielleicht: Moment, dann ist ja ASML die krasse Firma, nicht TSMC! Und ASML verkauft die Maschinen doch bestimmt auch an andere Firmen, also z. B. an Samsung und Intel. Warum können die nicht auch z. B. für Apple Chips fertigen?
Ja, und das ist das Ding halt: Die Maschine zu haben, das reicht nicht. Wenn ich mir jetzt die gleiche Küche wie so 'n Drei-Sterne-Restaurant hier zu Hause installiere, könnte ich leider trotzdem keine Drei-Sterne-Menüs kochen, glaube ich.
Kapitel 3: Das Geheimnis des Yields
Kapitel 3: Yield. So, und jetzt kommt die einfache Erklärung, warum TSMC so 'nen großen Marktanteil hat: Das, was TSMC nämlich kann und die anderen offenbar nicht so gut, ist Yield. Das ist der Fachausdruck für Ausbeute.
Ihr müsst euch vorstellen: Auf so 'nem Wafer passen ein paar Hundert Chips drauf und wenn eure Fertigung nicht perfekt läuft, ist 'n Teil davon kaputt: Staubkorn, minimal falsche Temperatur, ein Prozessschritt eine Nanosekunde zu lang – ja, Chip ist tot. Und bei 1000 Prozessschritten muss halt jeder einzelne quasi perfekt sein. Wenn jeder Schritt 99,9 % Erfolgsquote hat, dann klingt das erstmal super, aber hoch 1000 gerechnet sind das nur noch 37 %.
Die Berichte aus der Branche sagen auf jeden Fall: Bei den neuesten Prozessen hat TSMC Yields, von denen die Konkurrenz wirklich nur träumen kann. Samsung hatte bei seinem 3-Nanometer-Prozess zeitweise Ausbeuten, die kolportiert im niedrigen zweistelligen Prozentbereich lagen. Das heißt, von zehn Chips wandern sieben oder acht in die Tonne. Und dann kann man natürlich die Preise nicht halten und dann geht z. B. Qualcomm zu TSMC. Und das ist wirklich so passiert vor 'n paar Jahren.
So, und jetzt würde ich so 'nen Wafer eigentlich gerne mal in echt sehen. Im TSMC-Museum habe ich danach gefragt, leider gibt's da keinen. Schade, dann gehe ich noch mal ein bisschen spazieren und gucke mir das alles hier noch mal aus der Nähe an.
Riesiger Wasserverbrauch
Vielleicht sieht man das auf den Videos nicht so richtig, aber die TSMC-Gebäude hier sind riesig! Und was man mit bloßem Auge von außen sehen kann: die Wassermengen, die da runterlaufen. Chipfertigung ist einer der Industriebereiche, die am meisten Wasser verbrauchen. Und ja, das ist 'n Problem.
Also 2021, während der schlimmsten Dürre Taiwans seit Jahrzehnten, musste TSMC zeitweise Wasser per Lkw anliefern lassen. Okay, TSMC hat massiv in Wasseraufbereitung investiert, die PR-Abteilung sagt, dass mittlerweile jeder Tropfen im Schnitt 3,5-mal wiederverwendet wird, aber es gibt halt trotzdem manchmal zu wenig, weshalb in Hsinchu zum Teil sogar schon Meerwasserentsalzung eingesetzt wird. Also nicht alles ist rosig bei TSMC in Taiwan. Gucken wir mal woanders hin.
Kapitel 4: Das Silizium-Schutzschild
Kapitel 4: TSMC anderswo, nur abgespeckt. Ja, ich habe jetzt die ganze Zeit über Taiwan gesprochen, wo in etlichen TSMC-Fabs die wichtigsten Chips dieser Welt gebaut werden, aber TSMC hat inzwischen auf der ganzen Welt Fabriken, z. B. in Arizona, in Japan und sogar hier bei uns in Deutschland ist gerade eine im Bau in Dresden. Also TSMC hält davon in Deutschland 70 %, Bosch, Infineon und NXP steuern auch jeweils 10 % bei.
Aber alle anderen Fabriken, die nicht in Taiwan sind, die laufen auf älteren Prozessen, also mit größeren Strukturbreiten, für Chips, die man in Autos oder Waschmaschinen oder so verwenden kann. Aber das High-Tech-Zeug, also was in aktuellen Nvidia-GPUs steckt oder in Apple-Chips, das wird nur in Taiwan gebaut.
Ganz klar, die modernste Technik soll im Land bleiben und das nennt man den „Silicon Shield“, also Silizium-Schutzschild. Der Gedanke dahinter ist: Solange die ganze Welt unsere Chips braucht, wird uns die ganze Welt hoffentlich auch beschützen. Aber klappt das wirklich so? Gleich mehr dazu.
Kapitel 5: Wo ist die Konkurrenz?
Kapitel 5: Warum kann das niemand nachbauen? Ja, mal ganz kurz die ernsthaftesten TSMC-Konkurrenten im Schnelldurchlauf: Samsung. Samsung ist wohl der aus TSMC-Sicht gefährlichste Verfolger: Die haben EUV-Maschinen, die haben Geld ohne Ende, die haben zig Jahrzehnte Erfahrung und die haben früher sogar schon mal die Chips für Apple gefertigt.
Aber Samsung hat ein prinzipielles Problem, denn Samsung baut selbst halt Smartphones. Und wenn ihr jetzt Apple wärt, dann wollt ihr wahrscheinlich eure Chipdesigns auch nicht bei der Firma fertigen lassen, die euer größter Konkurrent, also zumindest bei den Handys, ist. TSMC hingegen, habe ich ja schon am Anfang gesagt, die haben das Mantra: Wir konkurrieren nicht mit unseren Kunden – nie! Hinzu kommt noch der Yield-Bonus.
GlobalFoundries: Das war mal die Fertigungssparte von AMD, ist dann ausgegliedert worden und die größte Fabrik von denen ist übrigens auch in Dresden. Ja, das ist auch gleichzeitig die größte europäische Chipfabrik. Aber GlobalFoundries hat 2018 einfach gesagt: „Nö, wir steigen aus dem Rennen aus. Also wir machen kein 7 Nanometer, wir machen keine EUV, ist zu teuer, zu riskant.“ Und die bauen jetzt ältere Prozesse für Autos, Industrie, so Funkchips.
Das läuft wirtschaftlich okay, aber dass GlobalFoundries einfach freiwillig das Strukturbreiten-Rennen aufgegeben hat, das zeigt eigentlich am besten, wie brutal dieser Wettkampf ist. Also selbst mit Milliarden im Rücken haben die entschieden: „Nee, lieber nicht.“
SMIC (Smic): Und jetzt nach China. SMIC ist Chinas größte Auftragsfertigung, staatlich ordentlich gefördert und trotz Exportverboten, also obwohl ASML keine EUV-Maschinen liefern darf, hat SMIC 2023 alle überrascht: Huawei brachte nämlich 'n Smartphone mit einem 7-Nanometer-Chip von SMIC, von Smic, raus, ganz ohne EUV. Und das haben die mit den alten 193-Nanometer-Maschinen und ganz viel Mehrfachbelichtung gemacht. Also im Prinzip so wie mit dieser Malerrolle die Briefmarke beschriftet, eben mit allen Tricks, die es so gibt in der Welt der Chipfertigung.
Das hat jetzt einmal funktioniert, aber das ist extrem teuer, extrem langsam und die Ausbeute ist nach allem, was man so hört, nicht gut. Das skaliert auch nicht unendlich und irgendwann kommt der Punkt, wo dann EUV erforderlich wird. SMIC, Smic, ist damit ungefähr da, wo TSMC 2018 war. Das ergibt also 7, 8 Jahre Rückstand und das ist viel in der Chipwelt.
Aber mal abwarten, wie das so weitergeht, denn China arbeitet schon an eigenen EUV-Maschinen. ASML hat allerdings 20 Jahre und wirklich Milliarden Euro gebraucht mit einem Zulieferernetz aus Tausenden Spezialfirmen, z. B. den Zeiss-Spiegeln aus Oberkochen, den Lasern von Trumpf aus Ditzingen. Das ist nicht irgendwas, was man mal eben nachbaut.
Und ja, das ist halt auch die Antwort generell drauf, warum TSMC niemand nachbauen kann: Das ist halt nicht eine Sache, die nur TSMC kann, das ist die Kombination aus den Maschinen, aus fast 40 Jahren Prozesswissen, aus Zehntausenden extrem gut ausgebildeten Ingenieuren in Taiwan und aus dem Vertrauen von Kunden, die mit ihren Chip-Bauplänen quasi ihre Kronjuwelen da abgeben. TSMC hat übrigens die Arizona-Fabrik anfangs vor allem mit Personal aus Taiwan hochgefahren, weil die lokalen Teams die Prozesse noch nicht kannten und es gab wohl auch ziemlich Ärger über die Arbeitszeiten. Zu dem Thema kann ich übrigens den wirklich fantastischen Dokumentarfilm „American Factory“ von 2019 empfehlen.
Kapitel 6: Was passiert, wenn’s knallt?
Was passiert, wenn's knallt? Okay, jetzt das, worüber niemand so gerne redet: Was passiert, wenn TSMC ausfällt, beispielsweise durch Krieg? Also China beansprucht Taiwan als abtrünnige Provinz und strebt eine „Wiedervereinigung“ an. Ja, also die erheben Anspruch drauf. Und Taiwan liegt auch auf einer Plattengrenze, da gibt es oft Erdbeben. Erstmal die gute Nachricht: Das Erdbeben 2024, Stärke 7,4, hat TSMC ziemlich gut weggesteckt. Die Fabs sind nämlich auf Dämpfern gebaut, die Produktion lief nach ein paar Tagen wieder an. Also so erdbebensicheres Bauen, das hat man in Taiwan richtig gut drauf.
Jetzt aber die schlechte Nachricht: Bloomberg Economics hat mal durchgerechnet, was ein Krieg um Taiwan kosten würde: ungefähr 10 Billionen Dollar, also die englischen „Trillions“, also etwa 10 % der weltweiten Wirtschaftsleistung. Nicht irgendwie spezifisch Computerkram oder so, sondern wirklich 10 % der gesamten Wirtschaftsleistung. Und ein großer Teil hat natürlich damit zu tun, dass die Chips fehlen.
Und zwar nicht nur bei High-End-Zeug – klar, es gibt keine neuen iPhones, gibt keine neuen Nvidia-GPUs, nahezu das ganze KI-Thema wäre schlagartig eingefroren –, aber TSMC baut ja auch massenhaft ganz normale Chips für Autos, für Waschmaschinen, für keine Ahnung, Router. Könnt ihr euch noch an die Chipkrise von 2021 erinnern, als Autohersteller ihre Bänder anhalten mussten, weil irgendwie so 50-Cent-Chips fehlten? Ja, das ist im Vergleich dazu wirklich 'n klitzekleiner Schluckauf.
Und das Fiese daran ist: Es gibt keine Backups. Selbst wenn alle Milliardensummen freigeben würden, um in Europa, in den USA oder irgendwo auf der Welt Ersatz zu bauen, so 'ne Fab braucht drei bis fünf Jahre bis zur Produktion und dann fehlen immer noch die Leute, die wissen, wie man die betreibt. Es gibt so 'n Diskussionspapier von US-Militärstrategen, in dem vorgeschlagen wird, dass Taiwan im Fall einer Invasion die eigenen Fabs zerstört, damit sie nicht in Chinas Hände fallen.
Und die TSMC-Vorstände haben öffentlich gesagt: Da braucht ihr euch gar keine Gedanken drüber machen, die Fabs sind ohne kontinuierlichen Nachschub an Chemikalien, Ersatzteilen und Software aus den USA, Japan und Europa innerhalb kürzester Zeit sowieso nicht mehr zu betreiben. Also wer die Insel erobert, kriegt nicht die Chips, die kriegt keiner. Übrigens hat ASML auch offiziell zu Protokoll gegeben, dass es tatsächlich einen Kill Switch gibt. Also die können, wenn da was passiert, von außen die Maschinen stilllegen.
Kapitel 7: Ausblick auf die Chip-Zukunft
Ja, wir sehen jetzt, dass viele Länder versuchen, ihr Risiko zu verringern. Also die USA haben den CHIPS Act, über 50 Milliarden Dollar Förderung, TSMC baut in Arizona selbst, mittlerweile ist die erste Fab dort in Produktion, weitere sind geplant.
Intel versucht mit einem eigenen Foundry-Geschäft wieder Anschluss zu finden, so mit gemischtem Erfolg, haben gerade ziemlich schwierige Jahre hinter sich. Japan hat TSMC nach Kumamoto geholt und Europa hat ja den European Chips Act und TSMC baut, wie gesagt, mit Bosch, Infineon und NXP zusammen in Dresden. Das heißt, es wird weltweit versucht, dieses Klumpenrisiko zu verkleinern. Also Klumpenrisiko ist natürlich die westliche Sicht, für die Menschen in Taiwan geht's natürlich um viel mehr, das soll hier nicht irgendwie zynisch klingen.
Aber es ist auf jeden Fall erstmal so: Die High-Tech-Chips werden weiterhin in Taiwan gebaut. Und TSMC prescht weiter nach vorne: Der 2-Nanometer-Prozess, der läuft gerade an, 1,6 und 1,4 sind auf der Roadmap und die investieren einfach jedes Jahr 30 bis 40 Milliarden Dollar in neue Fabriken. Und spätestens der KI-Boom hat TSMC nun zur wertvollsten Firma Asiens gemacht.
Und was ich wirklich faszinierend finde: Die ganze moderne Welt – KI, Smartphones, Auto, Militär, Computer –, die kulminiert so auf einer kleinen Insel im Pazifik. Und dieses wirtschaftliche, ja, Nadelöhr ist entstanden, weil es ökonomisch offenbar die effizienteste Lösung war. Na ja, und weil Taiwan halt auch großes politisches Interesse daran hatte und das entsprechend gefördert hat, was wirklich ein ziemlich genialer Schachzug war.
Ja, und aus Sicht Taiwans ist das Doofe natürlich, dass die restliche Welt jetzt versucht, ihre Abhängigkeit von Taiwan zu verringern. Und je mehr sie das macht, desto mehr stellt sich die Frage, ob das Silizium-Schild noch weiter schützt. Man kann wirklich nur hoffen, dass das nie auf die Probe gestellt wird.
Ja, was meint ihr dazu? Wir lesen alle Kommentare, zumindest an den ersten Tagen, und tschüss!
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